SONDASCHULE - Unbesiegbar

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VÖ: 10.02.2022
Bandinfo: SONDASCHULE
Genre: Ska-Punk
Label: BMG Rights Management
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Lineup  |  Trackliste

Die SONDASCHULE war schon immer eine dieser Bands, die man nur im Ruhrpott vorfinden kann: rücksichtslos offen, gnadenlos ehrlich und von urbaner Eloquenz und Heiterkeit, die so typisch für die Lebensart der Malocherstadtbewohner an Rhein und Ruhr ist. Während des vorübergehenden Ruhestands der Berliner TERRORGRUPPE galt jene Band in den Augen des Verfassers als wichtiger Nachwuchslieferant für spätpubertäre Peinlichkeiten und großer Hoffnungsträger in einem humoristischen Segment, das so nur wenige belegen. Doch nachdem die 2015er Scheibe "Schön Kaputt" schon gegenüber seinem übermächtigen Vorgänger schwächelte und mich der Nachfolger "Schere-Stein-Papier" leider vollkommen kalt ließ, hatte ich die Truppe schon beinahe abgeschrieben.

Die Welt gehört uns, wir waren nur zu bescheiden

Entsprechend wenig erwartete ich vom aktuellen Opus "Unbesiegbar", doch die gute Nachricht folgt auf dem Fuße: denn wie mir scheint, hat die SONDASCHULE ihre Eier wieder gefunden! Vielleicht nicht grade im Wassermelonenformat wie einst auf "Lass es uns tun", aber nicht weit davon entfernt. Ich weiß nicht, was Costa Cannabis und seine Freunde anno 2017 getrieben hat, aber wenn ich mich an "Schere-Stein-Papier" erinnere, denke ich weder an Ska, noch an Punk, noch an die SONDASCHULE überhaupt. Wo war das Feuer? Wo das Tempo? Wo die ungebrochene Selbstsicherheit und der Witz, mit dem die Sondaschüler selbst ernste Themen souverän und unterhaltsam an den Mann bringen konnten? Nachdem ich an der bis dato letzten Klassenarbeit so viel vermisste, fiel mir erst mal ungebremst die Kinnlade vor die Latschen, als es mir plötzlich den Opener "Gute Zeiten" um die Ohren schlug. Breitbeinige Punkrockriffs, griffige Hooks aus der Posaune, instant überspringende Funken und ein vor positiver Energie strotzender Text, der auch im Angesicht schwerer Zeiten zum Durchhalten animiert (dies erstaunt umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Band noch während der Entstehung von "Unbesiegbar" den plötzlichen Tod ihres Gitarristen Daniel Junker verkraften musste).

Endlich wieder Feuer, endlich wieder tanzen – und das nicht in Form von Wiener Walzer in Slow-Motion. Und dennoch bietet "Unbesiegbar" die ganze Palette an Stilmitteln, die die SONDASCHULE in den letzten Jahren auf ihren Stundenplan geschrieben hat. Flotte Fußfeger der Marke "Gute Zeiten", "Ich Verspreche Mir Selbst" oder "Merkst Du Nicht…" auf der einen, reggaelastige Müßiggänger wie "Keine Zeit" und "Liebe Für Die Freaks" auf der anderen Seite.

Mit dem schwarzen Album kommen Fans aller Phasen auf ihre Kosten – abgesehen vielleicht mal von jenen, die immer noch auf ein "High Noon 2.0" warten – aber dieser Zug dürfte schon zu Zeiten von "Rambazamba" abgefahren sein (schade eigentlich...). Doch auch, wenn die versch(l)issenen Unterhosen anno 2022 ausbleiben, beweisen die Ska-Punker auch heute noch ihren unvergleichlichen Sinn für prolligen Malocher-Humor und lassen es mit ihrem offensiven Rundumschlag gegen schuldhaft intellektuell Limitierte ("Merkst Du Nicht…") oder dem Fußballabend im Puff ("Liebe Für Die Freaks") verbalerotisch krachen. Und auch ernste Themen wie Alkoholismus ("Keine Zeit") oder die eigene Vergänglichkeit ("Bevor Ich Irgendwann Mal Geh (ist schon OK)") kommen in typischer SONDASCHULE-Manier auf den Tisch, letztgenanntes mit einem ohrwurmigen Gemenge aus durchgetretenem Gaspedal und Western-Melodien – meisterlich.

Opa starb im Krieg, Papa in der Kneipe, bin schon gespannt, wo es mich einmal erwischt

So kann ich am Ende nur sagen: lieber wenig erwarten und geflasht werden als viel erwarten und enttäuscht sein! Sie können es also doch noch, meine Lieblings-Sondaschüler von der Ruhr. Durch seine Vorgeschichte erhalten der Albumtitel und das schwarz gehaltene Artwork einen auf tragische Weise autobiographischen Unterton, aber sie stehen zugleich für den ungebrochenen Lebensmut, den der Titel impliziert. Wie es also scheint, sind die Jungs von der SONDASCHULE sprichwörtlich "unbesiegbar", wozu man ihnen gleich in zweierlei Hinsicht auf die Schulter klopfen darf. Und wer weiß – vielleicht werden die Eier in der Langzeitbetrachtung doch noch so dick wie auf "Lass Es Uns Tun". Macht weiter so!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (25.02.2022)

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