ABRAHAM - Débris De Mondes Perdus

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VÖ: 25.02.2022
Bandinfo: ABRAHAM
Genre: Post-Metal
Label: Pelagic Records
Lineup  |  Trackliste

Lausanne beim Genfer See ist wohl eines der lebenswertesten Örtchen dieses Planeten. ABRAHAM, hier verquicken sich die Stränge aller drei großen monotheistischen Religionen, lehren uns eines Besseren. Die nächste Apokalypse kommt bestimmt und wenn nicht, ist sie wenigstens eine der Möglichkeitsformen, da lassen wir uns nicht lumpen. „Débris De Mondes Perdus“ ist jedenfalls das 2022 Werk dieser Band betitelt.

„Verminvisible“: Sehr rustikaler Opener mit hartem Sprechgesang, der aber, wenig passend zum weißen Kreuz in der Schweizer Flagge, bzw. eigentlich doch, Wunden in Gehörgänge schlägt. Die musikalische Ausformung hackt nicht weniger schmerzhaft daher, ab und an disharmonisch, dennoch ein interessanter Einstieg.



Mon Dieu, der Duktus pflanzt sich munter in dieser Form weiter. Um hier nicht nach Worten ringen zu müssen ein Zitat, welches in seiner Zartheit ziemlich genau trifft:  

It’s much rougher and definitely less baroque than our previous efforts, while still retaining a general sense of malaise.“ - ABRAHAM

Diese Schweizer kredenzen schwer verdauliche Kost, muss jedoch leider gestehen, die Leiden der jungen Wüteriche gefällt. Etwa Track 4: „Ravenous The Night“ besticht durch eine Kombination aus Wuchtigkeit, dissonanten Harmonien und von Leid geprägtem Gesang. Im Gegensatz zur letztlich rezensierten Band THE LAST OF LUCY ist diese Härte, dieses Geknüppel meines Empfindens nicht nur Selbstzweck. ABRAHAM scheint wirklich etwas vor zu haben, wenngleich sich der Fokus dem Auge des Betrachters entzieht. Conclusio: eher Meta als Malträtierung.

„Our Words Born In Fire“: Langsam, aber sicher wird einem gewahr, warum diese Band ursprünglich mit dem Namen LE BARON VAMPIRE startete. Das 2012 Album trägt den wenig zu wünschen übrig habenden Titel „The Serpent, The Prophet And The Whore“. Okidoki. Warum gerade diesen Eidgenossen Düsternis aus allen Poren dringt, ist nicht einfach zu erschließen. Jedenfalls sind wir bei Track fünf angelangt und der bescheidene Rezensent meint, ein wenig Abwechslung, ein wenig mehr technische Geplänkel hätten durchaus nicht geschadet.

„Fear Overthrown“: Die Verbindung zu nordischem Black Metal ist gegeben, wenngleich die Ursache dieser unseligen Verquickung nicht restlos geklärt ist.

„A Celestial Funeral“: Mit diesem Oxymoron definiert diese Band ihr Schaffen: Schwere, Leid, schwarze Galle. Die himmlische Feuerbestattung ist im Kopf und ist sie nicht im Kopf, dann ist sie nirgendwo. Weil aber die musikalische Ausformung bezüglich vorangegangener Liedtitel in ihrer pechschwarzen Ausformung gelungen ist, muss das Lied als beglückend deklariert werden.

Beim letzten Lied angekommen – es trägt den von positiven Gedanken beseeltem Titel „Black Breath“ – darf Emilie Zoé gesanglich ihr Schäuflein Asche dazutun. Wie gehabt, Verzweiflung, Niedergang, Apokalypse light. Der bescheidene Rezensent ist mit robuster psychischer Verfassung ausgestattet, empfiehlt jedoch zart besaiteten Hörer*innen mit Hang zur schwarzen Galle, dieses Opus mit Vorsicht zu genießen.

Fazit: Insgesamt nicht uninteressant, sind hier doch einige Kritikpunkte ins Felde zu führen, wobei dem bescheidenen Rezensenten nicht klar ist, ob diese nicht ins Leere, den Abgrund, ja, in den viel zitierten Abyssos laufen würden. Das Werk ist, was es ist, ein schwarzer Monolith from Inner Space, ein Mahnmal, wozu auch immer. Diese europäische Schweizer Enklave ist nun mal ein Gradmesser postapokalyptischer Strömungen, Neutralität, Friede, Eierkuchen hin oder her. Die Geschichte ist die Geschichte der Verlierer, ohne Krieg geführt zu haben. Gehet hin in Verderbnis.


 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (18.02.2022)

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