EVIL INVADERS - Shattering Reflection

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VÖ: 01.04.2022
Bandinfo: EVIL INVADERS
Genre: Speed Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste

Nach zwei bei der Fachjournalie gut bewerteten Longplayern in 2015 und 2017, einigen Touren und Auftritten auch bei großen Festivals wie dem Wacken Open Air, legen die belgischen EVIL INVADERS nun mit „Shattering Reflections“ ihr drittes Studioalbum vor – und könnten mit diesem zur Speerspitze neuerer Bands aufschließen. Die Reaktionen auf Youtube zu den vorab veröffentlichten Tracks „In Deepest Black“ und „Sledgehammer Justice“ sind jedenfalls schon mal nicht schlecht für solche Newcomer – und dazu kann man die 2007 in Leopoldsburg gegründete Band wohl gerade noch zuordnen.

AGENT STEEL, ABATTOIR, RAZOR und EXCITER, SAVAGE GRACE wurden von anderen Rezensenten als Vergleiche bereits herangezogen. Dazu kann man sicherlich noch ANNIHILATOR, (schnelle) METALLICA, SANCTUARY, JUDAS PRIEST und ENFORCER dazupacken. Oder auch MORGANA LEFAY und CRIMSON GLORY. Mit anderen Worten: EVIL INVADERS klingen ziemlich oft vertraut, wie schon mal gehört. Das Gute dabei ist, dass einem nur gute Bands einfallen. Und fast alle haben vor allem in den 80ern für Furore gesorgt. Und sie standen zumeist für rasanten Metal.

Auch EVIL INVADERS lieben es, ordentlich auf das Gaspedal zu treten und munter drauflos abzuschreddern. Gleich der Opener „Hissing In Crescendo“ geht gut ab, versucht aber mit ein paar Midtempo-Einschüben dem Hörer zu sagen: Diese Band kann nicht nur schnell. Naja, geht hier nur leider noch gar nicht auf. Ziemlich austauschbar der Song. Also weiter zu „Die For Me“, wo Sänger Joe alles gibt und sich um Kopf und Kragen kreischt: Das wird vermutlich dem ein oder anderen Hörer zu extrem sein. Andere werden die Screams abfeiern. Der Refrain und das dazugehörige Geschredder kann was! Dann kommt mit „Deepest Black“ eine Halb-Ballade, die an eine Mischung aus „Reflections“ von CRIMSON GLORY und „Coming Home (Sanatarium)“ von METALLICA erinnert. Also oberstes Level, sehr stark und eingängig.

Zeit, lozufetzen: „Sledgehammer Justice“ ballert ohne Ende, Sänger Joe klingt hier wie eine Mischung aus Olof Wikstrand von ENFORCER und Schmier von DESTRUCTION, was gut zu der Thrash-Nummer passt. Aus den Latschen haut einen die Nummer aber nicht. Ist okay, wenn auch mit Feuereifer vorgetragen. Auch bei der nächsten Nummer – überraschenderweise wieder eine Halb-Ballade –  ist Sänger Joe mit voller Inbrunst dabei. Das ist in diesem Fall aber leider ein Tucken zu viel des Guten. Das Gekreische und Gejaule soll vermutlich Emotionen transportieren, tatsächlich sorgt es eher für eine verzogene Miene und ein Zucken hin zum Skip-Zeichen. Zumal die Melodie von „Forgotten Memories“ nun auch nicht so der Burner ist.

Ein kurzes Interlude, dann wird „Eternal Darkness“ lange eingeleitet, um in einen Up-Tempo-Thrasher überzugehen, der auch von WARBRINGER oder ONSLAUGHT sein könnte. Ein paar instrumentale Wow-Momente machen doch noch Hoffnung auf mehr. Bei „My World“ versuchen es die Belgier erneut mit getragenen Passagen bis sie dann in einen Stampfer übergehen mit einem Gesang, der ziemlich anders klingt – ist das nicht ein anderer Sänger? Leider liegt dazu keine Info vor. Der Gesang klingt jetzt sehr rüpelig, eher nach VENOM. Sowieso hat der Song eine ziemliche VENOM-Schlagseite. Überraschend diese neue Seite. Das atmosphärisch recht düstere Instrumental „Aeon“ ist dann ein nettes Vorspiel zu dem finalen „The Circle“, das ebenfalls bedrohlich beginnt, bevor es mit einem Lachen eines Verrückten in einen Up-Tempo-Teil übergeht und wieder zurück zum Midtempo. Wieder kommen einem WARBRINGER in den Sinn. Aufgrund des dämonenhaften, theatralischen Gesangs und der spooky Melodien auch KING DIAMOND oder HELL.   

Insgesamt ist das durchaus ein top-produziertes Album, das sich mit den Szenegrößen messen kann. Die Songs werden jederzeit mit vollem Einsatz dargeboten. Mit noch so viel Spielfreude kann man aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass unter den zehn Songs (wobei zwei davon rein instrumental sind) zu wenig dabei ist, um den Hörer wirklich zu fesseln. Das klingt alles ganz nett (mit Ausnahme des zu krass gescreamten „Forgotten Memories“) und hin und wieder gibt es auch starke Momente (zum Beispiel bei „Die For Me“, „The Deepest Black“ oder „The Circle“). Die genannten Referenz-Bands haben aber alle bessere Alben im Repertoire – da kann man dann schon fragen, wozu man „Shattering Reflections“ braucht.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Tobias (25.03.2022)

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