MEAT CHEESE - Fromage en Extase

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VÖ: 18.02.2022
Bandinfo: MEAT CHEESE
Genre: Rock
Label: TwoEleven Records
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Lineup  |  Trackliste

„Hart wie Parmesan und einfühlsam wie die Brust einer Käsefrau“ sind MEAT CHEESE aus Tirol, die der werten Hörerschaft mit „Fromage En Extase“ ihr würziges Debütalbum kredenzen. Möglicherweise ist dieser Rezensent nicht ganz die richtige Person, um dergestalt käsehaltige Musik adäquat zu rezensieren, aufgrund eines in der Kindheit verwurzelten Käsetraumas (Quargel, brrr...) und der späteren Mitgliedschaft in einer Grindcore-Band namens INSANE CHEESE, deren Sänger das Publikum regelmäßig mit sehr stinkendem Käse (again: Quargel – brrrr...) „beglückte“. Jeeedoch hat der tirolerische Fleischkas ungeachtet seines Namens mit Käse absolut gar nichts zu tun und erfreut sich beim hier schreibenden Subjekt als Einlage in einem runden Gebäckstück großer Beliebtheit – ob die gleich benannte Formation ob ihrer musikalischen Ausgeburten für die Eingangs versprochene Ekstase sorgen kann, wie sie der herzhafte Biss in eine Fleischkas-Semmel auszulösen vermag, soll nun im Verlaufe der folgenden Zeilen eruiert werden.

Tief und grollend beginnt die Scheiblette mit „Raptor Party“, welches fast schon als Stoner-Riff durchgeht, wäre da nicht die moderne Gesangslinie die nur so vor Lässigkeit strotzt. In der Folge zeigt sich dann aber mit „Moanin“ deutlich ein Blues-Einschlag, der wunderbar mit dem äußerst dreckigen, dumpf vibrierenden Grundton korreliert, der sich wie ein roter Faden durch „Fromage En Extase“ zieht. Streckenweise ist nicht einmal klar, ob hier überhaupt eine Gitarre im Spiel ist, oder ob nicht doch sämtliche angezerrten Sounds vom Tieftöner stammen, der speziell dem energiegeladenen „Fist“ nachhaltig seinen Stempel aufdrückt. Da versteckt sich so manche sanftere Rockformation doch glatt hinter Mamas Rockzipfel, angesichts der irgendwo auf Höhe des Marianengraben vibrierenden Saiten.

Dass es nicht immer nur derb riffen muss, zeigt der „Cheese Blues“ mit virtuosem Mundharmonika-Einsatz, der dem Sound der beiden Tiroler eine erfrischende Note hinzufügt und ein weiteres Mal den Blues hervorkehrt. Auch die Vocals von Gregor Lindner treffen hier wie die Faust aufs Auge, so wie der Titel im Finale dem eingänglich erwähnten ekstatischen Feeling Rechnung trägt. Deutlich flotter und rockiger geht „Cheaper Better Harder“ zu Werke, während „Bone Marrow“ mit pumpenden Rhythmen erneut die düstere, dreckige Seite von MEAT CHEESE raushängen lässt, die die schwer bluesigen Vocals, die bisweilen auch in staubige Wüstengefilde vorstoßen, vortrefflich zur Geltung bringt. Wabernde Effekte in den Strophen von „I'm Glad You asked“ sorgen für eine kurze Überraschung im knackigen Rhythmusgewand, bevor das instrumentale „Opus Meat“ mit kellertiefem Gegrummel für einen erhabenen Abschluss des Albums sorgt, den man in seinen schwer schleppenden Phasen fast dem Stoner-Doom zurechnen könnte.  

Es ist ganz und gar kein Käse, den uns MEAT CHEESE da kredenzen, sondern im Gegenteil ein höchst unorthodoxes, doch schmackhaftes Album, das durch seine grollende Grundstimmung irgendwo zwischen Stoner und Blues bisweilen gar hypnotische Züge aufweist. An manchen Stellen wirkt das puristische Soundgewand, bei dem auf nur wenige, doch höchst wirkungsvoll eingesetzte (Rhythmus-)Instrumente gesetzt wird, zwar durchaus ein wenig kahl, doch der raue, ungehobelte und zutiefst erdige Charme von „Fromage En Extase“ schafft es, den Hörer irgendwie in seinen Bann zu schlagen. Zwar sind MEAT CHEESE von gar ekstatischem Gebaren noch etwas entfernt, doch erzeugen sie mit ihrem kratzigen Sound einen wohligen Schauer, den man gerne auch live verspüren würde und der selbst Käse-Gegnern den Wind aus den Segeln nimmt. „Fromage En Extase“ ist ein spannendes Debüt mit Ecken und Kanten, das seine ganz eigenen Wege geht und Käse gekonnt zur Kunstform erhebt.

Und das kleine Stormbringer-Schreberlein, nun... das hat jetzt Hunger.

 

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (17.02.2022)

WERBUNG: Hard
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