STAHLMANN - Quarz

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VÖ: 10.12.2021
Bandinfo: STAHLMANN
Genre: Industrial Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

„Quarz“ ist da. Die neue von STAHLMANN. Ein Werk, das lt. Zitat von Martin Soer sich zumindest bei der Benennung an der Vergangenheit orientiert. „Wir wollten mit QUARZ thematisch stärker an unsere früheren Veröffentlichungen QUECKSILBER, ADAMANT oder CO² anknüpfen“, sagt der Frontman der Band. Inhaltlich will man gleichzeitig „back to the roots“ und mit aktuellen Ideen gearbeitet haben. Das Resultat sei „…ein wirklich rundes Ding, eingängig aber trotzdem mit all den Ecken und Kanten, für die Stahlmann bekannt sind.“

Beim Durchhören kann ich mich dieser Aussage teils anschließen, teils jedoch nicht unbedingt. Das Album in sich selbst ist rund mit Ecken und Kanten. Es ist eigenständig und auf STAHLMANN Manier durchdacht. Es ist jedoch nicht so eingängig bzw. hat es in meinen Augen nicht die Dichte an TOP-Songs wie die Vorgänger.

STAHLMANN haben natürlich nichts an der Intensität beim Texten und Songwriting verloren, in Summe erscheint mir „Quarz“ aber ruhiger und nicht so fetzig. Es wird erneut der Weg von 2019 eingeschlagen bzw. in diese Richtung entwickelt sich die Band weiter bzw. retour. Oft ist der Sound stilistisch Richtung Gothic/Electro angesiedelt, hie und da dann der Drift zum Deutschrock. Ein paar Nummern haben den typischen Industrial und NDH Sound inne, und sehr oft ist die Basis viel Elektronik, fast schon Richtung Elektro-Pop der 80er, mit sphärischen Klänge, in Kombination mit Dancefloor Rhythmen und Programming-Beats. Die Texte sind inhaltsschwanger und wie gewohnt mit doppeldeutigem Sinn.

Die Songs:

"Wollust": mit Nachdruck gespielt und gesungen; speedig, heavy Riffs, aggressiv – Hallo Neue Deutsche Härte, hier geht die Post ab. Die zuckenden und hin und her flirrenden Synthie-Klänge setzen einen Gegenpart zu den heavy Riffs.

"Sünder": Schaut mal das Video an. Es ist ein melodiöser Rhythmus in Kombination mit eindringlich hämmerndem Schlagzeug-Sound. Die Vocals sind mehr gesungen als der sonstige Sprechgesang.

"Krähen der Nacht": Gothic Sound mit viel Programming und melancholischem Gesang. Ein ruhigeres bzw. langsameres Stück, das auch Anteile vom Deutschrock in sich trägt, wenn das düstere Songszenario mit mehr Schwung in den ins Ohr gehenden Refrain wechselt.

"Gottmaschine" liefert ein brachial-düsteres Industrial-Sound-Szenario; ganz typisch der Inhalt über die Maschinen und Gott; ein starkes Riff, dass rein groovt und einen mitreißt,dazu gibt es sphärische Keyboardklänge als Begleitung.

"Sonnenreich": Rockig und groovig. Ein Lovesong? Naja, irgendwie ja und auch nein. Der Text ist wie immer zweideutig. Der Refrain mit den Worten "Du bist der Gott für mein Sonnenreich ..." ist fast auf die falsche Fährte lockend. Ein kraftvolles Stück.

„Gegen den Strom“ klingt fast wie Marschmusik, es wird ein starker Fokus auf die Vocals gesetzt und es ertönt ein eindringlicher, einheitlicher Rhythmus, der einen hypnotisiert. Auch das gleichmäßige Pulsieren des Sounds trägt dazu bei.

Dann folgt Disco/Dancefloor und ein sehr normaler Sound, der ein wenig an die Elektro-Pop Sachen der 80er erinnert. „Herz und Tränen“ ist aber dann doch eher Gothic-angehaucht. Es würde nur mehr eine Frauenstimme fehlen, um hier ein Herz-Schmerz Duett entstehen zu lassen. So ist es eher einseitig und Mart singt sich mit Hingabe durch diesen Herz-Schmerz-Song, der trotz der Story einen eher flotten Sound hat.

„Der Sturm“ – klingt zart und sinnlich rau mit Orchester-Einspielungen. Die jammernde Violine könnte aus einem Liebesfilm Finale geklaut sein, aber das darf man hier nicht ganz so eng sehen. Es ist eine Art Ballade, falls man so etwas bei NDH überhaupt sagen kann. Mit den Orchester Arrangements erreicht man eine etwas andere Richtung, die aber nicht schlecht ist. "Der Sturm“ mausert sich mit seiner Dichtheit und mit den unterschiedlichen Arrangements und Höhepunkten, die über Orchester und Vocals eingespielt werden, zu einem der Highlights des Albums. Dieser Song zählt auch zu den längsten des Albums, und das ist gut, um diese kleine Geschichte vom Anfang bis zum Ende transportieren zu können und um die Facetten der Kombination Orchester-Metal-Band von allen Seiten beleuchten zu können.

„Tobsucht“ ist wiederum groovig, mit eindringlichen Riffs und Bässen. Der Sing-Sang ist einerseits mitreißend und mit dem Groove hypnotisch, andererseits verstörend und bedrückend. Aber eines ist er nicht – es ist keine Tobsucht, denn dafür ist er zu zahm.

Ahhhh, „Willst Du“, das hat wieder Power und Biss und Zweideutigkeit. NDH und der typische Sprechgesang schwingen sich hoch und reißen einen mit. Der stampfende Beat geht richtig gut ab. Ein gutgemachtes Ende des Albums also.

Das war der schnelle Durchmarsch. Wie kann man das zusammenfassen: Düster-dunkel überwiegt, man findet wenig Leichtigkeit, dafür öfter morbide Gedankengänge. Gesangstechnisch überwiegt Marts melancholische Sprechgesang. Es gibt seltener harte Metal-Riffs, dafür ist im Vordergrund immer der Keyboard Sound mit Programminig präsent. Gelegentlich hört man wummernden Industrial Sound, aber nicht mit dem Biss von früher. "Tobsucht" zum Beispiel hätte viel intensiver umgesetzt und ausgedrückt werden können, so wie es jetzt ist, klingt es doch irgendwie zahnlos.

Fazit: Das ist ein Album für Elektro&Programming-Freaks sowie Fans von aggressiven, wütenden, melancholischen Texten, die teilweise in ein harmloses Soundkleid verpackt, an das Ohr des Hörers dringen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (14.01.2022)

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