OH HIROSHIMA - Myriad

Artikel-Bild
VÖ: 04.03.2022
Bandinfo: OH HIROSHIMA
Genre: Post-Rock
Label: Napalm Records
Hören & Kaufen: Amazon | Webshop
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

OH HIROSHIMA zählen bereits seit ihrem Debüt im Jahr 2011 zur Speerspitze der internationalen Post Rock Szene, obwohl die Schublade für die Schweden mittlerweile definitiv viel zu eng geworden ist. Denn das nach dem Weggang von Bassist Simon Axelsson aus den beiden Brüdern Jakob Hemström und Oskar Nilsson bestehende Duo hat seit dem Erstwerk "Resistance Is Futile" eine allmählich aber konstant vornaschreitende Weiterentwicklung durchgemacht. Schon auf dem Vorgänger "Oscillation" (2019) und eigentlich auf bereits auf "In Silence We Yearn" (2015) gesellten sich genrefremde beziehungsweise -übergreifende Elemente zur Klangwelt der Schweden und mach(t)en den Sound von OH HIROSHIMA unverwechselbar.

Und so sind auf den ersten Hinhörer erst einmal kaum Unterschiede zwischen "Myriad" und "Oscillation" auszumachen. Natürlich hat der Opener "Nour" regelrecht aggressive und metallische Züge und wirkt stellenweise geradezu depressiv. Man experimentiert mit verschiedenen Instrumenten, z.B. dem Cello (in "Hidden Chamber") oder gibt sich wie in "Humane" stellenweise ungemein progressiv.

Doch ansonsten dominieren die altbekannten und typischen OH HIROSHIMA Trademarks. So wohnt den Stücken (bis auf "Nour"), egal welche Stimmung sie auch transportieren, diese spezielle, bandeigene Leichtigkeit inne, gepaart mit einer dezenten Melancholie, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht. Und natürlich ist auch ein weiteres herausragendes Alleinstellungsmerkmal im Sound der Schweden wieder mit an Bord: Jakobs wunderbarer, stets leicht zurückgenommener Gesang, der immer wieder mit neuen unterschiedlichen Nuancen und Facetten ertönt und der für die Wärme verantwortlich ist, die ein OH HIROSHIMA Album ausstrahlt.

Die sieben neuen Stücke laden einmal mehr zum Träumen ein. Die Musik von OH HIROSHIMA war noch nie zum lapidaren Nebenbeihören geeignet, viel zu viele Details und Glanzpunkte würden verloren gehen, wenn "Myriad" oder seine Vorgänger nur als Hintergundberieselung laufen würde. Richtig genießen kann man diese Klänge am besten, wenn man die Augenschließt und sich von der Musik hinaustragen lässt, aus dem Alltag und der Realität, denn dann entfaltet "Myriad" seine größtmögliche Wirkung.

 

Fazit:

OH HIROSHIMAs Veröffentlichungsrhythmus ist definitiv auf Qualität statt auf Quantität ausgerichtet. Vier Alben in zwölf Jahren, das ist jetzt nicht der Mega-Ausstoß an Longplayern. Dafür bietet aber auch jede Scheibe exzellente, weit über das Post Rock Genre hinausgehende Musik, einschließlich des aktuellen Outputs "Myriad". OH HIROSHIMA bieten auch hier wieder mit absoluter Konstanz state of the art, die vielleicht nicht für jeden Tag geeignet sind, die aber in den Stunden, in denen man einfach mal aus dem Alltag heraus will oder muss, musikalischen Hochgenuss bieten.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (04.03.2022)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: TABOO
ANZEIGE