HORNS - Horns

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VÖ: 01.12.2021
Bandinfo: HORNS
Genre: (stilübergreifend)
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

HORNS mit dem gleichnamigen Erstling aus dem Frankenlande wollen selbstverständlich in keine Schublade gesteckt werden, der selbst deklarierte Stil Jazz-Metal wurde bis jetzt nicht vorstellig bei mir. Meine Vorliebe für MAHAVISHNU ORCHESTRA vermochte ich nie zu verhehlen, darum wird es bei dieser Reverenz HORNS hier nicht leicht gemacht. Um sie aufs gebohnerte Parkett der internationalen Metal-Association zu stellen, die musikalische Zueignung Jazz-Metal trifft es exakt. Hier ist das Orchester, etwa „S&M“ von METALLICA, nicht Beiwerk, nicht unbedeutende Fahrstuhlmusik im Hintergrund, sondern HORNS ist ein gleichwertiges Hybrid aus Jazz und Metal gelungen.

Ehrlich gesagt, regte sich zu Beginn eine kaum merkliche, leichte Skepsis, weil ich befürchtete, der Komponist SIMON FACHE, dessen geistige Eruption HORNS zu Grunde liegt, will uns wieder mal einen französischen Braunbären auf die Nase binden. Weit gefehlt. Bereits der Opener „Typical Teenagers“ punktet mit untypischer, aber gelungener Komposition. Sehr gut ausgearbeiteter, dichter Duktus, in denen diverse Instrumente einander ergänzen, ineinanderfließen bzw. ablösen, als würden Jazz & Metal einer natürlichen musikalischen Ordnung, einer seit jeher bestehenden Verbindung angehören.  
Der Gesang ist gleichwohl vielfältig und so startet „Legal Adults“ mit Death-Metal-Growls, der wenige Takte später durch einen Chor abgelöst wird.
Wie vollendet sich etwa Bläser und klassische Metal-Instrumente ergänzen, ist beim Intro von Track vier („First Time In Infernal Paradise“) zu hören.
Siren´s Call“ besticht, abgesehen von der Schrägheit und Vielfältigkeit der Nummer, mit einem Intermezzo, wobei Gitarren auf RIMSKI-KORSAKOW („Hummelflug“) machen, begleitet von einem Metal-Schlagzeug und Bläsern und es klingt markig ohne Ende.
Fly Me To The Darkside Of The Moon“ ist eine balladeske Nummer, in der eine E-Gitarre solieren darf, unterstützt von Querflöte, Blech- bzw. Holzbläsern. Ur leiwand.
Devil´s Hall Revealed“ ist wiederum in seiner Unstetigkeit gut gelungen: Metal, Ballade, Big-Band? „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man bekommt.“

Kritikpunkte werden bei HORNS trotz des Gelungenen ins Felde geführt, die jedoch in die Kategorie „Geschmackssache“ eingeordnet werden dürften. Das Album umfasst 15 Titel und mit der Zeit wird es ein wenig anstrengend für Hörer*innen, denn, so gut alles ausgearbeitet wurde, so viele Aha-Effekte es auslöst, breitenwirksamer Heppi-peppi-zwischendurch-Radio-endlos-Gedudel ist das hier nicht. HORNS fordert Aufmerksamkeit ein. Na gut, kann immer noch angefügt werden, dass es diese verdient hat.
Wer FRANK SINATRA, KIM WILDE bzw. FAITH NO MORE auf einem Album covert, müsste normalerweise auf eine Mittelmeerinsel verbannt werden. Franzosen wissen: Weiter weg wäre besser. Andererseits, um PATTI SMITH mit „Twelve“ mit auf die Bühne zu nehmen, kann auch diese Irrfahrt gelingen.
Meiner Meinung wird der Chor zu oft frequentiert.
Last, but not least: Die Cover-Nummern gehören nicht zu den stärksten, etwa DAVID BOWIE hätte nicht sein müssen. Für KIM WILDE mit „Kids in America“ gilt Ähnliches.

Fazit: Eine über weite Strecken gelungene Langrille, schräg, markant, einprägsam. Beim nächsten Mal wünschte ich mir eine LP mit ausschließlich Eigenkompositionen, weil die wahrlich hörenswert sind, bzw. ein Cover darf sein, um dieses Banner im Jazz-Metal aufrecht zu erhalten.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (24.11.2021)

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