J.B.O. - Planet Pink

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VÖ: 15.04.2022
Bandinfo: J.B.O.
Genre: Heavy Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Was dabei rauskommt, wenn man eine Band wie J.B.O. mit einem pubertierenden Quatschkopf und Heißsporn zusammenbringt, konnte man vor rund zweieinhalb Dekaden am Beispiel des heranwachsenden Verfassers erfahren. Ein Glück, dass ein selbiger damals noch keinen Zugang zu Medien wie diesem hatte und das inflationäre Donnerwetter aus schlumpfozidaler Trunkdichtung und frivolen Bimber-Bumber-Dödel-Witzen auf die achte Klasse eines hier nicht namentlich genannten Lehrinstituts begrenzt wurde. Was ich damit sagen will, ist, dass die Erlanger Spaßmacher mich quasi von Kindesbeinen an begleiten und zu meinen bis dato am häufigsten besuchten Bands zählen.

Wer J.B.O. schon so lange kennt (oder wahlweise auch nur ein beliebiges Album der Rosa Armee Fraktion gehört hat), weiß, dass die United States Of Blöedsinn seit jeher ein inhomogener Staatenbund sind. Soweit ich mich zurückerinnere, gab es in jeder Legislaturperiode der immer fleißigen Fun Metaller stets Höhen und Tiefen. Auf der einen Seite die unsterblichen Gags, die trotz oder gerade wegen ihrer zotigen Art auch nach dem dreihundertfünfundsiebzig(tausend)sten Durchlauf noch zum Schmunzeln animieren. Und auf der anderen Seite leider auch immer wieder mehr oder weniger derbe Rohrkrepierer, die sich im Niveaulimbo mit der Deliriums-Elite am Ballermann und beim Karneval ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Und um es auf den Punkt zu bringen: nein, auch der nunmehr vierzehnte Vollzeitdreher "Planet Pink" bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme, wobei der stärkere Teil der Platte definitiv in der zweiten Halbzeit zu verorten ist. Daher sollte man sich nicht davon ins Bockshorn jagen lassen, wenn man den stumpfsinnigen 1999er Chartbesetzer "Blue (Da Ba Dee)" schon damals aufrichtig hasste und sich wie der Verfasser von der hier dargebotenen Coverversion "Planet Pink" dezent auf Distanz gehalten fühlt (zumal alleine das zugehörige Video einen rosafarbenen Oscar verdient hätte). Auch die mediokren, mäßig belustigenden Tracks "Rockmusik hat mich versaut", "Metal Was My First Love" und "Immer noch am Leben" sollten einen nicht davon abhalten, den rosa Planeten bis zum Ende drehen zu lassen.

Denn wie schon angedeutet hat auch "Planet Pink" seine Highlights. "Einhorn" bspw. ist zwar humoristisch platt wie eine Flunder auf Diät, lässt aber beim Abfeuern der Pointe herzhaft lachen. Und auf der B-Seite der auf Vinyl gebannten Musikalität warten noch ein paar wirklich gelungene Gags wie das kombinierte Klassik- und Flachwitz-Feuerwerk "Klassiker!", in dem die Erlanger irgendwo zwischen Schiller, Beethoven, Chuck Norris und OVERKILL gekonnt ihren "Bolle" eingespielt haben. Der verballhornte Kindersong "Mi-Ma-Metal" geizt nicht mit Szeneklischees und (un)erwarteten Wendungen im Einflussbereich der Mi-Ma-Metalmanagerin, was einfach von vorne bis hinten zum Kaputtlachen ist. Und zu guter Letzt nimmt der "Volks-Prog" die beiden vermählten Musikstile samt der Corona-Pandemie und der allseits beliebten Seitenbacher-Werbung unterhaltsam auf die Schippe. Getreu dem Motto: wenn einem die Suppe schon bis zum Hals steht, darf man nicht noch den Kopf hängen lassen (weitere Infos findet ihr auf Saitenquäler.de).

Für diesen kurzweiligen Stuss kommen J.B.O. und ihre Hörer alle in die Hölle, d.h. wenn sie irgendwann trotz Müsli gestorben sind. Das war's dann aber wert, denn wie sang einst der Erfinder des wahren Volks-Prog: ein bisschen Spaß muss sein! J.B.O.-Alben waren mit Ausnahme der Frühwerke und vielleicht noch des "Killeralbums" oft durchwachsen und auch "Planet Pink" ist keine durchgehende Hitparade. Doch auch, wenn man den vier Volksbelustigern gelegentlich Hofnarren-Aphrodisiaka gegen akuten Druckabfall im Gag-Schwellkörper verschreiben möchte, so feiert man sie doch für jeden zündenden Joke und solange sie diese noch hin und wieder abfeuern, habe ich kein schlechtes Gewissen, sie dafür mit einer entsprechenden Benotung zu honorieren.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (08.04.2022)

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