BULLET FOR MY VALENTINE - Bullet for my valentine

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VÖ: 05.11.2021
Bandinfo: BULLET FOR MY VALENTINE
Genre: Metalcore
Label: Spinefarm Records
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Lineup  |  Trackliste

BULLET FOR MY VALENTINE die Siebte. Seit 1998 ist das Waliser Quartett nun schon im Geschäft um der Menschheit die musikalische Mischung aus Metalcore, Alternative Rock und Modern Metal näher zu bringen.

2005 erschien das ungemein erfolgreiche Debüt "Poison", zwei Jahre später das etwas knackigere "Scream Aim Fire". Beide Scheiben führten der Metalszene damals Heerscharen von jungen Fans härterer Klänge zu. Allerdings bemäkelten damals schon etliche alteingesessene Traditionalisten BULLET FOR MY VALENTINE aufgrund ihrer Optik, aber auch der Tatsache, dass die Band keine Scheu zeigte, moderne, rockige Elemente in ihre Musik einzubinden. Aber so war und ist die Metal-Moral-Polizei unserer ach so toleranten Szene: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. 

Seit "Fever" (2010) durften sich BFMV eigentlich durchgehend bis zum letzten Album die immer gleichen Vorwürfe anhören: Trendanbiederung, kommerzieller Ausverkauf, Wegfall jeglicher Härte. Also das was auch vielen anderen Genrevertretern vorgeworfen wurde – BRING ME THE HORIZON, WE CAME AS ROMANSESCAPE THE FATE, ASKING ALEXANDRIA, um nur mal die Spitze des Eisberges zu nennen.

Die Schelte von Journaille und Fans für "Temper, Temper" (2013) war durchaus berechtigt, da BULLET FOR MY VALENTINE alle Trademarks ihrer Vergangenheit über Bord warfen und der Hörerschaft eine Art von auch qualitativ maximal als mäßig zu bezeichnenden Teenie Rock vorsetzten. Doch für den Nachfolger "Venom", den der Rezensent für die bis heute beste Scheibe der Waliser hält, waren die fortgesetzten Vorwürfe absolut nicht gerechtfertigt. Dieser Meinung war auch ein Großteil der BFMV Anhängerschaft, denn ausnahmslos hohen Chartsplatzierungen im Vereinigten Königreich und ganz Europa sprechen für sich. Kein Wunder, enthält "Venom" doch einige der größten Hits der Bandgeschichte: "Worthless", "You Want A Battle (Here's A War)", "Hell Or High Water", "The Harder The Heart (The Harder It Breaks)", "Raising Hell"...

Die sechste Scheibe "Gravity" fiel gegen "Venom" wieder deutlich ab, war aber längst nicht so schlecht, wie sie von weiten Teilen der Musikpresse gemacht wurde.

Und nun wollen BULLET FOR MY VALENTINE einen Neuanfang wagen, weshalb das siebente Album schlicht selbstbetitelt wurde. BULLET 2.0 sozusagen.

Und tatsächlich, der Opener und die nachfolgenden Stücke "Knives" und "My Reverie" krachen so heavy und aggressiv wie nie zuvor in der Bandgeschichte aus den Boxen, flankiert von wütenden Scream-Shouts und mächtigen Breakdowns, aber auch (anfänglich) einer gewissen Sperrigkeit im Vergleich zu den eingängigen Tracks der Vergangenheit. 

"No Happy Ever After" bringt dann ein wenig Catchyness im Chorus ins Spiel, ist aber ansonsten auch ziemlich deftig geraten. Wirklich Abwechslung und die Erinnerung an die oben genannten hittechnischen Großtaten bietet erstmals "Can't Escape The Waves". Der Song tut nach dem aggressiven aber auch leicht gleichförmigen ersten Drittel der Scheibe den Ohren wirklich gut. Und die Nummer bereitet die Hörerschaft auf den Gassenhauer des Albums vor: "Bastards"! Groovy as Hell, eingängig, mit fetten Gangshouts und herrlichem Singalong-Chorus.

"Rainbow Veins" ist eine Halbballade, die auch zu gefallen weiß, auch und gerade, weil sie nicht zum kitschigen Schmachtfetzen verkommt, sondern auch einige heftige Ausbrüche beinhaltet.

"Shatter" und "Paralysed" gehen dann zum Ende des Albums nochmal etwas brachialer zu Werke, gewinnen aber keinen Originalitätspreis. "Death By A Thousand Cuts" dagegen ist ein würdiger Langrillen-Closer. Rasant, hart, melodisch, mitreißend.

Fazit:

BULLET 2.0 ist die neue Scheibe – sagt die Band selbst vom aktuellen Output. Nun, das Fahrrad neu haben BFMV mit ihrem siebenten Album nicht. Aber sie gehen so heavy und brachial zu Werke, wie noch nie, und das, ohne ihre musikalische Vergangenheit auszublenden oder aus den Augen zu verlieren. Herausgekommen ist schlussendlich ein Silberling, der die erwachsen gewordenen Bandmitglieder glaubwürdig repräsentiert. Ein gutes Album, das viel besser als "Temper, Temper" und auch "Gravity" ist, an die ersten beiden Scheiben und an "Venom" aber nicht herankommt.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (03.03.2022)

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