VIOLENȚĂ DOMESTICĂ - Cephalaea

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VÖ: 10.09.2020
Bandinfo: VIOLENȚĂ DOMESTICĂ
Genre: (stilübergreifend)
Label: Teratogen
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Lineup  |  Trackliste

Dr. Winter mag so einigen von euch bereits als heimischer Künstler bekannt sein, der sich unter dem Banner von Teratogen nicht nur mit außergewöhnlichen Coverartworks in der Metalszene einen Namen machte. Nebst kreativen Pinselstrichen weiß Dr. Winter auch mit Tönen zu malen, wie er mit seinem bereits seit längerem existierenden Projekt VIOLENȚĂ DOMESTICĂ nun beweisen möchte. Nach gescheiterten Anläufen und kreativer Durststrecke, steht nun nämlich mit „Cephalaea“ der erste Vollrund des Projekts in den Regalen und liefert eine spannende, stilübergreifende Mischung auf einem Bett aus sehr elektronisch geprägtem Industrial und Noise-Elementen, die dem Hörer einiges abverlangt.

Der „Cradle Song“ mit der Melodie von „Guten Abend, gut Nacht“ von einer Spieluhr intoniert, in der Folge auf groteske Weise verzerrt, leitet die gekonnte Gehörgangsvergewaltigung von VIOLENȚĂ DOMESTICĂ ein. Ehe einem „Pain“ gleich den höchst weltlichen Schmerz sehr anschaulich vor die Füße kotzt. Dass der Titel augenscheinlich in einem höchst intensiven O(h)rgasmus endet, macht die Intention des Künstlers klar – hier wird durch schmerzhafte Töne Lust kreiert. Das kann man mögen – muss man aber nicht.

Denn VIOLENȚĂ DOMESTICĂ machen es dem Hörer nicht einfach – schleppende, bedrohliche Titel wie „Room 79 (reentered in 2020)“, bisweilen auch mit ausladenden Sprechpassagen wie „Curing The Incurable“, oder auch mit richtig hässlichen Tönen aufwühlende Stücke wie „Aroused“ verlangen ungeteilte Aufmerksamkeit. Oftmals bricht sich die Industrial-Schlagseite Bahn, wie im Doppelschlag „“Rendeadvous with Jane Doe (reunited in 2020)“ und „Love At First Sight“, manchmal kommt aber sogar ein direkt tanzbarer Beat um die Ecke, wie in „No Way Out“.

Verstörend und nervenaufreibend wird es in Titeln wie „Futility“, welches ausschließlich von gesprochenen Vocals und verzerrten Störgeräuschen lebt – ein verstörender und aufwühlender Track, der durchaus länger nachhallt. Doch auch ein vergleichsweise reduzierter, vom harten Kontrast zwischen fragiler Klaviermelodie und räudig verzerrten Gitarren lebender Track wie „Venustraphobia“ schafft es, ein auf schwer beschreibbare Weise ungutes Gefühl zu hinterlassen. „Paracetamol“ ist dann zum Abschluss das sprichwörtliche Schmerzmittel für die geschundenen Gehörgänge – 30 Sekunden Stille, um die 47 Minuten tonalen Horrortrip, der von VIOLENȚĂ DOMESTICĂ kredenzt wurde, zu verdauen.

VIOLENȚĂ DOMESTICĂ bietet Nischenmusik für den sehr speziellen Geschmack – wer mit stark in elektronische Bereiche reichendem Industrial nichts anfangen kann, der sollte schnellstens die Flucht ergreifen. Wer spannende, nicht alltägliche Klangkonstrukte mag, die gerne auch einmal energisch gegen den schöngeistigen Strich bürsten, der sollte sich eingehender mit Dr. Winters Projekt und dem daraus hervorgegangenen Album „Cephalaea“ beschäftigen. Aber Vorsicht – das Zeug ist nicht nur bissig und verlangt erst einmal gezähmt zu werden, sondern ist unterm Strich auch echt schwer verdaulich. Freunde der gekonnten Gehörgangsvergewaltigung werden ziemlich sicher frohlocken, der Rezensent flickt indes seine Trommelfelle und begibt sich in Zuckerwatte-Therapie.

 

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (15.12.2021)

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