OBSCURA QALMA - Apotheosis

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VÖ: 12.11.2021
Bandinfo: OBSCURA QALMA
Genre: Symphonic Black Metal
Label: Rising Nemesis Records
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Lineup  |  Trackliste

Oida Fux, diese Band martert das zartweiße, unbefleckte Progressive-Metal-Herz. OBSCURA QALMA wurde 2018 in good, old Venedig aus der Taufe gehoben, immerhin eine Stadt, in der eine Universität gegründet wurde, bevor das finstere Mittelalter seinen Ausgang fand, genauer 1470.  Wie es sich für eine ordentliche Blackened-Death-Metal-Band gehört, sind die Themen, mit der sich die Band tagein, tagaus beschäftigt, mit den christlichen Werten des Abendlandes verquickt: Mystizismus, Okkultismus, Tod, also eine Trinität, die der italienischen Inquisition durchaus in die Hände spielt. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil als „Blackened Heavily Orchestrated Death Metal".
In Zeiten wie diesen würde es mich nicht wundern, wenn es bezüglich Inquistion ein Revival gäbe. Inquisition light mit umweltfreundlichem Touch, wieso nicht, verdammt noch mal? Also, keine öffentlichen Feuersbrünste, bei der den Sündern das Fleisch von den Knochen brutzelt, sondern, ja, was weiß ich, gute Vorschläge sind erbeten.    

Demise the Sun“ bildet den orchestralen Einstieg, der daran erinnert, wie ein Held, von mir aus eine Heldin, man muss mit der Zeit gehen, begleitet wird, kurz bevor, die neun Pforten der Hölle durchquert wurden.

Beflügelt dort angekommen intoniert „Inpure Black Enlightment“, natürlich darf der salbungsvoll beschwörende Chor der gefallenen Engel nicht fehlen. Der Vergleich mit BEHEMOTH ist bis zu einem gewissen Grad berechtigt. Dafür, dass der Gesamtsound der Band sehr dicht, teilweise, vertrackt klingt, sind die Takte fast zu gerade, genauer 4/4, ein Mysterium. Der Sänger geht für mein Empfinden ein Eizerl ambitionierter ans Werk als Adam Darski (BEHEMOTH).  

Das Gitarren-Solo bei „Gemini“ ist melodiös, gut gemeint, wenngleich ich glaube, das Robert Johnson, seines Zeichens Tunichtgut bzw. Unterwelt-Kollabororateur, damit nicht restlos einverstanden sein würde.

The Forbidden Pantheon“ ist genau das richtige Lied, um Liebhaber des Computerspiels „Diablo“ bei dem kommenden Teil IV die nötige Inspiration zu verklickern. Ditto, das Solo ist leiwand melodiös, obgleich zu schlicht.

 



Während „Transcending The Sefirot“ lief und mir der Schlagzeuger dezent bolzend die Ohren massierte, langte ich zum ersten Mal gesittet gegen meine Stirn, ob denn da nicht Hörnchen durch meine Schädeldecke zu brechen gedenken.

Paradise Lost“, ja, klaro, untertänigste Grüße von Lilith und John Milton. Kurze Anekdote: Hab vor kurzem (m)einem Sprössling (8 Jahre) aufgetragen, die Religionslehrerin nach Lilith, der ersten Frau Adams zu fragen, weil er per se nicht kapieren wollte, dass er von Adam und Eva abstammen solle und wie sich das mit der Evolutionstheorie vertrage.

Was „Fleshbound“ betrifft, würde ich nun wirklich empfehlen, dieses Lied nicht alleine nach einem mittelalterlichen Feste bei Kerzenschein in sich aufzunehmen. Wegen der geistigen bzw. geistlichen Gesundheit warats. An sich ist das Lied mit diesem treibenden Schlagzeug, unterbrochen von schleppenden Gitarren und Tempiwechseln gut gelungen.

Telemachus Complex“ ist gewissermaßen der interessanteste Lied-Titel, der mir in letzter Zeit untergekommen ist. Massimo Recalcati veröffentlichte 2019 eine Publikation dazu, in der es um abwesende Väter geht, ja, exemplarisch Telemach und Odysseus, was sozusagen die Antithese zum Ödipus-Komplex darstellt. Liedtechnisch ist hier nichts Neues zu eruieren, um mich zu wiederholen, ein wenig mehr Variation wäre schon etwas.

Was „Imperial Cult“ betrifft, haben wir es fast geschafft. Der „Throne Of Stone“ ist nicht mehr allzu weit entfernt, Chöre von gefallenen Engeln, brunftigen Dämonen und Farinelli, nachdem er jahrelang mit Lemmy Kilmister Glühwein gesoffen hat, säumen unseren Weg. Das kurze Outro ist wieder eine kurze Sequenz, die wir in anderer Anordnung des Öfteren auf dieser Platte gerne gehört hätten, aber okay, es ist der erste Langdreher von OBSCURA QALMA, beim nächsten Mal womöglich.  

Awaken A Shrine To Oblivion“: Der gute, alte Luzifer seines Zeichens Lichtträger und Gründer der gerne zitierten Aktiengesellschaft 667 Underground Association empfängt uns in seiner vollen Pracht, lasset Konfetti regnen, wir bringen Reiskörner über seinem Haupte in Position, keckere Eleven greifen zu Maiskörnern. Preiset den Herren der Finsternis. Ende gut, alles gut.

Fazit: An sich geht die Platte in Ordnung, für jemanden, der auf diese Art der Trommelfellmassage steht. Ich sehe hier zumindest gute Ansätze, erwarte aber beim nächsten Reigen eine reifere Darbietung, so wahr mir Gott helfe. Amen.

    



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (10.11.2021)

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