SORCERER - Dire Prophecy

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VÖ: 05.08.2020
Bandinfo: SORCERER
Genre: Power Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Um es vorwegzunehmen: SORCERER ist nicht gleich SORCERER. Tatsächlich lassen sich mindestens neun Bands recherchieren, die alle auf denselben Namen hören – nur mal so als Fakt am Rande. Hier soll es nun um eine Power-Metal-Band aus Buenos Aires/Argentinien gehen, deren Bekanntheitsgrad zwar noch übersichtlich ist, doch gerade solche Bands sind ja nicht selten für musikalische Überraschungen gut.

Die 2017 ins Leben gerufene, vierköpfige Band um Sänger Charly Coria fütterte den Markt schon im Gründungsjahr mit der EP „Incantation“. Das Full-Length-Debütalbum „Dire Prophecy“ wurde im August 2020 nachgeschoben, fand aber erst jetzt den Weg in unsere Redaktionsstube. Also drehte ich die Boxen auf und spitzte den Bleistift.

„Dire Prophecy“ bietet zehn Tracks, die keinen Zweifel daran lassen, dass hier starke europäische, aber auch US-amerikanische Power-, und Speed-Metal-Einflüsse greifen. Man werfe Bands wie HELLOWEEN, HAMMERFALL, die frühen METALLICA und einige andere bekannte Vertreter des Genres in einen Topf, rühre kräftig um, garniere das Ganze mit einer Prise Classic Metal und – et voilà: SORCERER ist zubereitet. Wer aber glaubt, dass hier nur routiniert in Altbewährtem herumgefleddert wird, der irrt.

Herauszuheben wäre definitiv der satte, rifflastig-brodelnde Gitarrensound, mit dem die Band zwar kein Alleinstellungsmerkmal für sich beanspruchen kann, aber ordentlich für Alarm sorgt – und das durchgehend. Mangelnde Kreativität kann man der lateinamerikanischen Combo auch nicht vorwerfen: Das Drum- und Bass-Intro von „Of Deities And Wrath“ weiß ebenso zu gefallen wie die mit akustischen Einlagen angereicherte Midtempo-Nummer „The Bleak Ebbs Of Hell“.

Zu empfehlen ist auch „Under His Spell“, eines der Highlights der Langrille. Wieder überzeugt die Gitarrenarbeit inklusive technisch beeindruckender Soli – all das sorgt für wahren Hörgenuss. „Cosmic Ice“ ist über weite Strecken ein unbarmherziger Neckbreaker aus der Dampfhammer-Kategorie, Hut ab! Antesten sollte man zudem „Theater Of Delusion“ und das groovige „Within The Woods“.

Doch auch die hier nicht genannten Tracks geben sich keine Blöße und fallen qualitativ nicht nennenswert ab. Hinzu kommen die aufdringlich in den Gehörgängen dröhnenden, wuchtigen Gitarren, die ein Bollwerk aus harten Riffs und melodischen Gitarrenläufen kreieren. Sonderlich innovativ geht es dabei nicht zu, will sagen: auf modernere Zutaten wird weitgehend verzichtet. Wo SORCERER draufsteht, ist Power Metal drin, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Natürlich muss auch noch auf den Gesang eingegangen werden. Die hohe Stimmlage des Shouters Charly Coria ist beachtlich – der Mann kann singen, keine Frage. Wenn man nicht durchgängig das Gefühl hätte, eine urzeitliche HELLOWEEN-Platte aus der Kiske-Ära zu hören, dann müsste man in Anbetracht von Corias Stimmakrobatik tatsächlich ins Schwärmen geraten. So aber ist mir das ein wenig too much – aber das mag natürlich jeder Hörer für sich selbst entscheiden. Wer jedenfalls auf einschlägigen Power Metal mit seinen charakteristischen Merkmalen sowie waffenscheinpflichtige Riffs und eine pappsatte Produktion abfährt, wird an „Dire Prophecy“ Gefallen finden. Man darf gespannt sein, wie die Band sich weiterhin entwickelt, denn das Potenzial, sich zu etablieren, haben die Jungs allemal.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Flack (20.02.2022)

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