DØDSDRIFT - Ødnis

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VÖ: 01.10.2021
Bandinfo: DØDSDRIFT
Genre: Black Metal
Label: Vendetta Records
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Lineup  |  Trackliste

Meine Wenigkeit ist sich durchaus im Klaren darüber, dass sie in jüngerer Historie immer öfter über Soundprobleme bzw. bescheidenes Mixing/Mastering berichtete und diese dementsprechend auch häufiger in die Wertung einfließen ließ. Woher der Sinneswandel? Oder gab es überhaupt einen Sinneswandel? Sagen wir es so: Als Jugendlicher war es mir zu 99% scheißegal, schließlich musste es möglichst heftig krachen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen tangierten mich legendäre Bands und ihre noch legendäreren Alben aus den 80ern oder 90ern überhaupt nicht. Doch das änderte sich in den letzten Jahren, ich entdeckte plötzlich unzählige Klassiker, Geheimtipps o.Ä., die in einer Vielzahl schlichtweg "besser klingen" als vieles von dem digital klingenden, totkomprimierten Ausschuss, der heutzutage so produziert wird, wodurch sich auch meine Wahrnehmung wandelte. Trotzdem würde ich mich diesbezüglich nicht als übermäßig anspruchsvoll bezeichnen, aber es gibt eben Bands und Produzenten, die sich für keine Geschmacklosigkeit zu schade sind.

Warum diese Rechtfertigung? Eigentlich wollte ich diese Rezension zu DØDSDRIFTs Zweitwerk "Ødnis" mit einer ausschweifenden Retrospektive zum deutschen Black Metal einleiten, doch mein musikalisches Gewissen zerrte in den Wochen seit Erhalt der Promokopie von Tag zu Tag vehementer an mir - und es hatte Recht. Ich kann dieses Album nicht vom ersten bis zum zehnten Song durchhören. Und daran hat mitnichten das gute bis sehr gute Songmaterial Schuld, sondern ganz allein der Klang dieses Produkts. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie bescheuert ich mir vorkam, als ich die ersten Sekunden von "Fährde" hörte und dann zum ersten Mal das Schlagzeug einsetzte. Kurz darauf entsetztes Abwinken: „Die sollen ihren Scheiß selber rezensieren, ich tu' mir das nicht an.“ Aber das beißt sich selbstverständlich mit dem Credo, jedem Album, dem man sich annimmt, eine faire Chance einräumen zu wollen.

"Ødnis" hat eigentlich alles, was ein gutes Atmospheric-Black-Metal-Album benötigt: fesselnde Harmonien, angemessene Vocals, stimmungsvolle Atmosphäre. Selbst die Texte sind für German-Black-Metal-Verhältnisse, zumindest gemessen am neuen deutschen Standard, den bestimmte Kasperlbuden etabliert haben, nicht peinlich, sondern weitestgehend klischeefrei und seriös. Doch dann ist da leider noch dieser befehlshaberisch-kühle, industrielle Schlagzeugsound. Auf "Ødnis" wird, und das muss ich ausdrücklich betonen, kein Loudness War gegen das menschliche Gehör geführt, nein, wohl aber eine erbitterte Schlacht gegen den "guten Geschmack", den Genuss. Das ist meine Meinung und die ist natürlich nicht allgemeingültig. Wenn die Band das genau so will, gerne. Wenn andere Hörer das mögen, gerne. Bei mir jedoch stellte sich, wie gesagt, bereits nach kurzer Zeit eine störrische Antihaltung ein, weil ich mit dominantem, sterilem Klackern einfach nichts anfangen kann. Zumal es im Falle von "Ødnis" auch nicht so richtig zum Stil passen will.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (09.11.2021)

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