KNIGHT AND GALLOW - For Honor And Bloodshed

Artikel-Bild
VÖ: 17.03.2022
Bandinfo: KNIGHT AND GALLOW
Genre: True Metal
Label: No Remorse Records
Hören & Kaufen: Webshop
Lineup  |  Trackliste

Genau wegen solcher Bands wird die These, dass Heavy Metal niemals ausstirbt, immer wieder bestätigt! Bevor es hier aber mit Begeisterung in die Beschreibung des Debütalbums „For Honor And Bloodshet" “von KNIGHT AND GALLOW geht, schnell noch die wenigen Infos, die zu dieser neuen Band vorliegen: 2019 im amerikanischen Sacramento gegründet, konnte der Fünfer offenbar mit ersten Demos für Aufregung im Underground sorgen und wurde auf dem Epic Metal Blog zum besten Newcomer gewählt. Und peng, nun haben die Jungs, die auf dem Promo-Foto noch grünschnäbelich aussehen, einen Multi-Platten-Vertrag in der Tasche.

Die Kalifornier erfinden das Metal-Rad nicht neu, im Gegenteil: Sie nutzen bekannte Zutaten aus dem klassischen Heavy Metal der 80er und frühen 90er, dem Epic Metal und True Metal. Dazu gibt es einen authentisch-organisch-warmen Sound, ein kauziges Fantasy-Cover mit einem Warrior und einen sattsam bekannten inhaltlichen Fokus: „Der Herr der Ringe“ ist ebenso Thema wie die „Elric“-Saga von Michael Moorcock, die „Uthred“-Saga von Bernard Cornwell, aber auch das Fantasy-Rollencomputerspiel „Dark Souls“ und der Dark-Fantasy-Manga „Berserk“ von Kentarō Miura. So weit, so klassisch und nicht wirklich aufregend.

Wie immer geht es um die Neu-Interpretation. Wie haben diese kalifornischen Newcomer also die bekannten Zutaten zusammengemixt? Erfrischend und fröhlich-frei nach vorne stürmend, kommt einem spontan in den Kopf. Nach einem kurzen etwas nichts-sagendem Intro zeigt „Men Of The West“ (hier wird „Der Herr der Ringe“ thematisiert) gleich mal die Stärken der Jungs: Ein Sänger, der einen durch seinen Enthusiasmus mitnimmt und jugendhaften, stürmischen Charme versprüht. Dazu gesellen sich schöne epische Melodien, die gekonnt mit geschmackvollen Backing-Vocals ausgeformt werden. Die Instrumental-Fraktion baut einige Tempowechsel ein und einen langen Mittelteil mit ausuferndem Gitarrensolo, das zusammen mit der leicht progressiven, verschachtelten Songstruktur gleich die Referenz MANILLA ROAD anklingen lässt. So ein Opener mit minutenlangem Solo ist ein starkes Statement! Diese Jungs ziehen definitiv ihr Ding durch.

Beim folgenden „Godless“ erzählt der Sänger aus der Ich-Perspektive alias Uhtred aus der „Uthred“-Saga dem Hörer seine Sicht der Dinge. Der Song scheint wunderbar auf ein Finale furioso zuzusteuern, ja sich immer weiter aufzubauen. Die erquickende Eruption kommt dann aber leider nicht wirklich. Chance verpasst. Also weiter: „Souls Of Cinder“ wird mit atmosphärischem Kirchenglocken-Schlägen eingeläutet und überrascht dann positiv mit einem fröhlichem Takt, der eher aus dem Punk Rock zu stammen scheint als aus dem klassischen Metal. Nebenbei: Der Drum-Sound ist ebenfalls überaus gelungen. Da ist nix pappig oder steril. Getragen wird der Song vom teils sich überlappenden Gesang von Nick Chambers, der zeigt, dass er im Eifer auch Mut zur Lücke hat – nicht jeder Ton wird getroffen, aber dadurch wirkt sein Gesang umso authentischer. Macht Spaß, der Track.

Die nächste Nummer heißt „Lord Of The Sword“ und ja, die Songtitel sind, was das Lyrische betrifft, selbsterklärend. Dennoch nerven die Texte nicht mit einer Penetration von Metal-Klischee-Begriffen wie „Sword, Warrior, Fire, Angel, Dragon“ oder dergleichen. Ähnlicher Rhythmus wie zuvor, also wieder recht fröhlich-unterhaltsam, allerdings fehlt das gewisse Etwas. Noch gut. Das kann man von den Metal-Screams in „God´s Will“ nicht behaupten: Vielmehr klappen sich bei diesem Gejaule die Zehnägel hoch. Nee, das geht leider gar nicht, wodurch auch der gesamte Song in Mitleidenschaft gezogen wird.

Also schnell weiter: Und ja, „Stormbringer`s Call“ erschreckt einen zunächst auch mit einem hohen und sehr schiefen Scream, schwenkt dann aber über zu einer Beschwingtheit, die durch seinen Melodic-Punk-Rock-Rhythmus (nicht nur durch die Drums, auch durch ein paar Punk-Dreier-Akkorde) viel sonnigen Vibe aus dem fernen Kalifornien verteilt. Dadurch ist die Nummer ein klares Highlight des Albums. Man kann sich plötzlich wieder wie 18 oder 19 fühlen. Und natürlich: Wenn Chambers „Stormbringer" ruft, muss man auf diesem Online-Metal-Fanzine hier einfach angetan sein!

Das ändert sich auch nicht bei „Blood Of Wolves“, wo der Fünfer dermaßen viel Spielfreude vertont hat, dass man einfach mitgehen muss und sich seines Lebens freut. Zumindest, wenn man auf Bands wie IRON MAIDEN, MANOWAR, HAMMERFALL, MANILLA ROAD, VISIGOTH, ETERNAL CHAMPION, GATEKEEPER, POSSESSD STEEL oder BLACK SOUL HORDE steht. Hier wird das Tempo erfreulicherweise mal angezogen und schmissige Gang-shouts kommen zum Einsatz. Macht Bock das Teil, auch durch seine Hauptmelodie.

Mit dem abschließenden „Black Swordsman“ zeigen KNIGHT AND GALLOW nochmal ihre leicht progressive Seite und sie treten immer mal wieder das Gaspedal – ohne jedoch von ihrer grundsätzlichen melodischen, epischen Stimmung abzukommen. Ziemlich eingängig die Gesangslinien und Gitarrenharmonien, dazu gefällt auch die Rhythmus-Arbeit. Schön stimmig für den letzten Song kommt am Ende noch ein gelungener Akkustik-Part. Sehr gute Nummer!

Da haben sich No Remorse Records ein rohen Diamanten an Land gezogen. Die blutjungen KNIGHT AND GALLOW haben vieles, was die etablierten Bands vermissen lassen: Hörbaren Enthusiasmus, Spielfreude und voranpreschenden Elan. Abgesehen von den ganz schiefen Screams in „God´s Will“ verpasst der Gesang dem Ganzen einen wunderbar authentischen Charakter. Man merkt sofort, dass die Jungs auf diese Art von Musik richtig Bock haben und bringen das auf ihrem Debütalbum gekonnt rüber. Insbesondere die immer mal wieder aufblitzenden Anleihen an das Progressive der Epic-Metaler MANILLA ROAD in Verbindung mit sonnigen Punk-Rock-Rhythmen lassen einen in freudiger Erwartung und der Hoffnung zurück, dass da noch mehr solcher starker Songs wie „Men Of The West“, „Stormbringer`s Call“, „Blood Of Wolves“ oder „Black Swordsman“ das Licht dieser Welt erblicken.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (15.03.2022)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Nordic Union
ANZEIGE