KOMODOR - Nasty Habits

Artikel-Bild
VÖ: 17.12.2021
Bandinfo: KOMODOR
Genre: Classic Rock
Label: Soulseller Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Vier Mannen aus dem Frankenlande eignen ihrer Band den Namen KOMODOR zu. Erste Frage: What? Damit ist, wie der Rezensent vermutet, nicht das Hotel „Komodor“ in Dubrovnik gemeint. Der Dienstgrad Kommodor entstand gegen Ende des 17. Jahrhunderts in der Niederländischen Marine und bezeichnet einen befehligenden Offizier zur See, der nicht den Dienstgrad Admiral führt?!? Womöglich bezieht sich die Band bezüglich ihres Namens auf ein anderes Synonym.  Schlechte Angewohnheiten? „Nasty Habits“ ist jedenfalls der Name dieser Langrille.
Nun, lässt sich daraus auf die wahrlich als Retro-Haudegen schaffende Band schließen? Von Kopf bis Fuß auf Rückwärtsgewandtes eingestellt. Selbst die putzigen Oberlippenbärte (gemeinhin als Rotzbremse bezeichnet) runden die Retro-Rock-Optik ab. Wiederum stellt sich die Frage: Wozu? (im bairischen Dialektraum: Za wos?)
Selbstverständlich wird auf Rickenbacker, Gibson und Fender gesetzt. Zurück zum Ursprung. Gegen den drahtig warmen Sound einer Fender Telecaster mit verbauten Single-Coil-Pickups wird jeder Kritikpunkt weggewummert. Die sehr offene, direkte Ausfertigung des Tontechnikers, ihr ahntet es bereits werte Leser*innen, mutet stark Retro an. Welch einnehmenden Sound namhafte Bands der 1960er-Jahre mit ollen 4-Spur-Geräten hingekriegt haben. Bemerkenswert. Der Vergleich macht sie sicher.

Um es kurz zusammenzufassen: Hier wurde mit Vorsatz musikalisch ein Salto Mortale, ein tödlicher Sprung zurück in die 1970er-Jahre vollführt.

Dieser tödliche Rückwärtssalto birgt so seine Schwierigkeiten für den bescheidenen Rezensenten. Viele Bands berufen sich bewusst oder unbewusst auf die Altvorderen des Rocks, Metals, Pops, Blues, was weiß der Teufel was noch. KOMODOR berufen sich nicht auf Vergangenes, sie zelebrieren es, wollen auf dem Ereignishorizont einer Dekade reüssieren, die bereits ein halbes Jahrhundert in die Annalen der Musikgeschichte eingegangen ist. Die Augenhöhe kann vermeintlich nur die Gleiche sein. Um einen Satz aus dem Film „Crossroads -  Der Pakt mit dem Teufel“ aus dem Jahre 1986 zu zitieren. Ja, der gute, alte Luzifer weiß, wo seine Schäfchen ins Trockene zu bringen sind: „Musikalische Meisterschaft ist nur dann möglich, wenn kulturelle Affinität besteht“. Um ein weiteres Zitat zu strapazieren, diesmal darf Jim Morrison fünf Wörtchen mitreden: „I think, that´s bullshit.“
Hier tut sich wieder einmal die Krux der Geschichte auf und das wie immer im wahrsten Sinne des Wortes. Nach welchen Qualitätskriterium soll KOMODOR objektiv beurteilt werden? Songwriting, technische Raffinesse, Timbre des Sängers? Für meinen Geschmack ist das Gesamtkonzept stimmig, jedenfalls wenn der Blickwinkel auf die 1970er-Jahre verschoben wird. Aus heutiger Sicht bliebe die Beurteilung problematisch.

Der bescheidene Rezensent kommt zu dem Schluss, dieser Platte keine 1-bis-5-Sternchen-Bewertung abringen zu können. Klartext: Entweder sie gefällt, oder nicht, das aber sollen Hörer*innen für sich entscheiden. To Blues-Rock or not to Blues-Rock that is the question.

Um einen kleinen Vorgeschmack auf den Logplayer von KOMODOR zu geben, ja, das gesamte Werk ist in exakt diesem Duktus ausgeformt, wird hier ein Video angefügt und damit wird dieses Vögelchen harmonischer Tonkompositionen in die Freiheit entlassen, voilà:

 



Ohne Bewertung
Autor: Richard Kölldorfer (13.12.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE