FEUERSCHWANZ - Memento Mori

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VÖ: 30.12.2021
Bandinfo: FEUERSCHWANZ
Genre: Mittelalter Rock
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

FEUERSCHWANZ lieferten in der ersten Hälfte des Vorjahres mit ihrem Album „Das elfte Gebot“ DIE Alben-Überraschung schlechthin ab. Da in der Zwischenzeit sämtliche Touren bis dato quasi ersatzlos ausfielen und auch sonst die Aktivitätsmöglichkeiten am Live-Sektor recht überschaubar blieben, begab sich des Hauptmanns geiler Haufen eben direkt wieder ins Studio und beglückt uns nun im scheidenden 2021 wieder mit einem neuen Album. Dieses hört auf den Namen „Memento Mori“ und schließt nicht nur inhaltlich zum Teil an den Vorgänger an. Zwar hat sich an der Bandbesetzung mit einem Wechsel am Schlagzeug eine kleine Veränderung eingeschlichen, doch musikalisch agieren FEUERSCHWANZ wie vom letzten Output ins Herz geschlossen, erneut auf einem wahnsinnig hohen Level. Die Härteschraube wurde noch einmal ein kleines Stück angezogen, die Themenwelten wurden ausgefeilter (es wird bewusst vermieden, die Umschreibung „erwachsen“ zu verwenden), doch die gnadenlose Eingängigkeit ist erhalten geblieben.

So startet „Memento Mori“ mit dem gleichnamigen Titeltrack, der nicht nur eine Weiterführung der sich nicht nur als Weiterführung des Titeltracks des Vorgängers „Das elfte Gebot“ versteht, sondern sich auch vom Fleck weg mit einer gnadenlosen Hookline und prägnantem Refrain in die Gehörgänge gräbt. Mit dem zackigen „Untot im Drachenboot“ biegt ein lupenreiner Powermetal-Smasher um die Ecke, während „Ultima Nocte“ den Folk-Einschlag deutlich hervorkehrt und mit breitwandigem Gitarren und mitgrölverdächtigen „hu-ha!“-Strophen ein klein wenig an den Genreprimus POWERWOLF gemahnt.

Wenn sich FEUERSCHWANZ und HÄMATOM auf ein Packl hauen, dann kommt ein gesanglich vergleichsweise brachialer Titel heraus, dessen Refrain aber nicht so ganz mit den kantigen Strophen mithalten kann. Dass der Anti-Weihnachts-Song „Krampus“ dann einen Weihnachts-Klassiker wie „Kling, Glöckchen, Klingelingeling“ ins finstere Gegenteil verkehrt (samt epischem Video mit gehörntem Gesellen), sorgt für kindliches Frohlocken beim bekennend Weihnachtshassenden Rezensenten.

Für absolute Gänsehautmomente sorgt das epische „Rohirrim“, welches den Ritt der Reiter von Rohan in die Schlacht um Minas Tirhith thematisiert, und dabei auf Zitate aus der berühmten Filmrede ihres Königs Théoden aufbaut – mehr Dramatik und Epik geht kaum noch! „Darum reitet, Rohirrim, bis ans Ende dieser Welt! Ein Schwerttag, ein Bluttag, wenn Schild und Speer zerschellt!“ Dagegen kann der obligate Seitenhieb auf die mit „Feuer und Schwert“ missionierende Kirche nicht so ganz mithalten, sehr wohl aber das galoppierende, von kantigen, mit etwas thrashiger Note versehenen Riffs angetriebene „Hannibal“, dessen Refrain sich, wie so viele auf „Memento Mori“, heftig im Gehörgang festbeißt.

Dass FEUERSCHWANZ die flachen Späßchen hinter sich gelassen haben und sich zu einem ernstzunehmenden Anwärter auf eine der Spitzenpositionen des Genres entwickelt haben, sieht man am klarsten in der Ballade „Das Herz eines Drachen“, in der der FEUERSCHWANZ einen tiefgründigen Blick auf das Vater-Sohn-Verhältnis unter dem Schatten von Krieg und Kriegsgefangenschaft werfen. Der unfassbar eindringliche Song, der vollkommen ohne Vorwurf oder Verklärung die Schatten der Vergangenheit thematisiert, gehört wohl mit zum Besten, was FEUERSCHWANZ je geschrieben haben.

Das letzte Album hat die Erwartungen an des Hauptmanns geilen Haufen in gewaltige Höhen geschraubt und „Memento Mori“ vermag es, die Erwartungen der Hörerschaft in jeder Hinsicht zu erfüllen. Es ist eine Ecke kantiger und düsterer als der Vorgänger, bewahrt sich jedoch dessen Eingängigkeit und Leichtigkeit, die von musikalischer Klasse veredelt wird. Die Sonderedition gibt es auch wieder mit Cover-Bonus-CD, wo nicht nur Genre-Klassiker von MANOWAR und AMON AMARTH gekonnt verwurstet werden, sondern auch glorreiche Querschläger wie „Dragostea Din Tei“ den Partyfaktor mit lockerer Hand durch die Decke jagen. Ja, „Memento Mori“ ist genau das, was man nach mehr als eineinhalb turbulenten Jahren brauchen kann. Applaus!

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (31.12.2021)

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