HYPOCRISY - Worship

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VÖ: 26.11.2021
Bandinfo: HYPOCRISY
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Mit "Worship" liegt das dreizehnte Full Length Studioalbum von HYPOCRISY ("Catch 22 V2.0.08" nicht mitgerechnet) auf dem Prüf- und Präsentierteller. Dreizehn Longplayer - ein gutes oder schlechtes Omen? Das werdet Ihr spätestens beim Fazit erfahren.

Nach der letzten regulären Scheibe "End Of Disclosure" (2013) haben Workaholic Peter Tägtgren und seine Mitstreiter Mikael und Horgh sich satte acht Jahre Zeit gelassen, um "Worship" zu schreiben und schließlich einzuklöppeln. Ich hatte ehrlich gesagt eigentlich schon nicht mehr mit einem neuen HYPOCRISY Output gerechnet. Umso besser, dass ich mich geirrt habe.

Drei Video-Singles wurden vorab veröffentlicht und machten auf jeden Fall Lust auf mehr!

"Worship" startet direkt mit dem Titeltrack. Eingeleitet von akustischen Gitarren wechselt die Stimmung kurz hintereinander gleich zweimal. Zuerst in einen episch-melodischen Stromgitarren-Reigen. Und danach manifestiert sich der Song zu einem thrashlastigen, garstigen, aber mitreißenden Uptempo-Galopper. Peters Organ kreischt und growlt, dass es eine wahre Freude ist.

Anschließend erklingen die ersten Töne der Single-Auskopplung "Chemical Whore" und HYPOCRISY kredenzen der Hörerschaft beginnend mit einem fetten BOLT THROWER Gedächtnis-Riff (während sich eine äußerst melodische und einprägsame Hookline in die Death Metal Walze einflicht) den ersten episch-schleppenden Melodeath-Hit des aktuellen Albums. Kurz angemerkt sei, dass den Vorwürfen einiger Verschwörungstheorie-Aufdecker, es handle sich bei den Lyrics um eine Corona-Impfgegner-Schwurbelei, der Wind direkt wieder aus den Segeln genommen wird. Denn laut Aussage von Peter Tägtgren entstand der Song bereits 2018, das Video wurde 2019 gedreht - also lange vor Corona. Zur textlichen Anklage der großen Pharma-Konzerne kann man stehen, wie man will, fakt ist, dass nicht nur in Deutschland, sondern weltweit seit Jahren viel zu viele nicht notwendige Medikamente vor allem im Bereich der Antibiotika und der Schmerzmittel verordnet werden.

Yeah!! Bolzenwerfer-Tribute Nummer zwei! Was für ein Riffmonster eröffnet "Greedy Bastards"! Der Trackt stampft groovig wie die Hölle aus den Boxen und erweist sich als absoluter Schädelspalter. 

Hernach treten HYPOCRISY (zumindest zeitweise) in der zweiten Single-Veröffentlichung "Dead Word" wieder etwas stärker aufs Gas. Die Strophen präsentieren sich angenehm PAIN-lastig, im Chorus wird es dann schnell und derbe. Und an dieser Stelle noch einmal ein Wort zu den Lyrics. Ja - "Dead World" enthält die Textzeile: "...chemtrails as far as eye can see...". Allerdings wird als Songwriting-Verantwortlicher für den Track Peters Sohn Sebastian Tägtgren angegeben. Das Stück wurde neben anderen für ein Vater-Sohn-Todesblei-Projekt geschrieben, das allerdings ohne Veröffentlichung auf Eis gelegt wurde. Weiterhin hat Peter Tägtgren immer wieder erklärt, dass es sich bei den HYPOCRISY Texten schon immer um mehr oder weniger "...düstere (Zukunfts)Visionen irgendwo zwischen Realität und Fiktion..." gehandelt hat. Ich persönlich habe bislang Herrn Tägtgren noch nicht über Chemtrails schwadronieren gehört, da gibt es u.a. mit Mr. Megadave ganz andere Kaliber in der Richtung.

Song Nummer fünf - "We're The Walking Dead" ist für mich (neben "Bug In The Net") der Übersong des Albums. Was für eine unglaubliche Breitwand-Epik-Hymne"! Erinnerungen an "The Fourth Dimension" ("The Fourth Dimension", 1994), "Roswell 47" ("Abducted", 1996) oder natürlich an "Deathrow (No Regrets)" ("Into The Abyss", 2000) werden wach, und diese Vergleiche sind absolut angebracht. "We're The Walking Dead" reiht sich auf Augenhöhe in diese Ahnengalerie ein.

"Brotherhood Of The Serpent" ist ein pumpendes Stück Old School Death Metal im zeitgemäßen Gewand. Nackenschmerzen sind hier vorprogrammiert, wenn man sich ordentlich headbangend der Bruderschaft der Schlange anschließt.

Die dritte Vorab-Single "Children Of The Gray" schlägt in die gleiche Kerbe wie "Chemical Whore" und "We're The Walking Dead", groovend, episch, melodisch, HYPOCRISY exakt so - wie ich sie am liebsten mag.

Man kennt ja von den zurückliegenden Veröffentlichungen das Erfolgsrezept der sich abwechselnden Slow/Midtempo Tracks und der schnellen Stücke, in denen es richtig abgeht. Zu diesen gehört "Another Day". Schnörkellos und auf die Zwölf, mit HELLHAMMER-Ughs und fettem Todeswalzenriff-Einschub. Trotzdem ist "Another Day" für mich der schwächste Track auf "Worship". Was in diesem Fall allerdings bedeutet, dass die Nummer lediglich als "gut" einzustufen ist.

"They Will Arrive" glänzt mit enormem Abwechslungsreichtum, ehe mit "Bug In The Net" Hammersong Nummer vier ertönt. Die Melodie der Hookline ist geradezu überirdisch, und in Verbindung mit Peters bester Growl-Leistung auf dem gesamten Album hat "They Will Arrive" bereits jetzt echte Klassiker-Qualitäten.

Der Rausschmeißer "Gods Of The Underground" fasst (auch wenn das ein klassischer Klischee-Satz ist, aber er trifft halt voll und ganz zu!) noch einmal alle liebgewonnenen und auf "Worship" hervorragend wiedergegebenen Trademarks von HYPOCRISY zusammen, und die Herren Tägtgren, Hedlund und Horghagen präsentieren uns hier einen erstklassigen Album-Closer. Würdiger Abschluss einer exzellenten Scheibe.

Fazit:

Die Trennung von Till Lindemann scheint bewirkt zu haben, dass Peter Tägtgren wieder mehr Zeit und Energie in seine Hauptband stecken konnte. Herausgekommen ist eine bockstarke Scheibe, die ganz in der Tradition von Klassikern wie "The Fourth Dimension" und "Into The Abyss" steht und sich vor diesen ewigen Band- und Genre-Highlights in keiner Weise verstecken muss. Dass Peter Tägtgren in seiner Eigenschaft als Produzent dem Album den passenden Sound verpasst hat, versteht sich von selbst. Und auch das Coverartwork ist ein echter Hingucker.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (27.11.2021)

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