NIGHTLAND - The Great Nothing

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VÖ: 19.11.2021
Bandinfo: NIGHTLAND
Genre: Melodic Death Metal
Label: Scarlet Records
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Lineup  |  Trackliste

NIGHTLAND konnten 2015 (Eigen-VÖ) bzw. 2017 (Re-Release mit Label) mit ihrem ersten Album „Obsession“ für gehörigen Erfolgsdruck bei sich selbst sorgen, dem sie mit „Umbra Astra Luna“ 2019 gerade so standhalten konnten. Seitdem entwickeln sich die vier Italiener mit der fluffigen Haarpracht stetig weiter und arbeiten mit Hochdruck daran, ihren Sound zu perfektionieren. Dabei bewegen sich NIGHTLAND gekonnt auf dem Terrain des Symphonischen Extreme Metals und haben eine perfekt austarierte Mischung zwischen cineastischem Orchesterbombast und arschtretendem melodischen Todesmetall entwickelt, die erfreulicherweise höchst eigenständig tönt.

Doch genau diese inzwischen polierte und äußerst wirkungsvolle Stilistik ist es, die auch gleichzeitig die Schwachstelle des nun vorliegenden neuen Albums „The Great Nothing“ ist. Denn der polierte Sound, die getragenen Arrangements mit turmhohen Gitarrenwänden und Ohrwurmpassagen, ausgedehnt auf das gesamte Album, lassen insgesamt nur noch wenig Spielraum für Variation und daraus erwachsende, echte Highlights. Wohl ist „For Once My Name“ dank seinem eingängigen Chorus ein echter Hingucker, bzw. „Hinhörer“ und auch der dicht arrangierte Opener „The Conjunction Of Benetnash“ mag schnell zünden, doch der letzte Funken zu einem echten „whow!“-Effekt fehlt ein wenig. Da reißt es auch der gänzlich ohne metallische Riffs auskommende Instrumental-Titel „101 Megaparsecs“ nicht heraus, der aber als gediegene Überleitung zum finalen Dreifachschlag äußerst wirkungsvolle Dienste leistet.

Mehr Abwechslung bietet da schon das zehnminütige Epos „Shade Of A Lowering Star“, das mit melodischem Gitarrenwerk und klug gesetzten Tempowechseln überzeugen kann und gerade durch seine aufeinander aufbauenden derben Growls und bombastischen Chören zu gefallen weiß. Die Abwechslung und die raumgreifenden Spannungsbögen, die die ersten Werke der Italiener zu einem musikalischen Füllhorn machen, findet man dann hauptsächlich im dreiteiligen Titeltrack „The Great Nothing“, der in machtvoller, cineastischer Opulenz über den Hörer hinweg rollt, aber trotz ausufernder Orchestrierung nicht überladen wirkt. Besonders der letzte Part, „Pursuers Of Absolution“ kann sich durch seine großartigen, melodischen Gitarrenläufe hervortun, die gekonnt von Akustik-Arrangements und Piano-Passagen akzentuiert werden und immer wieder von rasenden Doublebass-Attacken angetrieben werden.

Unterm Strich bleibt man bei „The Great Nothing“ aber ein wenig zwiegespalten zurück – zum einen haben NIGHTLAND mit ihren teils großartigen Arrangements und ordentlich Druck im Sound wirklich was auf dem Kasten, andererseits sorgt aber genau diese perfektionistische, geradezu akribische Herangehensweise für ein irgendwie distanziertes Gefühl beim Hörer, weil bis auf den dreiteiligen Titeltrack Überraschung und Frische durch das letztendlich doch vorhersehbare Songwriting erstickt werden. So bleibt „The Great Nothing“ ein saustarkes Album, in das man aber irgendwie nur schwer hineinfindet und das sich irgendwie dagegen sperrt, sich wirklich langfristig im Gehörgang zu verhaken.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (28.11.2021)

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