KONVENT - Call Down The Sun

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VÖ: 11.03.2022
Bandinfo: KONVENT
Genre: Death/Doom Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wow! Da starten KONVENT mit "Into The Distance" ja gleich richtig finster fies in ihr zweites Album. Wie schon auf dem Debüt vor zwei Jahren ("Puritan Masochism") erwartet die Hörerschaft auch auf "Call Down The Sun" finsterer Death Doom Metal, der von Zeit zu Zeit gern mal in Richtung Funeral Doom pendelt. Jedoch behält das schwarze Kleeblatt aus Kopenhagen bei aller Wut und verzweiflungsgeschwängerter Dunkelheit stets das Gespür für Melodien ("Grains", "Fatamorgana", "Harena") und durch gezielte Monotonie erzeugte, nachtschwarze Breiwand-Epik ("In The Soot", "Pipe Dreams" in den einzelnen Songs.

Anzumerken ist der Fakt, dass es sich bei KONVENT nicht um einen muskelbepackten, Testosteron ausschwitzenden Moloch handelt, sondern um ein ausschließlich Östrogen-Flammen spuckendes Höllenbiest. Und die vier Ladies machen ihre Sache (einmal mehr) ausnehmend gut. War das Erstwerk schon ein echter Aufmerksamkeitsverursacher, so kommt die neue Scheibe brachialer und mit noch fetterem Sound daher. Das Songwriting hat ebenfalls zugelegt, und auch in technischer/spielerischer Hinsicht gibt es nix zu meckern. 

Aushängeschild ist natürlich das unmenschliche Organ von Frontdiabolikerin Rikke. Diese Bandbreite von abgrundtiefen Funeral Doom Growls über bösartiges Wolfsgeknurre bis hin zu giftigen, fast blackmetallischen Screams ist mehr als nur respekteinflößend, und dürfte so manche männlichen Genre-Mitbewerber vor Neid erblassen lassen. Wenn Rikke, wie in "Sand Is King" nach der Spoken-Words-Einleitung gnadenlos Gift und Galle ins Mikro speit, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter.

Die Geschwindigkeit der einzelnen Tracks wechselt von Song zu Song immer wieder zwischen Midtempostampfern und schleppenden Riffmonstern hin und her. Dadurch wird "Call Down The Sun" nie langweilig und hält das Auditorium bis zur letzten Sekunde bei der Stange. Absolutes Album-Highlight ist der Langrillen-Closer "Harena", der neben einer unglaublichen, schmerzvoll-melancholischen Melodie mit atmosphärischen (u.a.) deutschen Sprachsamples und äußerst virtuosem Violinen- und Cello-Spiel von Gastmusiker Felix Havstad aufwartet und der die Erinnerung an die Glanzzeiten des melodisch-melancholischen Death Doom Metal Mitte bis Ende der neunziger Jahre wieder aufleben lässt.

Generell ist nach einigen Durchläufen ein ungemeines Livepotential der Langrille zu erkennen. Die Vorstellung, die neun Stücke unter dem mitternächtlichen Sternenhimmel auf einer nebelschwadendurchtränkten, in tiefes Rot und Blau getauchten Bühne zu erleben, erzeugt ein wohliges Schaudern, denn on stage wird die Musik von KONVENT erst ihr volles Potential entfalten. Hoffen wir, dass es bald (wieder) so weit ist.

 

Fazit:

Die vier Damen aus Dänemark liefern mit "Call Down The Sun" ein astreines, pechschwarzes, unter der Grasnarbe gespieltes Todesblei-der-Verdammnis-Zweitwerk ab, das musikalisch und songwriterisch über jeden Zweifel erhaben ist und das sich trotz (oder gerade wegen?) der allgegenwärtigen Finsternis zum Sterben schön präsentiert. Zur Qualität des Albums dürfte sicher auch die Konstanz des Line-Ups beigetragen haben, Rikke, Sara, Heidi und Julie zocken mittlerweile seit 2017 gemeinsam. Schön auch, dass die Mädels ausschließlich ihre Musik für sich sprechen lassen und sich nicht vordergründig über blaue Haare oder die Produktion von Eierlikör profilieren müssen. 

Besondere Highlights des Verfassers:

"Harena", "Sand Is King", "In The Soot", "Grains"



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (10.03.2022)

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