SHAMAN'S HARVEST - Rebelator

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VÖ: 11.03.2022
Bandinfo: SHAMAN'S HARVEST
Genre: Rock
Label: Mascot Label Group - Provogue Records
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Lineup  |  Trackliste

Seit ein paar Jahren schon verfolge ich die in unseren Breiten noch immer recht unbekannte Band SHAMAN'S HARVEST aus Missouri. 2014 fielen sie mir durch "Smokin' Hearts & Broken Guns" auf. Ein excellentes Album, das zwischen Southern Rock und Blues Rock angesiedelt war und von einem ausgefeilten Songwriting, intensivem und dichten Rock-Sound, unter die Haut gehenden Texten und den tollen Vocals von Nathan Hunt lebte.

Diesem Masterpiece, das zwischen Westernromantik und modernem Hard Rock angesiedelt war, folgte 2017 "Red Hands Black Deeds". Wiederum ein Album, das vor knackiger Blues-Rock Intensität sprühte und einen überzeugenden Beat innehatte. Auch soulige, soft-rockige Stücke, die in ein schummriges Tanzlokal oder ans Lagerfeuer passen, fehlten auf diesem Album nicht. Und natürlich punktete es wie die Vorgänger Alben mit der hingebungsvollen Rock-Stimme von Nathen Hunt.

Nun musste man etwas länger warten. Die Band nahm sich nach den letzten Tourneen eine Auszeit und wurde dann leider bei der Aufnahme des neuen Albums von diversen Naturkatastrophen (z.B. ein Tornado) bzw. Naturereignissen immer wieder im Zeitplan zurückgeworfen. So sind es nun fünf Jahre geworden, bis der Neuling "Rebelator" veröffentlicht werden konnte. Aufgrund der diversen Entwicklungen hat sich der Stil auf dem neuen Album von den bisherigen Alben ein wenig anders entwickelt. Die soften Bluesrock Nummern oder akustischen Stücke sind reduziert worden, der Southern Vibe und der blusige Rock wurden etwas in den Hintergrund gedrängt und an ihre Stelle kommt eine gewisse Wut, die sich als harter Rock manifestiert, wie man ihn bei der Band bisher noch nicht oft gehört hat.

Der Sound auf "Rebelator" ist erdig und dicht, die Riffs knackig und der Bass hart, das Songwriting komplex und vielschichtig, mit viel Gespür und Einfühlungsvermögen. Nathans Stimme ist zum Glück noch immer genauso genial wie in den letzten Jahren - da kann also nicht so viel schief gehen. Und davon kann man sich dann gleich beim ersten Song "Under Your Skin" ein Bild machen. Das groovt und rockt ordentlich und leitet über in das noch knackigere "Toe The Line". Hier wummern die Bässe ordentlich und der Rhythmus fährt ein. Trotz der intensiven Riffs bleibt aber Nathan Hunt bei seiner eher weichen, runden Art zu singen und verleiht jedem Song mit seiner Samtstimme einen besonderen Touch.

Rockigere Songs ist gut. Der Nachteil ist dann aber, dass man den Eindruck bekommt, die ersten Stücke auf den Album sind einander ähnlicher als früher. "Flatline" klingt gut, aber in ihrem Aufbau ist die Nummer recht ähnlich wie der Vorgänger und auch "Wishing Well" tendiert zu dieser Linie. "Pretty People" ein wenig anders, weil es für mich fast zu den Party Songs zählt mit seiner groovigen Stimmung und den Texten und Refrains, die zum Feiern und Mitsingen geeignet. 

Natürlich geht es auch anders bzw. wie früher. Die nächsten Stücke werden langsamer, nachdenklicher, ruhiger und bluesiger. "Rebelator" überbietet sich dann förmlich im Mix der gefühlvollen Songs, die mal ganz zart sind und akustisch oder mit Piano und dann wieder bluesig-soulig rau.

"Voices" zum Beispiel, das klingt wie ein Song von den vorher geannten Alben. Es ist langsamer, rau, mit reduzierten Riffs, dafür hat es mehr Blues und einen Chorus-Mitsing-Part. "Wildfire" geht ab wie zähflüssiger Honig und klebt sich in die Sinne. Etwas ganz besonderes ist "Lilith". Hier wird einiges geboten, angefangen bei rockigen Gitarren über bluesige Gitarren, Slide Gitarre bis hin zu groovigem Blues. Der Rhythmus wechselt von intensiv zu zart und es gibt einen Ausklang mit Piano. Sehr lässig gemacht. "Mama" ist im Gegensatz dazu ein fast akustischer und nur auf die Vocals reduzierter Song. Soft, zart, mit Piano und spanischem Gitarrensound leitet es die Südstaaten über.

Bei "Hurricane" findet man ihn dann wieder, den Südstaaten-Sound. Die Westerngitarre verleiht diesem Song den Texas Touch. Und weil ein Hurricane etwas Bösartiges ist, wird das auch in der Stimmung entsprechend mit düsteren Gitarren und dunkel wummerndem Bass umgesetzt.

Ziemlich morbid und wüst wird es bei "Bird Dog". Dass hier im Hintergrund alles den Bach runter geht, hört man am morbiden Sound. Der monotone Singsang, die Mundharmonika, die postapokalyptische Atmosphäre - da fehlt nur noch der Schamane, der um das Lagerfeuer tanzt, während rund um ihn die Welt in Schutt und Asche liegt. Der Song erzeugt eine eigenartige, gruselige Stimmung und das ist voll beabsichtigt, wie die Band sagt. "Da ist ein schwarzer Vogel, der auf einem schwarzen Hund sitzt, und sie planen deinen Untergang", ist dazu Hunts Kommentar. Es ist seine Sicht auf die Kleinstädte im Wilden Westen, in denen die Menschen durch Drogen zu Zombies werden. Tja. Irgendwie hat er nicht unrecht und die musikalische Umsetzung ist fast filmreif.

Fazit:
Mehrere Jahre Pause waren nicht schlecht. Erholung und Abstand und Corona wurden zu einer Art Neuausrichtung genutzt und das seit März junge Album zeugt von einer kleinen rockigen Rebellion der Band aus Missouri. Man darf gespannt sein, wie sie sich weiter entwickeln und was ihnen in Zukunft noch alles einfallen wird. 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (20.04.2022)

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