WOMBBATH - Agma

Artikel-Bild
VÖ: 31.12.2021
Bandinfo: WOMBBATH
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Nachdem wir letztes Jahr gleich zwei WOMBBATH-Releases zu beschnattern hatten, sorgt der gerade einmal zwölf Monate nach seinem Vorgänger erscheinende Langspieler "Agma" gleichermaßen für Verwunderung, Neugier und vorsichtige Skepsis. Zwar gab "Tales Of Madness" überwiegend Neueinspielungen alter Klassiker zum Besten und ging damit nur bedingt als klassisches Studioalbum durch, doch stellt man sich die Frage, wie geölt die Songwriting-Maschine auf Dauer laufen kann, wenn derart im Akkord [und natürlich im übertragenen Sinne] Elche geschossen werden wie im vorliegenden Falle.

Um den Gedanken weiter und vor allem in Richtung einer zufriedenstellenden Antwort zu entwickeln, greifen wir nochmal das resümierende Schlussplädoyer zu "Tales Of Madness" auf, das das Grundrezept für guten Elchmetal zu formulieren versuchte: " (...) mit urtypischem Sound, standesgemäßem Geschnetzel und einem kleinen Schuss 'out of the box composing'". Wenn ich dieses Ingredienzen-Triumvirat nicht bereits in meinem letzten WOMBBATH-Review verheizt hätte, müsste ich es wohl hier und heute nachholen, weil es auch in Bezug auf das hier besprochene "Agma" den Nagel präzise auf den Kopf trifft. Den Löwenanteil dieses musikalischen Großaufgebots von sage und schreibe 73 (!) Minuten bildet selbstredend das standesgemäße Geschnetzel - was anderes hätte sicherlich niemand erwartet, geschweige denn herbeigesehnt.

So überrascht der Opener "The Law Of Everything" mit... nun ja ... original überhaupt nichts - abgesehen mal von der beachtlichen Bugwelle, die dieses Monstrum von einem Death-Metal-Song vor sich her schiebt. Über Attribute wie "standesgemäß", "üblich und verdächtig" und dergleichen darf man hier gerne und berechtigterweise sinnieren, aber der aus diesem Track emporspringende Feuersturm aus Motivation, Zerstörungswut und stimmigem Songwriting ist einfach beeindruckend. Damit hat der Einstieg in die Platte unterm Strich doch noch was Überraschendes an sich - und das durchaus im positiven Sinne.

Den urtypischen Sound haben die Schweden - wer hätte es gedacht - ohne wenn und aber beibehalten, doch hat Meister Pettersson dem Gebräu einen deutlich moderneren und drückenderen Anstrich verpasst, der seine Herkunft nicht leugnet und dennoch zahlreiche Bausanierer, Ohrenärzte und Ordnungsamtsvollstrecker zu reichen Leuten machen dürfte. Schlecht war die Produktion der letzten Platten sicherlich nicht und die Frage nach dem richtigen Mix ist ohnehin vielmehr philosophischer denn analytischer Natur - doch wie man es dreht und wendet, dieses Teil klingt einfach nur brutal. Und auch diese Entwicklung ist nach den letzten Releases eine eher unvorhergesehene Wendung.

Und zu guter Letzt findet man das beschriebene out of the box composing, das vor rund einem Jahr im Song "The Fleshly Existence Of Man" seinen Anfang machte, nun in vielen Tracks auf "Agma" wieder. Angefangen mit kleineren Experimenten mit halb cleanem Gesang in "At The Giant's Feet" oder "Inquisition Reborn" über dezent technische Raserei in "Blindly They Follow" bis zum avantgardistisch-geigenreichen Gipfel namens "The Age Of Death" knallen uns die Herren ein Bündel unkonventionell-konventioneller Tracks vor den Latz, die trotz allen Traditionsbewusstseins immer noch zu verblüffen wissen.

Drei Pfeiler desselben Grundrezepts - dreimal angewandt und dabei dreimal überrascht, obwohl kompositorisches Querulantentum auch auf diesem Album mikroskopisch klein geschrieben wird. Diese wundersame Eigenschaft in Verbindung mit durchweg starken Tracks und der gewaltigen Soundwand machen "Agma" zu einer sehr runden Sache und ganz klar zur stärksten Platte der anhaltenden Serie. Musste ich mir bei den letzten beiden Outputs noch einen wohlwollenden Ruck für die vier Punkte geben, darf ich hier verkünden, dass die Lorbeeren in diesem Fall mehr als redlich verdient sind.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (24.12.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE