DJINN-GHÜL - Mechalith

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VÖ: 09.12.2021
Bandinfo: DJINN-GHÜL
Genre: Experimental Metal
Label: Vicious Instinct Records
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Lineup  |  Trackliste

Die furchtlose Zwei-Nasen-Band DJINN-GHÜL entspringt einer Vereinigung zweier Musiker mit venezolanischen bzw. nordamerikanischen Wurzeln, die 2017 ihre erste Langrille auf die Menschheit losließ. Junior Patiño ist für die Vocals verantwortlich während Grant Nachbur alle Instrumente bzw. das Programming übernimmt. 2021 werden Metallurgen aller Länder zur Vorweihnachtszeit mit neuem, sagen wir mal euphemistisch, starkem Tobak beglückt: Eine EP auf der sich vier herzallerliebste Lieder befinden, wird dargeboten.  

Die soundtechnische Ausfertigung dieser EP mutet eigenartig an. Gitarren bzw. Bass sind sehr fett, aus der Kategorie Distortion und Gain, angelegt, der Gesang hackt sich in seiner Wuchtigkeit einwandfrei dazu. Andererseits ist das Schlagzeug aus der Gattung Omas und Opas Kochtöpfe: eine Bestandsaufnahme ausgeformt, in etwa wie beim besten Album von METALLICA „...And Justice For All“.

Der Sound ist dermaßen bleischwer drückend, DJINN GHÜL machen keine halben Sachen und selbstverständlich keine Gefangenen, als würde einem die Schädeldecke mit einem Presslufthammer massiert werden. Diese verrohte Derbheit bis zur Schmerzgrenze ist dermaßen heftig, dass es schon wieder gut ist. Darum gehen hier verhaltene Danksagungen raus: Diese EP tut weh, auf LP-Länge ist das für Hörer*innen kaum ohne psychische und physische (Spät-)Folgen durchzuhalten.

Die Voyager-Sonden wurden bekanntlich mit einer goldenen Platte ausgestattet, die unter dem Titel „The Sounds Of Earth“ in den Raum geschossen wurde. Darauf befinden sich 27 Musik-Stücke von Bach über Armstrong bis zu Navajo-Gesang. Da die Menschlein nicht wissen, ob uns fremdartige Spezies wohlgesonnen sind, wäre es doch klug gewesen, sozusagen als Abschreckung, nicht nur Wohlklingendes anmutig in den Raum schwingen zu lassen. Hierbei hätte DJINN-GHÜL bestimmt weiterhelfen können, wobei die Band erst seit 2016 existiert.

Ore & Fluid“: Dieser Sound direkt aus der interstellaren Hölle, wie sie etwa in dem Science-Fiction-Streifen „Event Horizon“ angedeutet wird, ist das Gegenteil des letztlich rezensierten hörer*innenfreundlichen Albums von MALADY. Death Metal bei dem sowohl Instrumente als auch Gesang immer auf Anschlag getrimmt sind, unterbrochen von kurzen Synthesizer-Sequenzen, die die Absurdität dieser Malaise betonen.



Mechalith“: Hui, weiter geht es mit dem Dauerfeuer aus dem mittlerweile rotglühenden Schießgewehr. Ganz ehrlich: Man müsste DJINN-GHÜL fast dankbar sein, dass diese Nummer auf 2 Minuten 38 Sekunden begrenzt wurde.

Pleonexia“: Zähne ziehen mit  Vorschlaghämmern, die gleichfalls als Drumsticks für wenig Zartbesaitete ihre Anwendung finden.

Drosera“:
Jemand: „Oh, intergalaktischer Folterrat, habt Erbarmen mit der unterbelichteten Spezies der Menschen.“
Der intergalaktische Folterrat: „Show no Mercy.“

Untermauert bzw. untermalen wird diese Musik durch das eher dem Symbolismus zuzuordnenden Cover-Motiv von gefolterten bzw. zwischen Pyramiden zerquetschten Menschenleibern.

Fazit: Wenn die Welt nicht mehr genug ist, tragen uns die apokalyptischen Reiter auf Raumschiffen durch Zeit und Raum, auf das das Jüngste Gericht uns als Nachspeise verdrückt und wieder ausscheißt. Flieget hin in Frieden.

The End.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (07.12.2021)

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