SOLAR CROSS - Echoes Of The Eternal Word

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VÖ: 19.11.2021
Bandinfo: SOLAR CROSS
Genre: Progressive Death Metal
Label: Transcending Records
Lineup  |  Trackliste

SOLAR CROSS heißt das neue Bandprojekt der drei finnischen Brüder Lauri, Harri und Jarmo Pikka. Die beiden Letztgenannten waren mal bei der Melodic-Death-Metal-Gruppe OMNIUM GATHERUM. Musikalisch hat man sich nicht in komplett andere Welten begeben (dazu unten mehr), aber offenbar konzeptionell und textlich. Dazu ein Auszug aus dem Pressetext (frei übersetzt): „Ein Kreuz im Kreis ist seit prähistorischer Zeit ein Symbol für Ganzheit. Es repräsentiert den großen Kreislauf des Seins, die mythische ewige Wiederkehr. Diese kraftvolle Ursymbolik ist in der Musik von SOLAR CROSS zu hören: geradliniger, aber nuancierter Metal mit Texten, die von der finnischen Folklore und der persönlichen rituellen Beziehung zu natürlichen Zyklen inspiriert sind.“ Die „archetypische Viererkette“ werde durch den Lyriker und Autor Matti Rautaniemi vervollständigt, heißt es weiter.

Rautaniemi ist hierzulande noch nicht weiter aufgefallen als Autor und wenn man sich im Internet umschaut, fällt einem mit als erstes auf, dass sich der Herr gerade mit einer Doktorarbeit zur Geschichte von Yoga in Finnland beschäftigt.Wie auch immer, mit Yoga oder Entspannung hat das vorliegende Debütalbum nicht wirklich was zu tun. Einzig der abschließende Song „Golden, Crowned And Pure“ kommt sehr entspannt rüber, als schwebe man akustisch in einem Drogennebel – also durchaus wie bei einem Mantra-Gemurmel eines Yogi-Schamanen oder wie diese Leute heißen.
Womit wir zum Ausgangspunkt für dieses Album kommen. Dazu lässt sich Gitarrist Harri Pikka im Presseinfotext wie folgt zur vorab veröffentlichten Single „Bloodstreams“ zitieren: „Bloodstreams ist der allererste Song, der für SOLAR CROSS geschrieben, aufgenommen und gemischt wurde, also ist es gerechtfertigt, mit dem Track zuerst rauszugehen. Sängerin Lauri Pikka machte während des gesamten Songs einige experimentelle perkussive Atemübungen, um diesen sägeartigen Rhythmus zu erzeugen. Der Song stützt sich am Anfang und Ende auf einen stetigen schamanischen Groove, der abenteuerlustige Thrash-Mittelteil legt noch einmal nach. Das Visualizer-Video passt gut zur Stimmung des Songs.“ Stimmt alles, wenn man sich die Mucke und das Video reinzieht. Wirklich gelungen! Sowohl die beschwörerische Stimmung zu Beginn wie auch die rasante Thrash-Abfahrt mit fetzigem Gitarrenriff, die dann folgt. Und der Refrain kann ebenfalls viel. Mühelos als Hymne zu bezeichnen. Erinnert zwar stark an den Song „Stars“ von EINHERJER (auch vom knurrigen Death-Metal-Gesang her), aber ein Abklatsch ist es nicht.

Nochmal aus dem Info-Text, diesmal der Texter Matti Rautaniemi: „Die Idee zu ‚Bloodstreams‘ entstand durch die Teilnahme an einem schamanischen Workshop, bei dem ich diese Linien des Ahnenbluts als unendliches Rhizom aus roten Strömen erlebte – wie ein Netzwerk von Adern, aber weit über meinen Körper hinaus. Das Lied handelt davon, dass jeder von uns mit diesem riesigen Netzwerk von Vorfahren verbunden ist. Wenn wir dies anerkennen und eine wechselseitige Beziehung zu unseren Wurzeln pflegen, können wir von diesen lebendigen Strömen, die uns durchfließen und über uns hinausgehen, Nahrung und Unterstützung erhalten.“

„Echoes Of The Eternal Word“ hat viele sehr gute Ideen. So sind die vier Interludes (inlusive eines Intros) allesamt hörenswert und musikalisch auf ganz hohem Niveau. Sie passen nur irgendwie zumeist stilistisch nicht so richtig zu den restlichen Songs. Als wenn das nicht genügen würde an irritierenden Stil-Brüchen, pendeln die Brüder zwischen diversen Stilen manchmal sogar innerhalb eines Songs hin und her. Das wirkt unentschlossen und zwischen allen Stühlen sitzend. Die Single „Bloodstreams“ lenkt den Hörer auf eine falsche Fährte: Statt düster-bedrohlichem Death Metal mit progressivem (Mittel-)Part klimpert bei „The Ever Unfolding“ auf einmal eine beschwingt-entspannte Akustik-Gitarre durch den ansonsten eigentlich recht gelungen und kreativen Post-Metal-Song mit Düster-Rock-Schlagseite. Wenn das nur nicht so harter Bruch mit dem Stil von „Bloodstreams“ wäre. Das folgende „High God“ legt noch eine Schippe drauf: Death-Metal-Gebrüll, schräger Sprechgesang im Mittelteil und Gitarrenriffs, die Industrial-like zusammen mit den teilweise hingehauchten Vocals eine apokalytisch-kalte Stimmung verbreiten. Okay, kann man so machen. Wenn da nur nicht das nächste süßlich anmutende Interlude „The Wheel Turns“ wäre und dann bei „Mother Of Wolves“ das Double-Bass-Gedonner losginge. Wieder winken EINHERJER mit dem Zaunpfahl. Jedoch crasht der catchy, fast schon popige Refrain mit Klargesang die Hörererwartung aufs Neue an die Wand.

„Technophiliac Trance“ ballert fies drauflos, skandinavischer Death Metal erster Güte, bis dann wieder ein Bruch kommt, diesmal aber ein kleinerer. Sehr rhythmisch, fließende Übergänge, fast schon flirrende Gitarren-Harmonien und ein paar gelungene Tempowechsel. Nicht übel. Nach einem überflüssig wirkenden Zwischenspiel, dröhnt der übel gelaunte Thrasher „From Secret Source“ schön elegisch treibend auf einer prächtigen Gitarren-Harmonie in die Eingeweide, sodass man nun endlich das Gefühl hat: Ah, okay, das will die Band also! Doch dann kommt zum Abschluss das bereits oben beschriebene bedrogte Gemurmel, zwar sehr atmosphärisch und in sich konsistent und glaubhaft. In Gänze wirkt das Album aber auch hier wieder wie ein bunter Strauß an Ideen, bei dem die drei Brüder nicht so recht wussten, wie sie ihn drappieren und binden sollen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Tobias (21.12.2021)

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