BLACK SOUL HORDE - Horrors From The Void

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VÖ: 10.11.2021
Bandinfo: BLACK SOUL HORDE
Genre: Heavy Metal
Label: Vinyl Sound
Lineup  |  Trackliste

Hier wird jetzt einfach mal eine wilde Spekulation unters Volk geballert: Rein theoretisch ist es möglich, dass BLACK SOUL HORDE von einem grandiosen Konzert der ehemaligen Metal-Heroen (und inzwischen aufgelösten) ICED EARTH inspiriert wurden. 1999 nahmen die Amis an zwei Abenden das Live-Album „Alive In Athens“ auf, wo sich Band und Publikum hör- und sichtbar gegenseitig pushten und ein Glanzlicht des Live-Metals verewigten. Ob damals im knackevollen Athener Rondon Club auch Gitarrist John Tsiakopoulos (NIGHT RESIDENT, MAHAKALA, SPEEDBLOW), Lead-Gitarrist Costas Papaspyrou (NIGHT RESIDENT, SPEEDBLOW) und Jim Kotsis (MAHAKALA) mit den anderen Metal-verrückten Griechen durchdrehten, ist nicht überliefert. Einzig der Studio-Drummer Vasilis Nanos ist noch zu jung dafür. Es wäre aber eine schöne Geschichte, wenn zumindest die drei zuvor Genannten nach der Show beschlossen, selbst so eine Band zu gründen.

Denn tatsächlich haben die Griechen einiges gemeinsam mit den Amis: Einen homogenen, schlüssigen Sound, dem zwar bekannte Zutaten und Verweise auf bestehende Bands innewohnt, aber durch den ganz eigenen Mix dann doch nicht abgedroschen klingt, sondern frisch. Auch, weil sie immer wieder mit komplexen, melodiösen Gitarrenläufen für wohlige Schauer sorgen.

Vor allem klingen BLACK SOUL HORDE ähnlich angriffslustig wie damals noch ICED EARTH. Stilistisch ist das Ganze auch nicht so weit weg: Mal schielen IRON MAIDEN um die Ecke, mal sind es OMEN, mal HAMMERFALL (wie am Anfang von „Dragonfire“) oder – um mal ein paar neuere Bands als Referenz heranzuziehen – auch GRAND MAGUS, PORTRAIT, TWISTED TOWER DIRE oder ETERNAL CHAMPION. Also traditioneller Power Metal mit klassischem US-Metal gepaart, dazu ein Schuss NWOBHM und epischer Metal der Marke MANILLA ROAD. Dabei klingt das Alles aber keineswegs altbacken, vielmehr erfreut man sich auch beim zigsten Durchlauf immer wieder neue Details zu entdecken. Die Griechen haben wirklich viel Detailliebe hineingesteckt, nicht nur mittels gedoppeltem und sich überlagerndem Gesang und Gitarren.

Dazu kommt – wie es oft auch bei ICED EARTH gewesen ist – ein zur Musik passendes Textkonzept. Im Falle des nun vorliegenden Drittwerks der Horde (eine Namensgebung übrigens, die bei einem Trio plus Session-Drummer einen gewissen unfreiwilligen Witz beinhaltet) geht’s um das H.-P.-Lovecraft-Universum. Somit ist „Horrors From The Void“ ein Album, das textlich und musikalisch viel Atmosphäre versprüht, meist recht düsterer Natur. Eigentlich klingt es so, als sei die Musik komponiert worden als akustischer Gleichklang zu den Büchern von Heroic-Fantasy-Großmeistern wie Karl Edward Wagner oder David Gemmell oder Rollenspielen wie The Elder Scrolls. Und dabei werden gelungen die dumpfen Metal-Klischees und totgenudelten Plattitüden der Marke „sword, warrior, eagle, dragon“ vermieden.

Höhepunkte aus dem homogenen Album herauszugreifen, fällt nicht so leicht. Sicherlich „Beware The Deep“, das von vorne bis hinten nur als gelungen bezeichnet werden kann. Angefangen mit ikonischem Bass-Geklimper, dann die zunehmende Temposteigerung, mit tollen Riffs und warmen Harmonien versehen, dazu ein vor Charakter strotzender Gesang – und beim Refrain müsste eigentlich jedem Fan von traditionellem Metal einer abgehen. Sehr geil (und damit etwas besser als der Rest) ist auch „The Betrayal Of The King“ das ab Minute 3:00 eine fast schon wahnwitzige Gitarren-Abfahrt hinlegt, dass die Höschen und Unterbuxen feucht werden. Aber auch andere Songs können was, so etwa „Blinding Void“, wo mit unheilvollem Gebrüll-Gesang aus dem Hintergrund für Abwechslung gesorgt wird. A propos Gesang: Jim Kotsis ist zwar bewusst nach hinten gemischt, sodass er mit den Instrumenten auf einer Höhe ist, aber nicht wie bei manch anderen Bands über allem thront. Das ergibt ein Klangbild, durch das man automatisch gezielter hinhören muss, damit man auch ja nix verpasst. Das wird nicht jedem gefallen.

Sänger Kotsis bringt einiges an Variabilität mit, geht wie bei „Lair Of The Wolf“ auch immer wieder mal in die Höhen, ohne zu übertreiben (also nix mit Gesang, der klingt als würde sich jemand die Hoden quetschen). Auch schafft er es, Emotionen in seine Stimme zu legen, bleibt dabei aber angenehm in der Stimmfarbe. Wichtiger aber noch: Er schafft es, wie ein Storyteller zu klingen und dem Hörer das Gefühl zu vermitteln, er werde mitgenommen auf eine spannende Reise, die Kotsis episch erzählt.

Letztlich ist dieses Album wohl nichts für den Massengeschmack, schon wegen des Mixes mit dem relativ nach hinten gedrängten Gesangs. Andererseits kommen die exzellenten Gitarrenläufe und -harmonien, die einfach auch einen grandios-passenden Sound haben, durch den Mix so richtig schön zur Geltung. BLACK SOUL HORDE haben viele Details verarbeitet, die man erstmal entdecken muss – etwas Geduld braucht man bei den meisten Tracks von „Horrors From The Void“ also schon. Wenn man das macht, wird einem auffallen, dass auch die Songs, die vom Refrain oder der Hauptmelodie her nicht ganz so packend sind (so zum Beispiel ausgerechnet der nicht aus dem Quark kommende Opener), dennoch gerade durch die Details wie einem Gitarren-Lick hier oder einem eingeschobenen Riff dort immer wieder Spaß machen. Insgesamt schafft es die Band, auf Ihrem Drittwerk aus bekannten Zutaten einen eigenen Sound zu kreieren, der wunderbar zu heroischer, düsterer Fantasy oder auch Science Fiction passt. Abgerundet wird das Album von einem gelungenen Coverartwork aus der Feder von Bassist und Gitarrist Tsiakopoulos. Fein, fein.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (21.12.2021)

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