ODDLAND - Vermilion

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VÖ: 11.03.2022
Bandinfo: ODDLAND
Genre: Progressive Metal
Label: Target Records
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Lineup  |  Trackliste

ODDLAND, die seit exakt zwei Jahrzenten bestehende Band aus finnischen Gefilden, genauer Turku, ließ sich ein Weilchen Zeit, um diese Langrille auf die Menschheit loszulassen. „Vermilion“, da schlägt das alchemieaffine Herz höher, ist eine sulfidische Quecksilber-Verbindung, die als Pigmentfarbe Anwendung findet: Zinnoberrot. „Purple haze all in my eyes, don't know if it's day or night“. Tschuldigung, Jimi, knapp daneben.

Arrival“: Großartiger, instrumentaler Opener (eigentlich ist dieser Kanon fünfteilig) in 1:56 Minuten: Die Kommunikation zwischen Klavier, Bass, Saxophon bzw. Geige ist sehr schön herausgearbeitet. Es wird langsam langweilig mit den Skalden, bin kurz davor eine Band aus Finnland zu suchen, die grottig ist, damit ich endlich in nördlichen Gefilden einen Verriss zu Stande bringe.

Below“: Abermals sehr gutes Zusammenspiel aller Instrumente, vertrackte Taktsorten, hier sorgt der Bass für eine beständige, statische Schwere, die gefällt. Im Gegensatz zu den letztlich rezensierten Bands stimmt die Dosierung allen Endes, nicht nur partiell.   

The Walls Of Mind“: Verwegene Nummer, die sowohl rhythmisch als auch melodiös gefällt. Endlich eine Band 2022 bei der hinter jedem weiteren Takt eine positive Überraschung zu erwarten ist. Um es nicht zu unterschlagen: Der Gesang ist gut, nicht herausragend, passt aber genau in dieses Gefüge. Ab etwa Minuten 4:30 wird ein Interludium eingewoben, das gar an die guten alten Studien von Fernando Sor und Co. erinnert.

Feed The Void“: Wieder ein großes Lied, wo man an keiner Stelle zu sagen vermag, ob man sich in einer Minute in Prog-Metal-, Post-Rock-, oder Death-Metal-Gefilden befinden wird. Das Songwriting ist wahrhaft das Gegenteil von „Void“, also Leere, Hörer*innen werden wahrhaftig mit Nahrung der Götter angefüttert.

Emancipator“: Der erste Kritikpunkt. Der Gesang passt hier meiner Meinung nicht zum musikalischen Untergrund und das Lied ist an sich okay, aber auch nicht mehr.

Pathway“: Eher Interludium als eigenständiges Lied in 2:06 Minuten Gitarre und Gesang. Jo, kann man so lassen: „We are vitcims, of both sides of darkness.“ Freilich.  

Resonance“: Eher Djent als Prog-Metal, so viel Resonanz muss sein. Das sehr leiwande Zwischenspiel ab etwa Minute 3:10 hätte durchaus länger sein dürfen.

Unity“: Der fette Djent-Bass führt nur zu geringen Verschleißerscheinungen. Hm, eine Hookline aus „Arrival“ bildet also das Ende. Alpha und Omega. So schließt sich der Kreis.

Fazit: Eindeutig das überraschendste, womöglich bestes Album, das ich dieses Jahr rezensieren durfte. Perfekte Dosierung, wunderschöne Klangbilder, ein Ohrenschmaus für die ganze Familie. Um mich zu wiederholen, Finnland ist nicht nur das Land der tausend Seen, sondern dito Land der tausend wunderbaren (progressive) Metal-Bands, sozusagen ein Füllhorn mit gottgefälligem Met. Skål!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (04.03.2022)

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