WILDERUN - Epigone

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VÖ: 07.01.2022
Bandinfo: WILDERUN
Genre: Progressive Rock
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Mit "Epigone" legen die Bostoner Prog-Recken von WILDERUN nur knapp eineinhalb Jahre nach "Veil Of Imagination" bereits den nächsten Longplayer vor. Das Vorgängeralbum hat ziemlichen Eindruck hinterlassen und WILDERUN wollen mit dem aktuellen Werk den Weg weiter beschreiten, um in der Welt des progressiven Metal/Rock noch mehr Gehör zu finden und ihre Fanbase zu erweitern.

Die Band sagt selbst über den Albumtitel "Epigone"

"Ein "Epigone" ist ein Anhänger oder Nachahmer oder eine Art Akolyth, der normalerweise im Kontext von Kunst oder Philosophie verwendet wird", sagt Evan. "Jeder Song auf diesem Album setzt sich in irgendeiner Weise mit diesem Konzept auseinander, jeder aus einem anderen Blickwinkel."

Es geht um das Scheitern, das Ringen um die Selbstdarstellung und was es überhaupt heißt, sich "Künstler" zu nennen oder als solchen zu bezeichnen.

Interessante Ausgangslage, die uns da zum Start von Track Nummer eins "Exhaler" kredenzt wird. Die Eröffnung erfolgt ruhig und akustisch. Gitarre und Gesang nehmen uns an der Hand, um gemeinsam den Weg zu beginnen, der vor uns liegt. Im Verlauf der Nummer wird die Instrumentierung erweitert und der Klangteppich wird breiter - ohne die wärmende Grundstimmung zu verändern. Diese Stimmung ändert sich bei "Woolgatherer", das mit über 14 Minuten Laufzeit gleich ein ordentliches Ausrufezeichen setzt. Die ruhige Atmosphäre der Eröffnung wird mitgenommen und zu Beginn werden good Vibes versprüht - der Song plätschert gemütlich vor sich hin, ehe man nach gut dreieinhalb Minuten das erste Mal von einem Riff- und Drumgewitter überrollt wird. Die zuvor liebliche Stimme von Sänger Dan Berry klingt, als wäre er besessen, nur um kurz nachher wieder in den cleanen Gesang zu wechseln und den Song wieder plätschern zu lassen. Dieses Wechselspiel zwischen brachialer Brutalität und eingängigen Hooks beherrschen WILDERUN hervorragend.

"Passenger" zeigt zu Beginn weiters, dass sie auch treibende Grooves schreiben können, wenn sie wollen. Wieder geht es hin und her mit komplexen Arrangements, symphonischem Bombast und einer gehörigen Portion Theatralik. Die Finesse, die dabei im Songwriting an den Tag gelegt wird, ist grandios. Obwohl der Prozess des Schreibens durch die allseits bekannten Probleme im letzten Jahr ganz anders als normal abgelaufen ist. Aufgrund der räumlichen Trennung der Bandmitglieder wurden Ideen quer über den Kontinent geschickt, alte Songs teilweise als Basis verwendet und die Orchester-Arrangements im Heimstudio vorbereitet. Von diesen Stolpersteinen ist aber auf dem Album selbst nichts zu merken. Alles klingt aus einem Guss und genau so, wie es sein soll. Episch, kraftvoll und groß.

Fazit: "Epigone" muss man in seiner Gesamtheit erleben. Vom "gemütlichen" Opener bis zum Opus Magnun "Distraction I - IV" am Ende des Albums strotzen alle Tracks nur so vor Ideen und Energie. Es ist ein forderndes Album, das die volle Aufmerksamkeit verlangt. Schenkt man diese aber, bekommt man als Belohnung eine musikalische Achterbahnfahrt, die auch nach vielen Durchläufen nichts von ihrem Reiz verliert und sich tief in die Synapsen des Hörers/der Hörerin hinein gräbt. Alle, die auf eine wilde Mischung aus Prog/Rock/Death/Folk/... stehen, müssen bei WILDERUN unbedingt reinhören. "Epigone" kratzt kräftig am 5er - aber ein wenig Luft muss ja noch für das nächste Album bleiben.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Hans Unteregger (10.01.2022)

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