CITY - Die Letzte Runde

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VÖ: 01.04.2022
Bandinfo: CITY
Genre: Rock
Label: Universal
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Time to say goodbye - eine der großen Bands Deutschlands macht ihre Abschiedsrunde. Wie? Wer? Also ein kleiner Trip in die Vergangenheit: 

CITY wurde 1972 in Ost-Berlin gegründet. 1975 kam die erste Single heraus. Der Durchbruch kam jedoch mit "Am Fenster" 1977. Erst heute weiß ich, was für ein kultur-gesellschaftlicher-historischer Aufschrei dies war. Durch die Politik in der ehemaligen DDR war es für viele Bands nicht einfach, Kritik zu äußern, und so wurden sie äußerst kreativ in der symbolhaften Umschreibung. Wenn wundert es, dass sie im September 1989 zu den Initatioren der "Resolution von Rockmusikern und Liedermachern" für mehr Freiheiten in der DDR gehörten. Nach der Wende wurde es recht still um CITY.

Es ist mir hiermit eine Ehre, die "Letzte Runde" einzuläuten. Und ja, es ist etwas wehmütig, da ich mit diesen Stimmen aufgewachsen bin. 

"Die Hymne (Come Together)" -  "Wir bauen keine Mauern mehr, ist lange her. Wir lassen uns nicht brechen...Weil wir uns einig sind...Come together." Reißt die Mauern in euen Köpfen ein und lebt euer Leben! Gewohnt rockig ist der Opener eine Reminiszenz, dass Mauern eingerissen werden müssen, damit Platz für Neues entsteht.

"Tanz Mit Mir." Die Geige begleitet dich über Steine und Scherben und bis zum Morgen, durch alle Albträume. Unverwechselbar ist das Geigenspiel von Georgi Gogow, der schon einen Meilenstein mit "Am Fenster" setzte.

"Wir haben Wind gesät" - Es gibt nichts was uns hindert, besser zu sein. Man das nenn ich mal sanften Tritt. Die Texte von CITY sind seit jeher ein Spiel von Gefühlen, Erinnerungen und sehr viel Hoffnung auf die Zukunft. Dies zieht sich durch das gesamte Album, getragen von der unverwechselbaren Stimme von Tony Krahl. Da die Texte durchgehend auf Deutsch sind, kann man sich voll darauf einlassen und sich fallen lassen.

"Es ist soweit, das ist die Gelegenheit...mein Herz schlägt und die Lunge schreit".  Ich folge dieser Meinung, das Gelegenheiten genutzt werden müssen. Und auch andere Musiker empfinden so und haben sich nicht lange bitten lassen, bei der letzten Runde die Glocke zu schlagen:

B.DEUTUNG bei "Du hast mich berührt" , MASCHINE & DIRK MICHAELIS bei "Klarer Fall", ANNA R. (ROSENSTOLZ) und SILLY bei "z.B. Susann", HENNING WEHLAND & REINHARD PETEREIT bei "Gute Gründe", UWE HASSBECKER bei "Casablanca", MATTHIAS REIM & die Berliner Symphoniker bei "Wand An Wand".... Eine Reise durch die Berliner Musikszene quasi. Es werden Erinnerungen geteilt, Erlebnisse aus Berlin und der Musikszene wieder lebhaft ins Licht gerückt. 

"War Gut" ist das Schlusswort von CITY und ich glaube, einen besseren Schlusspunkt kann man nicht setzen: Kein stiller Abschied, kein Verscharren im Tümpel des Vergessens. Sondern ein Symphonic Orchester und Rock'n'Roll aus dem Herzen Berlins. 

P.S. Manche mögen mir jetzt Sentimentalität vorwerfen, Voreingenommenheit und ähnliches. Mag sein, nur gerade mit diesem Album ist mir die eigene Vergänglichkeit und die Zeit der Kindheit bewußt geworden. Memento mori!

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Sabine Vollert (27.04.2022)

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