PLANESWALKER - Tales of Magic

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VÖ: 21.01.2022
Bandinfo: PLANESWALKER
Genre: Power Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Hinter PLANESWALKER steckt das amerikanisch-zypriotische Duo von HELION-PRIME-Gitarrist Jason Ashcraft und seinem ehemaligen Bandkollegen und jetzigen GLORYHAMMER-Sänger Sozos Michael. Inspiriert wurde das neue Bandprojekt vom bekannten Sammelkartenspiel „Magic: The Gathering“, was nicht nur die textliche Ausrichtung erklärt, sondern auch den etwas stumpfen Titel des Debütalbums: „Tales Of Magic“. Für prominente Gastbeiträge sorgen die Sängerinnen Brittney Slayes (UNLEASH THE ARCHERS) und Heather Michele (ex-HELION PRIME), Gitarrist Taylor Washington (PALADIN, ARSIS) und der Sänger R.A. Voltaire (RAVENOUS).

Der Opener zeigt gleich, wo es lang geht und was die Stärken des Bandprojekts sind: Glockenklare, hymnenhafte Vocals, die wie auf einem Gipfel thronend, untermalt von zuckersüßen Gitarrenharmonien, auf einen majestätischen Refrain zusteuern. Wer (vor allem frühe) EPICA, NORTHTALE, STRATOVARIUS oder RHAPSODY mag, der wird von dem Titeltrack angetan sein. Zumal bei Minute 4:13 ein grandioses Solo nochmal den Hörer aus den Latschen haut. Ja, das ist europäischer Power Metal auf ganz hohem Niveau! Die Produktion ist top und die Instrumentalisten können einiges.

„The Spark“ fängt dann ganz stark mit einer tollen Storyteller-Passage an, gleitet mitreißend über zu einem Refrain, der … naja, nicht die erwartete Eruption hervorbringt, sondern als solide gemacht bezeichnet werden kann. Die Hoffnung, dass zumindest das starke Stilelement des Storytelling vom Beginn wieder aufgegriffen wird und den Song trägt, stirbt leider schnell. Stattdessen wird flugs der Refrain wiederholt, ein durchschnittlicher Gitarren-Solopart und erneut der Refrain hinterhergeschoben. Da war deutlich mehr drin. „Shadow of Emeria“ klingt überambitioniert, soll wohl so eine Art Metal-Oper sein mit diversen neoklassizistischen Elementen, überlappenden Vocals und viel Streichereinsatz. Irgendwie geht die Songidee aber nicht auf. Das wirkt zu unausgegoren, ziemlich hektisch und nicht stringent. Statt für Kopfkino zu sorgen, macht es einen hibbelig.

„Blackblade“ wird mit viel Pathos und Tamtam eingeleitet und alsbald gekonnt aufgebaut für einen Refrain, der endlich die geweckten Erwartungen erfüllt: Ja, das ist eine echte hymnenhafte Eruption! Natürlich, das ist sehr tralala-mäßig, aber die Zielgruppe (also Fans von EPICA, KAMELOT und Co.) wird’s abfeiern. Dann wird’s eine Spur härter mit „The Forever Serpent“, das dann aber wieder auf orchestrale Chöre, einen etwas folkloristschen Mittelteil und Pomp der Marke RHAPSODY setzt. Kommt nicht aus dem Knick der Track. Das gilt zum Teil auch für das Monumentale und über elf Minuten lange „Oath Of The Gatewatch“, das wie bei AVANTASIA mithilfe von mehreren Sängern (darunter die mal wieder glänzende Brittney Slayes) eine mehrschichtige Story abspult.

Auch hier werden die Stärken und Schwächen von PLANESWALKER aufgezeigt: Einerseits tolle, epische Melodien, andererseits fehlt den Ideen ein Halt gebendes Gerüst, ohne dass vieles hippelig, überambitioniert und eher anstregend tönt. In Zeiten von schnellem Musikkonsum über Streaming-Plattformen mögen die immer wieder hervorstechenden, packenden Momente ausreichen, um eine ansehnliche Hörerschaft für sich einzunehmen. Hört man sich die Chose jedoch mehrmals an, wird man bei jedem Mal etwas unbefriedigter und ja sogar ärgerlicher, dass das alles so hingehudelt und nicht genügend ausgearbeitet wirkt. Vielleicht ist das bei einem Debüt etwas zu harsch. Allerdings sind die beiden Musiker ja auch keine Anfänger mehr, sodass man schon verlangen darf, dass sehr gute Ideen zu guten Songs ausgearbeitet werden könnten – und eben nicht diese Ambivalenz aus gesanglicher, instrumentaler Extraklasse und fehlender musikalischer Reife.

Ach ja, das abschließende KISS-Cover „A Million To One“ im pompösen Euro-Power-Metal-Gewand kann man sich so ziemlich schenken. Bleiben der starke Titeltrack und das hymnenhafte „Blackblade“, die Anhängern des europäischen Power Metals die Hoffnug geben wird, dass es ein Folgealbum geben wird mit dann besser ausgearbeiteten Songideen und weniger Hibbeligkeit.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Tobias (15.02.2022)

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