CHILDREN OF THE SÜN - Roots

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VÖ: 18.03.2022
Bandinfo: CHILDREN OF THE SÜN
Genre: Rock
Label: The Sign Records / Cargo
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Kann man den typischen Sound der ausgehenden 60er / frühen 70er Jahre authentisch knarzend und opulent wiedergeben und dabei gleichzeitig modern und zeitgemäß klingen? Nun, im Fall von CHILDREN OF THE SÜN, die ihre Musik selbstbewusst als "...retro yet fresh..." bezeichnen, darf diese Frage eindeutig mit JA beantwortet werden.

Die schwedische Almost-All-Female-Kapelle (almost, weil Jacob Hellenrud die Gitarren zupft und die Felle mit Johan Lööf ein zweiter 'Herr der Schöpfung' bearbeitet) verkörpert den Spirit der Hippie-Ära nicht nur in ihrer Musik, sondern auch optisch und in ihrer Lebenseinstellung. Musikalisch orientiert sich das Sextett an der rockigen Seite der Blumenkinderbewegung. JANIS JOPLIN und JIMI HENDRIX stehen hier als große Vorbilder hörbar im Raum. Zu dem manchmal erdig starken, manchmal wolkig leichten Classic / Blues Rock gesellen sich immer wieder eine Prise Stoner und sehr dezente Psychedelic Rock Elemente.

So wie die lyrische Reise durch das Album ein stetiges Auf und Ab zwischen Höhen und Tiefen, Liebe und Hass, Licht und Dunkelheit darstellt, so abwechslungsreich pendelt auch die Musik abwechslungsreich zwischen mitreißenden voranpreschenden Nummern und zerbrechlich-zarten Balladen. Teilweise sind die Songs von hörbarer Ernsthaftigkeit durchzogen. Andere Stücke tönen wild und ungezähmt nach grenzenloser Freiheit.  

Die instrumentale Umsetzung ist erstklassig gelungen. Man hört deutlich das herrliche Vintage-Kratzen der Gitarren, der komplette Sound atmet den Klang der rauen, ungezügelten Musik der Hippie-Zeit. Und doch tönt hier kein Mief aus den Boxen. Der Sound ist kristallklar und in der Tat "very fresh"! 

Nichtsdestotrotz wäre die Musik von CHILDREN OF THE SÜN nur die Hälfte wert, ohne die unglaubliche Voice ihrer Frontfrau. Was Josefina stimmlich auf "Roots" zum Besten gibt, ist wirklich unglaublich! Von zart bis hart reicht die Bandbreite des Organs der Sängerin, und dabei ist jeder Ton vorgetragen in einer faszinierenden Intensität und Inbrunst. In den kraftvollen Momenten erinnert Josefine tatsächlich ein wenig an die großartige JANIS JOPLIN. In den ruhigen, verletzlichen Augenblicken wiederum hat man das Gefühl, ein Engel hauche den Gesang silberhell und glockenklar in die Gehörgänge. 

Fazit:

"Roots" ist das Zweitwerk von CHILDREN OF THE SÜN. Und die neue Langrille steht dem erstklassigen Debüt ("Flowers", 2019) in nichts nach. Im Gegenteil, mit "Roots" konnten die Sönnenkinder in allen Belangen noch eine Schippe drauflegen. Die dreizehn Stücke (inklusive des atmosphärischen Intros und des ergreifenden, nicht von dieser Welt zu sein scheinenden Outros) wärmen und spenden Licht. In einigen Passagen schieben sich dezente Quellwolken vor die leuchtende musikalische Sonne, und zwar immer dann, wenn die Stimmung der Musik und die Inhalte der Texte nachdenklicher werden. Doch dabei wird die Atmosphäre in den Songs nie bedrückend oder trist. Denn "Roots" ist kraftvoll lebensbejahend und liebevoll umarmend. Davon wünscht man sich gerade in dieser Zeit mehr. Viel mehr.

 

Anspieltipps:

- "Reflections" (Janis lebt!)

- "Blood Boils Hot" (Powerballade mit Gänsehaut-Faktor)

- "Eden" (when an angel sings)

- "The Soul" (mit Gospel-Elementen und JIMI HENDRIX Gedächtnis-Gitarrensolo!)

- "Epilogue" (unglaublich ergreifendes, sphärisches Instrumental)



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (16.03.2022)

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