ME AND THAT MAN - New Man, New Songs, Same Shit Vol. 2

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VÖ: 19.11.2021
Bandinfo: ME AND THAT MAN
Genre: Dark Rock
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

...aber Kopf hoch! Vielleicht finden Sie ja bald jemanden, der ihr ähnlich ist...mit nem anderen Namen, nem anderen Pass...aber trotzdem irgendwie genau wie sie. Kann doch sein...viel Glück euch beiden!


Ist es ein Zwilling? Ein Alter Ego mit neuem Pass? Die zweite Hälfte derselben Medaille? Die simple Antwort lautet "von allem ein wenig", denn schon der Titel "New Man, New Songs, Same Shit Vol. 1" machte klar, dass Onkel Nergals Stammtisch der außergesetzlichen Straßenmusikanten kein Unikum bleiben sollte. Warum denn auch nicht? Zündete doch "Vol. 1" bereits wie eine geölte Silvesterrakete mit Lachgaseinspritzung. Die seinerzeit vergebenen 4,5 Punkte hatte sich der bunte Haufen um den BEHEMOTH-Chefprediger und seine jüngere Band ME AND THAT MAN mehr als redlich verdient. Kurzweilig war der Spaß - zu kurzweilig, als dass man sich am "selben Scheiß" nach läppischen vierzig Minuten ernsthaft satthören könnte.

Selber Scheiß, die Zweite bitte!

So folgt auf den ersten Streich nun folgerichtig "New Man, New Songs, Same Shit Vol. 2" und macht genau dort weiter, wo das fulminante Allstar-Gästehaus vor gut anderthalb Jahren mit Niklas Kvarforths auraler Höllenfahrt gipfelte. Vom Grundprinzip identisch, musikalisch etwas verspielter und in Bezug auf die Gästeliste massiv aufgerüstet schickt Maestro Darski eine regelrechte Armada hochkarätiger Prominenz in den Ring und lässt Gegner wie Kritiker alt aussehen. Denn abgesehen von dem eher gelinde gehaltenen Anheizer "Black Hearse Cadillac" mit Hank von Hell und Anders Odden geht es auf "Vol. 2" kompromisslos in die Vollen - Orgeln, Streicher, Chöre, offensivere E-Gitarren-Einsätze und ein erneutes Hitfeuerwerk, bei dem keine Pommesgabel ungereckt bleibt.

Hieraus Hits und Anspieltipps zu extrahieren, ist zwecklos, weil spätestens ab dem zweiten Track "Under The Spell" eine Nummer so genial wie die andere ist - doch wollen wir der guten Ordnung halber einige meiner persönlichen Favoriten etwas näher beleuchten. Der besagte Song "Under The Spell" bspw. frisst sich mit fetzigen Beats, lässigen Rhythmen und Chorbegleitung auf kürzestem Weg in mein (nicht mehr ganz so) behaartes Rechenzentrum. In "All Hope Has Gone", das dezent an "By The River" (einer Großtat des Vorgängeralbums mit EMPERORs Ihsahn am Knüppel) erinnert, erleben wir einen Blaze Bayley, der sich in Bestform präsentiert und obendrein von Gary Holt und Jeff "Mantas" Dunn flankiert wird - was für ein fettes Lineup für einen einzigen Song!

Und "Losing My Blues" erst - hat dieser Abbath wirklich jemals Black Metal gespielt oder war das ein Fiebertraum? Alter Verwalter, der Typ hat Rock'n'Roll in seinen Genen - was man sowohl in seinen Panda-Projekten als auch hier zu spüren bekommt...mit dem Unterschied, dass sein unvergleichliches Rotz'n'Roll-Organ hier vollkommen ungefiltert den Äther penetriert. Auch ARCH ENEMYs Alissa White-Gluz zeigt sich im Zweigespann mit Devin Townsend in "Goodbye" von einer völlig anderen Seite und lässt leicht darüber hinwegsehen, dass ihre Hauptband zuweilen ein wenig überhyped wird. Ein beeindruckendes Gesangs-Exempel, das nur noch vom hoch emotionalen Vortrag Myrkurs in "Angel Of Light" getoppt werden kann...zum dahinfließen!

...und das nicht nur im musikalischen Sinne!

Auch die Texte sind abermals von hohem Unterhaltungswert, und das nicht nur, wenn der Leibhaftige mal wieder seine Fernwärme-Rechnung nicht bezahlt hat ("Coldest Day In Hell") und der dazu passende Song eher klingt wie die Intonierung einer stürmischen Romanze zwischen heißem Wüstensand und einer einsamen Landstraße. So lehrt einen "Witches Don't Fall In Love" überdies die Schattenseiten unreflektierter Tinder-Rendezvous (Achtung, saugefährlich! Aber immerhin verstehe ich jetzt endlich mal, woher die ganzen BURNING WITCHES-Hater kommen...).

Unfruchtende Brieffreundschaften mit Jesus ("Blues & Cocaine"), Odysseen über verbotenes Obst ("Goodbye") und die Gewissheit, dass die Engel des Erdenkellers immer für einen da sind ("but the angel of light is who listens to me" in "Angel Of Light") - ME AND THAT MAN und ihre Gäste treffen stets den richtigen Ton und wissen mit der unheiligen Dreifaltigkeit aus Blasphemie, Zweideutigkeit und einem Schuss schwarzem Humor zu verzücken und zu bekehren. Zu schade, dass wir dieses exquisite Großaufgebot gehobener Musikalität so wohl kaum live dargeboten bekommen werden...es sei denn, die versammelte Truppe spielt zufällig auf demselben großen Festival (man wird ja noch träumen dürfen).

Wenn schon kein "The Satanist 2.0", dann wenigstens ein krachendes "New Man, New Songs, Same Shit Vol. 2"!

So bleibt mir am Ende nichts, als "New Man, New Songs, Same Shit Vol. 2" ebenso frenetisch anzupreisen wie den vorangegangenen ersten Teil. Die Hitdichte und der Spaßfaktor sind so verblüffend wie die Tatsache, dass Meister Nergal eine noch größere Mann- und Frauschaft zusammengetrommelt hat wie in Teil 1 - sowas Geiles kann der alte Teufelskerl gerne jedes Jahr abliefern! Und wenn er seinen ungezügelten Spieltrieb künftig auf diese Baustelle konzentriert und demnächst mit seiner Hausband ein richtiges "The Satanist 2.0" rausbringt, dann bin ich überzeugt, dass sich alle Probleme dieser Welt in Luft auflösen werden. Und auf die Gefahr hin, dass ein mögliches "New Man, New Songs, Same Shit Vol. 3" meine mühsam erdachte Einleitung zerschießen möge, stelle ich auf's Tiefste überzeugt den abschließenden Antrag: lieber Nergal, hochverehrte ME AND THAT MAN, erlauchte Gäste und die, die es noch werden wollen: macht mehr davon, aber pronto!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (15.11.2021)

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