POWER PALADIN - With The Magic Of Windfyre Steel

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VÖ: 07.01.2022
Bandinfo: POWER PALADIN
Genre: Power Metal
Label: ATOMIC FIRE RECORDS
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die jungen Heißsporne von POWER PALADIN aus dem sonnigen Itali... Ach nee, die Truppe kommt ja aus dem äußersten Nordwesten Europas. Genauer gesagt aus Reykjavík, der Hauptstadt Islands. Gefilde, in denen eher düstere und/oder progressive bzw. psychedelische Klänge beheimatet sind (SÓLSTAFIR, SVARTIDAUÐI, AUÐN, KONTINUUM, THE VINTAGE CARAVAN). Und wenn dann das Label Atomic Fire vollmundig von der "...neuen Power Metal Sensation..." spricht, dann muß ich mir von "With The Magic Of Windfyre Steel" wohl oder übel ein paar Durchläufe genehmigen.

Die Herren Power Paladine geben als Inspirationsquellen für ihren Sound sowohl alte Haudegen wie IRON MAIDEN, DIO, und HELLOWEEN als auch die Speerspitze des europäischen Power Metals Ende der 90er Anfang der 2000er (HAMMERFALL, RHAPSODY, EDGUY) an. Und das hört man zuweilen überdeutlich, wie im weiteren Verlauf dieser Rezension noch zu berichten sein wird.

Der Debütsilberling startet mit "Kraven The Hunter", und nach 45 Sekunden muss ich den Track erst mal pausieren, um meine Ohren mit ein paar Wattestäbchen frei zu wischen. Denn ich glaube, ich höre nicht richtig. Doch genau das tue ich. Denn auch nach der Säuberung ändert sich am Klangbild nichts. Ich schaue noch mal auf den Waschzettel. Ja, der Opener heißt "Kraven The Hunter". Aber was da in meine Gehörgänge dringt, ist ganz klar IRON MAIDENs "Sign Of The Cross" vom "The X Factor" Album. Alter Verwalter, das ist schon ein ziemlicher Eins-zu-Eins-Klau der kompletten Strophenparts, den sich die Paladine da gleich im ersten Stück erlauben!

Weiter geht es mit "Righteous Fury", der zweiten Vorab-Single, und zugleich dem Stück, das ich in den letzten Wochen des vergangenen Jahres als erstes Lebenszeichen der Isländer gehört hatte. "Righteous Fury" ist durchaus ein echter Euro Metal Knaller, voran preschend, catchy, eingängig und mit schickem Refrain. Aber er ist eben auch ein HELLOWEEN Klon aller erster Güte. Sänger Atli klingt hier stellenweise (vor allem im Chorus) mehr nach Michael Kiske als der Meister selbst. Es gibt noch ein paar einstreute Quoten-Growls (scheint heutzutage "chic" zu sein, im Genre), aber ansonsten ist "Righteous Fury" ein Gute-Laune-Track, wie er im Buche steht.

"Evermore" beginnt mit einem atmosphärisch-verträumten Klavierintro, das mich wirklich zu begeistern weiß. Dann entwickelt sich die Nummer zu einem melodischen Midtempo Stampfer mit RHAPSODY/HAMMERFALL Gedächtnis-Klischee-Lyrics, und auch sonst erinnert das Stück immer wieder an die Vorreiter des modernen Power Metal von diesseits des Atlantiks. Der Chorus tönt nice, aber ein wenig dünn, und das Solo ist leider ziemlich ausgelutscht, während das sich Schlagzeug eher uninspiriert durch "Evermore" klöppelt.

"Way Of Kings" startet nach einem Intro regelrecht aggressiv, während der geneigte Hörer sich noch fragt, wo er den Sound wohl kennt. Die Auflösung folgt mit den ersten Gesangssekunden. Litt das Organ von Atli bei "Righteous Fury" noch am Michael-Kiske-Syndrom, so hat man hier den Eindruck, Joacim Cans von HAMMERFALL habe mal eben das Mikro übernommen und die Instrumentalfraktion würde auch direkt auf Schwedensound umschalten. Der Refrain tönt dann wie ein HAMMERWEEN Duett, hat was, ist aber schon schräg.

Kirchenglocken läuten die Albummitte ein. Dann folgt noch ein wenig Rumgeplänkel, ehe regelrecht thrashige Klänge aus den Boxen tönen. Interessante Abwechslung. Leider ist der harte Instrumental-Sound auch mit der stellenweise schlechtesten Gesangsleistung des Frontmannes verbunden. Da geht einiges an Tönen in die Hose. Der Chorus ist dröge, und auch das Solo kommt leider ziemlich langweilig daher.

"Ride The Distant Storm" beginnt ziemlich RHAPSODYesk, und bis auf den fehlenden Akzent, schippert die Nummer nicht nur lyrisch und im Chorus im Fahrwasser der Italiener. Das wäre jetzt nicht das Problem. Leider gibt es wesentlich bessere RHAPSODY Epigonen (ich sage nur GLORYHAMMER!), und das Cembalo ist dann wirklich nur noch peinlich.
"Creatures Of The Night" dümpelt hernach mit mittelmäßiger HELLOWEEN Attitüde fünfeinhalb Minuten vor sich hin und markiert ganz klar den schwächsten Song auf "With The Magic Of Wyndfire Steel".

End"spurt". Es folgen noch zwei Tracks mit jeweils um die sieben Minuten Laufzeit. Und "Into The Forbidden Forest" zumindest weiß wieder eine ganze Ecke mehr zu gefallen als "Creatures Of The Night". POWER PALADIN bieten hier eine Menge Abwechslung, und so setzt sich der Song auch relativ schnell gegenüber den flacheren Hits wie "Kraven The Hunter" oder "Righteous Fury" durch.

Der Albumcloser kann diesen Qualitätslevel nicht ganz halten, ist aber auf jeden Fall hörbar und wesentlich mehr POWER PALADIN als einige andere Stücke auf dem Longplayer.

Fazit:

Das Debüt der Isländer ist kein schlechtes Album, aber weit davon entfernt, die vollmundig angepriesene neue Power Metal Sensation zu sein. Zu viel Kopie, zu wenig Eigenständigkeit. Dazu noch diverse Defizite im Songwriting, beim Arrangement und im Gesang. Aber all das ist ausbau- und verbesserungsfähig, und ein zweites Kapitel wurde vom Label ja bereits angekündigt.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (07.01.2022)

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