THE SPIRIT - Of Clarity And Galactic Structures

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VÖ: 01.04.2022
Bandinfo: THE SPIRIT
Genre: Black / Death Metal
Label: AOP Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Da waren's nur noch zwei: nachdem die aufstrebenden Saarbrücker THE SPIRIT ihr Debütalbum "Sounds From The Vortex" als Quartett und ihr Zweitwerk "Cosmic Terror" als Trio eingespielt hatten, erfolgte auf dem Weg zu Album Nummer drei eine weitere Schrumpfkur. So präsentiert die vielversprechende Band - nunmehr reduziert auf Saitenmeister und Stimme M.T. und Schlagwerker M.S. - ihren neuesten Streich "Of Clarity And Galactic Structures" als Duo. Wenn man diesbezüglich nun einen angemessen dümmlichen Joke von der Leine lassen wollte, würde man dem frisch gebackenen Zweigespann einen weiteren Aufstieg auf die nächsthöhere Trveness-Stufe attestieren...doch wer diese Burschen einmal live erlebt hat, weiß, dass THE SPIRIT mit nietenbewehrtem Gepose, kultischen Ritualen und sonstigem Trveness-Gewurschdel nicht viel am Hut haben.

Musik, die keine Stützräder braucht

Bei THE SPIRIT spricht die Musik für sich - oder anders ausgedrückt: THE SPIRIT brauchen keine visuelle Unterstützung, um ihren "Spirit" zu transportieren. Keine Stützräder und keinen kultgestützten Unterbau, der dem Gehörten seine finale Wirkung verleiht. In welche Kerbe die Band dabei schlägt und in wessen überdimensionalen Fußstapfen sie gemeinhin verortet werden, wurde bereits hinreichend in Reviews, Interviews und Livereports thematisiert und muss hier nicht im dritten Anlauf weiter plattgetreten werden. Dennoch sei einleitend erwähnt, dass auch "Of Clarity And Galactic Structures" hierbei keine Ausnahme bedeutet und den Pionieren seines Genres einmal mehr alle Ehre macht.

Der Grund dafür liegt nicht nur in dem unstreitbar dominanten Schweden-Flair, sondern auch besonders in dem beachtlichen Maß an Virtuosität. Die Kompositionen sind komplex und reich an Überraschungen, jede Note hat ihren Zweck und erzielt die gewünschte Wirkung, das Gesamtkonstrukt transportiert die zu den Lyrics passende Stimmung, der Hörer fühlt sich klein und unbedeutend. Hier spielt gerade das nicht zwingend neue, aber nischenmäßig in Erscheinung tretende Textkonzept der Band seinen besonderen Reiz aus.

Denn während sich andere Bands (und davon nicht wenige) inflationär unter des Rotbäuchigen Fittiche flüchten, betreiben die Saarbrücker mit ihrer nihilistischen Reflexion über die Unbedeutsamkeit des Menschen im kosmischen Kontext sozusagen galaktischen Eskapismus. Ein temporärer Ausweg aus dem erdrückenden Zeitgeschehen, das heute willkommener denn je ist und trotzdem näher an der Realität liegt als die kultische Verehrung übernatürlicher Entitäten, die nüchtern betrachtet genauso hirnrissiger Natur sind wie die durch sie angefeindeten Heiligkeiten der großen Weltreligionen.

Das musikalische Geleit zu besagtem Eskapismus ist wie schon angedeutet einmal mehr großes Kino, allen voran die trotz annähernd proggiger Sperrigkeit schnell zu Ohrwürmern avancierenden ersten Stücke "Of Clarity And Galactic Structures" und "The Climax Of Dejection". Überraschungen sind hierbei dünn gesät und finden sich allenfalls im Einsatz ungerader Taktarten (was dem gemeinen Kunstbanausen allerdings nicht offensiv ins Bewusstsein tritt) oder kleinskaligen Experimenten wie INQUISITIONeskem Riffing in "Repression" oder dem vergleichsweise ruhigen "Arcane Wanderer". Alleine der Rausschmeißer "Laniakea" wagt sich mit dem Einsatz von Synthesizern weit in die unendlichen Weiten der musikalischen Machbarkeiten hinaus und tanzt damit als einziger Song nennenswert aus der Reihe.

Wenig überraschend, aber kompromisslos in Wirkung und Güte

Zusammengefasst liefern THE SPIRIT demnach abermals ab und tun bis auf den kleinen, gelungenen Ausreißer am Ende der Platte das, wofür sie bekannt sind. Wie seit spätestens "Cosmic Terror" sind die Kompositionen auf einem Niveau, das viele ähnlich gepolte Mitstreiter nur schwerlich oder gar nie erreichen. Man darf also getrost unterstreichen, dass die Saarbrücker Sternwarte inzwischen zu den essentiellen Vertretern ihres Sektors gezählt werden darf. Sollte man hier noch eine Wissenslücke zu schließen haben, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (29.03.2022)

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