RONNIE ATKINS - Make it count

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VÖ: 18.03.2022
Bandinfo: RONNIE ATKINS
Genre: Hard Rock
Label: Frontiers Records
Lineup  |  Trackliste

2019 machte RONNIE ATKINS, der Sänger der dänischen Hard-Rock-Instutition PRETTY MAIDS, seine Lungenkrebserkrankung öffentlich. Inzwischen ist klar, dass es keine Heilung geben wird. Der 1964 geborene Däne versucht seit der niederschmetternden Diagnose, die ihm noch bleibende Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Für Atkins heißt das unter anderem: musizieren. Mit „Make It Count“ erscheint nun innerhalb eines Jahres bereits die dritte Veröffentlichung nach seinem unter die Haut gehenden Debütalbum „One Shot“, das mit der EP „4 More Shots“ ein paar Monate später erweitert wurde. Mit PRETTY MAIDS scheint Gerüchten zufolge hingegen nichts Neues zu kommen, da es Meinungsverschiedenheiten mit Ken Hammer geben soll.

Atkins sagt zur Entstehung des neuen Albums: „Ich hatte bereits einige Ideen, als `One Shot´ im März 2021 veröffentlicht wurde, und habe im Frühjahr und Sommer 2021 immer wieder daran geschrieben. Ich und mein großartiges Team von Musikern sind dann genau so vorgegangen wie bei `One Shot´, denn ich habe immer noch das Gefühl, dass ich wegen meiner Diagnose ein bisschen gegen die Zeit anrenne.” Diesmal konnte er aufgrund gelockerter Bestimmungen aber wieder von Angesicht zu Angesicht mit seinen musikalischen Mitstreitern am neuen Material feilen. Das Tolle an seinen Solo-Alben sei, so der Sänger weiter, dass er machen kann, was er will. „Ich muss mit niemanden darüber streiten, ob es zu sehr Pop ist oder zu seicht etc., weil ich einfach mache, was ich möchte. Ich bin mein eigener Chef bei diesen Alben. Das ist das, was ich in dieser Phase meines Lebens machen möchte und ich bin überzeugt, dass ´Make It Count´ ein großartiges Melodic-Rock-Album ist und ich hoffe, die Fans werden nicht enttäuscht sein.“

Zum Titeltrack und einen prominenten Gastmusiker sagt Atkins: „Das ist einer dieser Songs, die während der Entstehung eine kleine Änderung erfuhren. Er beginnt eigentlich als Ballade und wird dann zu etwas ganz anderem. Trotz des Genres, das ich die letzten 40 Jahre lang gespielt habe, ist es kein Geheimnis, dass ich auch ein großer Fan von Popmusik bin. Eine der Bands, mit denen ich in den Siebzigern aufwuchs und die mich immer beeinflussten waren ABBA ,und ganz ehrlich, sie gehören zu den besten Songwritern der Musikindustrie, wenn ihr mich fragt. Als Produzent Chris Laney also die Möglichkeit auftat, den legendären ABBA-Gitarristen Lasse Wellander als Gast für diesen Song zu engagieren, konnte ich einfach nicht widerstehen. Er macht einen tollen Job und ich fühle mich geehrt, dass er auf einem meiner Songs spielt. Ich hoffe, der Track gefällt euch genauso gut wie mir."

Da der Song bereits vorab veröffentlicht wurde, werden die meisten Fans von Herrn Atkins ihn bereits kennen – und lieben. Insbesondere durch die Verschmelzung von Text und Musik erhebt sich die Nummer zu einem eindrücklichen Hörerlebnis der seltenen Art. Bei „Make It Count“ geht es inhaltlich darum, das Leben so gut wie möglich zu nutzen und das Beste draus zu machen. Dass Atkins nicht nur ein toller Sänger ist, sondern auch ein begabter Texter zeigt sich daran, dass er das Kunststück schafft, bei dieses Thema nicht vollgestopft mit Plattitüden, sondern recht lyrisch zu umschreiben. Hier der Text:

From the very day that you were born/ You’ve been cast/ To play your part/ Through light and darkness it’s your destiny/ But there is always an open door/ A four leaf clover to be found/ A spark endowing you with clarity/ Cause inside of you there’s something beautiful/ Can tell from that look in your eyes/ You gotta confide in yourself/ Every little moment make it count/ Every precious smile you see around/ Every wishful dream that may come true/ You gotta remember/ Every traveled mile just make it count/ Every day in life that your allowed/ Every ray of light that shines on you/ Ablaze yourself before the fire dies out/ Take it all in/ Your sails are set/ There’s no regrets when you've passed the line/ A fragile journey sometimes an uphill climb/ But don’t despair, be you, be there/ We’re all just here on borrowed time In all rainy clouds there’s a silver lining/ There’s always a light at the end/ And dare to dream my friend/ Chorus/ You struggle you strive your whole life through/ Sail with your anchor down/ Now open your heart expand your view make it count/ Chorus
Dazu ist das Arrangement perfekt, die Melodie ein Ohrwurm und man glaubt Atkins jedes Wort.

Mehr braucht man zu dem neuen Album eigentlich kaum zu schreiben, denn dieses Muster durchzieht das Album. Mitreißende Melodien, die wunderbar ausgearbeitet wurden und immer werden große Themen des Lebens angesprochen wie der Umgang mit der Familie, seiner großen Liebe, der Verantwortung gegenüber dem eigenen Lebensweg oder den schändlichen Umgang mit der Umwelt. Atkins sagt, dass seine Diagnose natürlich in die Texte mit reingespielt habe, er werde nunmal jeden Tag mit ihr konfrontiert. „Aber ich habe immer versucht, einen positiven Twist reinzubekommen, ganz im Sinne, dass wir das Beste aus unserem Leben machen sollten und diejenigen um uns herum lieben sollten, solange wir noch da sind. Über Sex, Drugs & Rock’n’roll kann ich mit meiner Diagnose unmöglich schreiben.

Es gibt zwar auch ein paar schwächere Songs wie „Unsong Hero“ und „Remain To Remind Me“, die beide sehr austauschbar geraten sind: Derlei Melodien und Arrangements hat man von PRETTY MAIDS und auch auf Atkins letztem Solo-Album bereits gehört. Das gleiche Gefühl schleicht sich schnell bei „The Tracks We Leave Behind“ ein. Es wäre allerdings auch sehr merkwürdig gewesen, wenn Atkins nach Jahrzehnten des Musizierens nun nicht ein paar Songs schreiben würde, die ungewollt an bereits bestende, ältere Songs erinnern.

Glücklicherweise sind auf „Make It Count“ sonst nur Tracks, die zwar nicht aus dem musikalischen Atkins-Kosmos ausscheren, aber doch mit neuen Melodien erfreuen. Neben dem bereits erwähnten Titeltrack kann das elegische „Fallen“ mit feiner Keyboard-Harmonie glänzen. Dazu kommen die schmissigen und recht flotten „Blood Cries Out“ und „All I Ask Of You“ (was für ein Ohrwurm!), das mit netten Tempowechseln versehene „Grace“ oder auch das aufrüttelnde „Rising Tide“, das die Umweltzerstörung beklagt und ein Ändern unseres Tuns aufruft – auch hier wieder ganz groß die Verbindung von Text und Musik! Und so könnte man weitermachen mit dem Aufzählen von Stärken des neuen Outputs von RONNIE ATKINS. Natürlich ist der Sound erstklassig, selbstredend durchfließt das Album hörbar auch die hohe Qualität der beteiligten Gastmusiker und fast schon logisch, dass man sich nach dem Hören dieses weisen, inspirierenden, emotionalen und musikalischen hochwertigen Albums in der Schnittmenge aus Melodic Rock und Hard Rock nur eines wünschen kann: Dass Atkins noch genügend Zeit bekommt, um uns weiter mit solch bärenstarker Musik zu beglücken.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Tobias (17.03.2022)

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