NEKRODEUS - Asbest

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VÖ: 01.04.2022
Bandinfo: NEKRODEUS
Genre: Sludge Metal
Label: Teratogen
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Isoliert von der Gesellschaft, eingesperrt in seinen eigenen vier Wänden, allein mit seinen Gedanken: ein Horrorszenario. Mit „Asbest“ gehen NEKRODEUS der Frage nach, wie man die Welt als abgeschottete Person wahrnimmt, und das Ergebnis ist fatal.  Krächzend, schreiend und brüllend wird der Sinn des Lebens in Abrede gestellt, und so düster, wie ihre Songtexte sich anhören, klingt auch ihre Musik.  

Der Trip durch die Abgründe des Menschenverstand fängt schon mal gut an, das Intro „Werther“ sorgt für Gänsehautfeeling und die Stimmung gewinnt mit „Asbest“ gewaltig an Fahrt. Was NEKRODEUS versuchen, ist Death Metal, Black Metal, sowie Hardcore miteinander zu verbinden und mit „Asbest“ ist ihnen das hervorragend gelungen. Färbers bombastische Trommelschläge prügeln einen gut durch, Ibers sägender Gitarrensound lässt Köpfe rollen und Rindlers Stimme bringen Ohren zum Bluten – Härte vom Feinsten.

Streng nach Schema F geht hier nichts, weil die darauffolgenden Lied seinen eigenen genretechnischen Charakter besitzt: mal gibt es mehr Black Metal zu hören („Lied Aus Blei“), mal kommt der Hardcorepunk („Lifeloather“) zum Vorschein, mal ist Death Metal angesagt („Eat Dirt Taste Life“).  So oder so versteifen sich NEKRODEUS nicht komplett auf ein Subgenre, jedes Lied wirkt gut ausbalanciert und der Fokus aufs Wesentliche wird beibehalten, nämlich die pure Gönnung der abartigen Musikextreme. Das Einzige, was einen verstört ist das Outro „Urne“. In der Mundart gesungenen Nummer bekommt man, statt gewaltigen Gitarrenwänden und wilden Trommelschlägen, lahme Technobeats im Semi-Gruselstil serviert.


Man ist isoliert von der Gesellschaft und der einzige Zugang an Informationen sind Medien, die ein furchterregendes Bild von der Außenwelt skizzieren. Wie geht es einem dabei? So stell ich mir es vor, wenn ich NEKRODEUS dabei zuhöre, wie sie mit ihren Songtexten die menschliche Psyche auseinandernehmen. Der sozial abgeschottete Mensch entwickelt Hass gegen die Gesellschaft („Eat Dirt Taste Life“), stellt den Sinn des Lebens in Abrede („Schwarzer Regen“, „Asbest“) und kommt zum Schluss, dass es keinen Ausweg aus seiner einsamen Misere gibt. Hört man Rindler beim Hineinrotzen der „I Fought The Low And The Low Won“ -Verse zu, merkt man erst recht, wie „fucked up and abandoned“ die Welt wirklich ist.


„Asbest“ ist ein massives Stück Blei, dass man nicht leicht auf die Schulter nehmen kann. Die Songtexte sind nicht für zarte Blümchen gedacht, spricht aber jene an, die ein Faible für düstere Psychotrips haben. Ist man von der zweitgenannten Sorte, wird man auch Gefallen an dem genretechnischen Herumtänzeln, das NEKRODEUS veranstaltet, finden. Ich würde gerne behaupten, dass ihre Musik Laune macht, die Aussage wäre – im Kontext gesprochen - unangebracht. Darum sage ich es mal so: „Asbest“ ist musikalisch stimmig gemacht, mit viel Stoff zum Nachdenken und zeigt, wie arg der menschliche Verstand in seinen Bestandteilen zerfallen kann - da drückt man bei der musikalischen Geschmacksverwirrung „Urne“ gerne ein Auge zu.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Julian Dürnberger (22.02.2022)

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