THE NEPTUNE POWER FEDERATION - Le Demon De L'Amour

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VÖ: 18.02.2022
Bandinfo: THE NEPTUNE POWER FEDERATION
Genre: Psychedelic Rock
Label: Cruz del Sur Music
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Lineup  |  Trackliste

Es lebe die Liebe! Oder etwas präziser: Es lebe das Liebeslied!

Weshalb diese Einleitung? Nun, Australiens Kaiserliche Hohepriesterin Loz Sutch und ihr musikalisch-klerikaler Hofstaat haben sich für ihr mittlerweile fünftes Studioalbum "Le Demon De L'Amour" keine geringere Aufgabe gestellt, als die Kunst des Liebesliedes wieder in die harten Klänge von Rock und Metal zu integrieren. Denn aus Sicht des exzentrischen Quintetts aus Sydney sind die Lovesongs nach ihrer Blütezeit in den Siebzigern in der heutigen härteren Musik fast vollständig verschwunden, weil die zeitgenössischen Bands "... sich heutzutage bequem in typischen, vorhersehbaren lyrischen Themen eingerichtet haben ...", die das Herz nicht mehr so ansprechen wie früher.

Ob diese These der tatsächlichen Situation im Bereich der Stormbringer-affinen Musik entspricht, mag die Leserschaft für sich selbst herausfinden. Auf jeden Fall haben sich THE NEPTUNE POWER FEDERATION mit ihrem Vorhaben ein hehres Ziel gesetzt. Ob sie es mit dem Release von "Le Demon De L'Amour" erreichen, oder ob ihnen vorher die Liebe ausgeht – schaun wir mal...

Der Opener "Weeping At The Morn" startet in den ersten 30 Sekunden zunächst wie ein rockig bombastischer 70s Lovesong. Doch schon bald entpuppt sich das achtminütige Eröffnungsstück, zumindest musikalisch als klassische TNPF Nummer, irgendwo zwischen Psychedelic, Classic und Hard Rock. In den ersten Durchläufen noch ein wenig sperrig, wird "Weeping At The Morn" mit jedem Durchlauf homogener und zugänglicher. 

Das vorgenannte, im Hinblick auf die instrumentale Seite seit vier Alben bekannte musikalische Konzept im Zeichen des mächtigen Dreizack, zieht sich bis auf eine Ausnahme durch das komplette Album, so dass man als kleiner Seitenhieb mit einem Augenzwinkern auf das in der Einleitung niedergeschriebene Zitat durchaus mit Fug und Recht behaupten könnte, dass THE NEPTUNE POWER FEDERATION sich selbst auf ihrer aktuellen Scheibe "... bequem in typischen, vorhersehbaren musikalischen Themen eingerichtet haben ...". 

In ihrem Sound hat sich der Machtbund kaum verändert, so dass die Reaktivierung des Liebesliedes zumindest bei TNPF ausschließlich über die lyrischen Inhalte erfolgt. Klanglich präsentiert sich die Hälfte der Stücke als fetzig-flotte Rocker ("Weeping on the Morn", "My Precious One", "Stay With Thee" (mit lässiger Punk-Attitüde), "Emmaline"). Der Rest der Tracks groovt und knarzt sich in elegantem Midtempo aus den Boxen.

Eine Ausnahme von allen vorherigen Ausführungen bildet der Albumcloser und gleichzeitig das absolute Album-Highlight "We Beasts Of The Night". Nach dem Spoken Words Intro ertönen akustische Gitarrenklänge, und es folgt das vielleicht schönste Powerballaden-Duett, das ich in den letzten zehn Jahren gehört habe. Hier stimmt einfach alles, sowohl im Allgemeinen auf den Song bezogen als auch im Speziellen im Hinblick auf den perfekten Lovesong.

Der Duett-Partner der Kaiserlichen Hohepriesterin, Chris Penney, war mir bis dato völlig unbekannt, und es erforderte einiges an Recherchearbeit, um den Hauptarbeitsplatz von Herrn Penney herauszufinden. Im Normalfall ist der Mann mit der großartigen Stimme Frontmann bei der außerhalb von Down Under nahezu unbekannten Punk Band PRIVATE FUNCTION. Und wenn man sich u.a. bei YouTube anschaut, was Chris bei den australischen Spaßbarden so von sich gibt, würde man ihm die wirklich exzellente Gesangsleistung in "We Beasts Of The Night" nicht wirklich zutrauen. Der Schluss-Track wirkt  natürlich mit diesem Hintergrundwissen umso intensiver. Er entwickelt sich vom ruhigen sanften Start zu einem bombastischen Finale, das der göttliche MEAT LOAF nicht besser hätte kreieren können.

 

Fazit:

THE NEPTUNE POWER FEDERATION knarzen und schrammeln sich auch auf ihrem fünften Longplayer zu 120 % analog durch ihren erdigen Seventies-Sound, bei dem es den Anschein hat,  die Band würde die letzten 50 Jahre technischer Entwicklung einfach ausblenden. Und über allem thront die erhabene Stimme von Loz Sutch und veredelt das Werk ihrer Instrumentalfraktion ein ums andere Mal.

Allerdings befinden sich die Australier entwicklungsmäßig beim Songwriting ebenfalls in einer fortwährenden Stagnation. Das, was sie seit ihrem Debüt auf die Hörerschaft loslassen, ist mittlerweile sattsam bekannt. Die ersten sieben Songs auf "Le Demon De L'Amour" sind allesamt gut, aber eben auch vorhersehbar, und so langsam machen sich im bekannten Soundgewand dezent aber spürbar erste Abnutzungserscheinungen breit. 

Zum Glück präsentieren uns THE NEPTUNE POWER FEDERATION allerdings einen Albumcloser, der so grandios ist, dass er die ursprüngliche (immerhin noch überdurchschnittliche) Wertung von 3,0 Zählern um 0,5 Punkte aufwertet. "Le Demon De L'Amour" ist ein gelungenes Album. Beim nächsten Rundling würde ich mir jedoch etwas mehr Mut und Abwechslung wünschen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (17.02.2022)

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