EXODUS - Persona Non Grata

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VÖ: 19.11.2021
Bandinfo: EXODUS
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Den Thrash Legenden aus der kalifornischen Bay Area, EXODUS, ist der Kragen geplatzt und halten mit „Persona Non Grata“ der Gesellschaft den Spiegel vor. Ihre Wut über vernunftbefreite, gewaltbereite Menschen, die in den Medien zu sehen sind, ist der Anstoß zur Albumidee, das Ergebnis: eine geballte Ladung Thrash mit einer noch nie dagewesenen aggressiven Spielweise.

Wie beim „Blood In, Blood Out“-Album ist „Persona Non Grata in keinem Studio aufgenommen worden, sondern in Huntings Berghütte in der kalifornischen Pampa. Den Feinschliff haben Andy Sneap - Producer von MACHINE HEAD - und Steve Lagudi - Soundtechniker aus New York - übernommen. Die alten Haudegen wissen, wie man EXODUS-Fans bei Laune hält und stellen den Drumsound in den Vordergrund, was bei der Anfangsnummer „Persona Non Grata“ deutlich zu hören ist. Hunting lässt seine Wut an den Trommeln aus, der einen von Sekunde Null an umhaut. Dazu gibt es auch ein paar stimmungsvolle Effekte, zum Beispiel die Kirchenglocke bei „Prescribing Horror“, die das i-Tüpfelchen für den Song bildet - ein alter Hut, wenn man an METALLICA denkt, den man trotzdem immer wieder gern gehört.

Anstatt Solidarität sieht man Chaos und Gewalt auf den Straßen. Wer das Geschehen in den Medien verfolgt, ist wahrscheinlich genervt von dieser sinnlosen Brutalität. Seien es prügelnde Polizisten, wütende Demonstranten oder unehrliche Journalisten, EXODUS nehmen alle drei ins Visier. Ihre Songtexte sprechen einem aus der Seele und geben einem das Gefühl, mit der aufgestauten Wut nicht allein zu sein. Naja, so dramatisch, wie das jetzt klingt, sind die Texte auch wieder nicht. Die herrlich böse Ironie wie im folgenden Vers „Bringing cheer in riot gear. All you gotta do, is obey. All the rank and file. Take their beatings and smile.“ zeigt den schwarzen Humor, der EXODUS innewohnt. Ihre Art zu texten ist eben eine gesunde Mischung aus wahren Worten und amüsanter Provokation.

 


Mit dem Lied „Persona Non Grata“ beweisen EXODUS aufs Neue, dass Zetros Rückkehr vor sieben Jahren kein Fehler war. Der zottelige Schreihals zeigt tiefe Growlingskills, die ein wenig an Chuck Billy - Sänger bei TESTAMENT - zu „The Gathering“-Zeiten (1999) erinnern und unterstreichen die aufgeheizte Stimmung, die sie vermitteln wollen.
„The Beatings Will Continue (Until Morale Improves)“; ein ungewöhnlich langer Songtitel, trifft es aber genau. Leuten mit Stöcken Vernunft einzuprügeln klingt nicht gerade sinnvoll, passiert in Amerika immer wieder. Über die Tatsache sind EXODUS ziemlich angefressen und projizieren ihre Wut auf die unschuldigen Instrumente: drei Minuten Vollbeschallung auf hohem Tempo; ein garantiertes Schleudertrauma für jeden Thrash Aficionado.

Nicht nur die Polizei, sondern auch die US-Medien bekommen ihr Fett weg. Laut Holt machen sie mit „Clickbait“ auf die „journalistische Unehrlichkeit“, die bei Sendern wie CNN oder FOX der Fall ist, aufmerksam. Die Texte sind der Hammer und musikalisch sind die Thrashlegenden auf Zack: fetzige Gitarren, die von knallharten Doublebeats durchs Lied gehetzt werden, das zeugt von grenzenloser Aggressivität in höllischer Geschwindigkeit.

Jetzt aber genug mit dem Lob! Zugegeben: Das Album ist nicht makellos und das muss auch erwähnt werden. Manchmal geraten EXODUS ins Straucheln, sodass die Stimmung in den Keller fällt. „Lunatic Liar Lord“ beginnt mit einer guten Bluesmelodie, die sich zum Thrashmonster entwickelt, jedoch schnell langweilig wird. In den Strophen bauen EXODUS Druck auf, wenn das Tempo reduziert wird ist die Luft draußen. Dieser Part dauert um einen Tick zu lang, da skipt man gleich zum nächsten. Mit der Nummer „Persona Non Grata“ - mit ähnlich langer Spielzeit – haben sie nicht das Problem. Hier wird energisch gespielt und das Aggressivitätslevel der Stimmung bis zum Schluss auch gehalten - wäre für „Lunatic Liar Lord“ wünschenswert gewesen.

Bei „Antiseed“ haben EXODUS Startschwierigkeiten, zuerst ein Solala-Saitengedudel, dann eine stotternde Gitarreneinlage, bis Hunting den Motor mit seinen Drumskills richtig ankurbelt. Von da an hängt sich die Band voll rein und kann das Ruder noch herumreißen. Trotzdem hätte es dem Lied nicht geschadet, die ersten eineinhalb Minuten zu streichen.

Ich habe nicht damit gerechnet, dass EXODUS sich in ihrer aggressiven Spielweise noch steigern können, jedenfalls eine gelungene Überraschung. Zetros tiefes Growling ist eine ideale Ergänzung zu seinem Gesangsrepertoire und der Fokus aufs Huntings Schlagzeug eine kleine, aber feine Verbesserung ihres Sounds. Die Themenwahl für die Songtexte trifft den Zeitgeist und muntert jene Metaller auf, die sich über das Menschenversagen in der heutigen Welt ärgern. Leider gibt es in „Persona Non Grata“ ein paar Durchhänger, die vermeidbar gewesen wären, doch davon existieren zum Glück nicht viele.

Fazit: „Persona Non Grata“ übertrifft „Blood In, Blood Out“, kann aber dem Thrash-Klassiker „Bonded By Blood“ nicht das Wasser reichen - wen wunderts.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Julian Dürnberger (15.11.2021)

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