PANZERKREUZER - October

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VÖ: 04.03.2022
Bandinfo: PANZERKREUZER
Genre: Death Metal
Label: German Democratic Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Der PANZERKREUZER ist zurück auf den tosenden Gewässern der metallischen See, doch hält das Schlachtschiff auch den Kurs? Musikalisch auf jeden Fall. In personeller Hinsicht schien der Klabautermann seine Schutzbefohlenen jedoch immer wieder im Stich zu lassen. Nach der Jungfernfahrt ("Aurora", 2015) waren dreiviertel der Crew von Bord gegangen. Doch Captain Markus heuerte umgehend drei neue Besatzungsmitglieder an. Anschließend wurde gründlich das Deck geschrubbt, ehe man erneut auf Gefechtsstation ging und die Geschütze durchlud. Und nun feuert das sächsische Abrisskommando aus allen Rohren und ballert der Hörerschaft sieben durchschlagende, todesbleierne Geschosse direkt auf die Trommelfelle. Auch wenn die gesamte Crew (außer dem Chef) nach den Aufnahmen zu "October" erneut über die Planke ging (es wurde allerdings niemand kielgeholt, man trennte sich im Guten bei mehreren Fässern billigem Seemannsfusel), es gibt mittlerweile wieder ein komplettes Line-Up, bei dem der Kapitän zur See sich sicher ist, dass der Maat, der Steuermann und der Smutje länger als nur für die nächste Fahrt an Bord bleiben werden.

Bereits der Opener "Dreadnought" ist eine herrlich oldschool groovende Feuerwalze, die alles platt macht, was sich ihr in den Weg stellt. Die Instrumentalfraktion lässt nichts anbrennen, und dazu gesellen sich die abgrundtiefen, fies gurgelnden Growls von Frontmann Markus.

Dieses im Wechsel als Midtempostampfer und Uptempo-Galopper auf das Auditorium niederprasselnde Stahlgewitter zieht das Quartett aus Elbflorenz konsequent bis zum letzten Ton des als Albumcloser fungierenden, äußerst gelungenen CARNIVORE-Covers "World Wars II & IV" durch und hinterlässt damit eine breite Schneise verbrannter Erde, so dass der Schädel am Ende von "October" erst mal ordentlich raucht. Aber genau so soll rauer traditioneller Death Metal [Hi Markus, ich höre auf der gesamten Scheibe tatsächlich immer wieder auch die guten alten Bolzenwerfer heraus! Anm. d. Verf.] ja auch wirken.

In "ISU-152 (Beast Killer)" wird immer wieder kontrolliert aufs Gas getreten, und in "Immortal Victims" erinnert das Organ von Markus an manchen Stellen ein wenig an Martin van Drunen, weist aber (wie auf dem gesamten Album) meiner Meinung nach eine wesentlich größere Bandbreite und Variabilität auf, als das beim ASPHYX-Mikro-Malträtierer der Fall ist. "Death Before Disgrace" entpuppt sich als fies-finsterer Moloch, und die vorletzte Nummer, "Seven Days (To The River Rhine)", erweist sich mit seinem fetten Groove noch mal als absoluter Schädelspalter.

Die neue Scheibe überzeugt grundsätzlich in allen Belangen. Allerdings machte mich der Fakt, dass die Seeleute des Todes mit "The Battle Is Going On" einen (in Originalsprache vorgetragenen und im Booklet als "russisches Traditional" angegebenen) sowjetischen Patriotismus-Song aus dem Jahr 1974 in ein metallisches Gewand gekleidet haben, etwas stutzig. ACHTUNG – bitte auf keinen Fall falsch verstehen – das hat überhaupt nichts mit der aktuellen weltpolitischen Situation zu tun! Es stellte sich mir einfach nur die Frage, was die Band dazu bewegt hat, ein Lied, das von der Oktoberrevolution und Wladimir Iljitsch Lenin handelt, in ihr Repertoire aufzunehmen. Was lag also näher, sich mit der Band in Verbindung zu setzen und ein wenig nachzuhaken. Aus meiner Anfrage und einer ersten schriftlichen Antwort entwickelte sich unversehens ein spontanes Live-Interview in der angenehmen frühlingslauen Luft eines Dresdner Biergartens. Das Ergebnis dieser aufschlussreichen Plauderstunde lest Ihr hier bei Stormbringer. An dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an Markus für die unkomplizierte kurzfristige Terminfindung. Das Gespräch bestätigte meine Meinung über die Band. Nein, es handelt sich hier nicht um rote Fahnen schwenkende Bolschewismus-Verehrer, die (ausgerechnet) den Death Metal benutzen wollen, um die kommunistisch-leninistische Lehre in die Schädel der Headbanger-Gemeinde zu pflanzen. Mehr dazu, und zu vielen anderen spannenden Fragen, wie schon erwähnt, im kommenden Interview. 

 

Fazit:

Der PANZERKREUZER erweist sich auch auf seiner zweiten großen Fahrt als seetauglich und wetterfest. Die Crew hält den Kurs, und die Geschütze feuern ihre tonnenschweren, mit tödlichem Blei gefüllten Granaten und Torpedos treffsicher ins Ziel. Der Erfolg der Mission ist natürlich nicht zuletzt Werftmeister Patrick W. Engel zu verdanken, der "October" einen ungemein fetten, druckvollen Sound verpasst hat. Bleibt am Ende nur, den sächsischen Seeleuten auch für die Zukunft immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und ein paar volle Kästen Bier in der Kombüse zu wünschen. In diesem Sinne: Schiff ahoi!

 

Hier weiterlesen: Unser ausführliches Interview mit Markus von PANZERKREUZER



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (01.04.2022)

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