YAWN - Materialism

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VÖ: 18.02.2022
Bandinfo: YAWN
Genre: Experimental Metal
Label: Mindsweeper Records
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Lineup  |  Trackliste

YAWN, aus Norwegen, Oslo, oh weh, was soll man zu dieser Band schreiben: Entweder ist das Dargebrachte eine Dekonstruktion von Progressive Metal bzw. Free Progressive Metal, sollen hier Krähenfüße von Hugin und Mugin her, Mann, Mann, man weiß es nicht: große Kunst oder gequirlte Scheiße mit Ahornsirup. Natürlich hat dieses Album keinen Titel à la „König Baphomets Glück Und Ende“, „Death Of Silence“ oder „Exhumation Of Fallen Angels“, sondern, tata, „Materialism“.
Sehr witzig und angebracht finde ich den Release der ersten Single 2020, schlicht und einfach „Cement“ lautet der vielsagende Name.

Um die sinistre Vorstellungsrunde abzuschließen, sei ein Zitat von YAWN eingebracht:
“It’s the first section of the piece called “Lachrymator”. This song is best known among our fans as the part of the show where Simen goes into an insane mode, smashing a drumstick onto his bass strings like it’s literally the end of the world.“

Es macht wenig Sinn „Materialism“ in kleine Häppchen aufzuteilen, die 16! Tracks haben es in sich (sie sind alle mehrteilig), etwa die ersten drei Tracks sind in „Cement“ I-III angelegt.

Chaos“ I-V folgt.

Lachrymator II“ I-IV. Ein Lachrymator ist eine chemische Substanz, ein Reizstoff, etwa Chloracetophenon. Schwöre, kein Scheiß, mir kommen gleich die Tränen.

YAWN setzen eins drauf. „Tokamak“ I-IV bildet den Abschluss. Токамак entspricht einer russischen Abkürzung für „тороидальная камера в магнитных катушках“ (toroidalnaja kamera w magnitnych katuschkach. Russische Wissenschaftler übernahmen die Idee eines Fusionsreaktors von Ronald Richter aus Deutschland. Der Rest ist Geschichte bzw. wird es zukunftsreich sein. Um eine vielzitierte anglophile Abkürzung mit reinzunehmen: W T F!
Sehr vielsagend sind hier die Liedtitel: „Critical Mass“, „Confluence“ und derlei Feuerwerk.

Fazit: Nach mehrmaligem Durchhören ist dem bescheidenem Rezensenten nicht klar, ob „Materialism“ ein formidables musikalisches Kunstwerk, ein Wachrütteln, eine Kritik an den Grundfesten des Menschseins an sich ist oder die fulminanteste Verarsche seit es Schokolade gibt. (Anm. Lektorat: KEINE WITZE über SCHOKI!)  Es sei angemerkt, dass die Band zu jedem Song für Test-Hörer*innen eine kurze Beschreibung miteingereicht hat, was ich sehr löblich finde, muss aber gestehen, dass diese wenig Licht in die Sache bringen. „There's a crack in everything that's how the light gets in“, okidoki, Mr. Cohen.

Insgesamt eher Experiment, das zwar durchdekliniert ist und dem zuhörendem Rezensenten Ohrensausen in positiver Form bescherte, andererseits ist YAWN wieder eine Band, mehr als jede andere, bei der die Frage im Mittelpunkt steht: Wo soll diese Scheibe gespielt werden? Wo fände sie Anklang?
Den Liedtitel folgend, ist da eine gute Portion Programmmusik dabei, etwas „Lachrymator II: Lignite“, „Unstoppable Force“, „Tripwire“ (Ist ein Software-Unternehmen, das Cybersecurity großschreibt!?!). Es handelt sich also um eine Kritik an vergangenem Raubbau der Menschheit an fossilen Energieträgern, darauf verweisend, welche Tücken die kommenden Energiegewinnungsverfahren, etwa Fusionsreaktoren, bergen.

Der hier bereits erwähnte Schreiber dieser Zeilen kann sich bei bestem Willen nicht vorstellen, dass jemand, der kein Instrument spielt, irgendetwas mit diesen vermeintlichen Missklängen anfangen könnte. Darum muss dieser Longplayer ohne Bewertung auskommen, das eine oder ander Video wird Hörer*innen Aufschluss geben. Anhören hilft!
Zu guter Letzt: Es ist ein forderndes Album, sperriger, wuchtiger, diffiziler als Sperrholz, gleichermaßen interessant.    



Ohne Bewertung
Autor: Richard Kölldorfer (17.02.2022)

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