PAPA ROACH - Ego Trip

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VÖ: 08.04.2022
Bandinfo: PAPA ROACH
Genre: Nu Metal
Label: Warner Music
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

PAPA ROACH haben seit über zwanzig Jahren das (Luxus-)Problem, dem Erfolg ihres ersten Majorlabel-Albums "Infest" aus dem Jahr 2000 hinterherzulaufen, welches sich mit Hilfe des Nu-Metal-Smashers "Last Resort"  mehr als fünf Millionen Mal verkaufen konnte und bis heute ihr mit Abstand bestverkauftes Album darstellt. Die Nachfolgealben konnten verkaufstechnisch nie mehr an diesen Megaseller anknüpfen, künstlerisch jedoch kann man den Jungs keinen Vorwurf machen. Alben wie "Gettin Away With Murder" oder "The Paramour Sessions" standen "Infest" in Nichts nach - im Gegenteil.

In der Folgezeit ging es soundtechnisch zeitweise weg vom nicht mehr so ganze neuen NuMetal und die poppigen Einflüße nahmen etwas die Überhand. 

Mittlerweile sind wir mit "Ego Trip" bei Album Nummer elf angelangt und die Truppe marschiert stramm auf ihr 30-jähriges Jubiläum zu. Begonnen wurde mit den Arbeiten zum neuen Album mitten im Lockdown, der zudem für Sänger Jacoby Shaddix von einer depressiven Phase begleitet wurde. Zeit war also genug vorhanden, um ein gutes Album zusammenzurühren.

"Ego Trip" ist PAPA ROACH wieder in einer weit rockigeren Verfassung als auf den letzten Alben. Man geht quasi "back to the roots", den Rap-Einflüssen werden wieder heftigere Gitarren untergeschoben und über alledem verliert man auch das Gefühl für eingängige Melodie nicht.

"Kill The Noise" bricht los wie ein plötzliches Sommergewitter und man fühlt sich zurückgebeamt ins Jahr 2000. Der Song könnte wie die meisten anderen auch auf einem ihrer früheren Alben stehen. Der Refrain lässt einen schön abheben und macht Lust auf das, was noch so kommen mag.

                  

Der Refrain vom folgenden "Stand Up" geht einem bereits nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf - DER Hit des Albums, poppig aber dennoch druckvoll.

                  

"Swerve" kann man sich gut auf einer Spring-Break-Fete am Strand von Florida vorstellen, hier geht es vermehrt in Richtung LIMP BIZKIT oder auch frühere MORDRED. Als Gäste am Start sind hier FEVER 333 & SUECO (wer auch immer das sein soll - ist mir kein Begriff-Asche über mein Haupt).

                   

"Bloodline" und "Liar" setzen den Kurs kontinuierlich fort. Morderne Einflüsse, Rap-Sprechgesang und ein melodischer Refrain waren seit jeher die Trademarks der Truppe und diese werden hier zur Genüge abgeliefert.

Der Titelsong ist ein würdiger, ein MUSE-ähnlicher Basslauf ist hier zu erkennen, das Tempo wird steil angezogen und auch hier wieder ein Ohrenschmeichler im Refrain als Kontrast zu den hektischen Strophen. Sehr geil.

Kein Song fällt richtig ab, manche sind nur nicht ganz so zündend, zumindest nicht sofort. "Unglued" dürfte in diese Kategorie einzureihen sein, entpuppt sich aber beim öfteren Hören durchaus als Hymne.

"Dying To Believe" ist für PAPA ROACH beinahe eine Ballade, hat aber dennoch genug Schmackes für die Anti-Romantik-Fraktion. 

                 

Fast alle Lieder bewegen sich zwischen zweieinhalb und knapp vier Minuten, längere Stücke sind Fehlanzeige aber das ist hier genau richtig, man kommt ohne Umschweife zum Punkt.

Nach dem eher müderen "Killing Time" gibt es mit "Leave A Light On" dann doch eine richtige akustische Ballade, auf der Meister Shaddix beweist, dass er es auch gefühlvoll beherrscht. Könnte auch auf einer SHINEDOWN-CD zu finden sein

Das mainstreamige "Always Wandering"  sowie "No Apologies" setzen die etwas ruhigere Linie fort (Achtung Hits!) bevor in "Cut The Line" die Double-Bassdrums ausgepackt werden und wieder ordentlich aufs Gaspedal gedrückt wird.

"I Surrender" beendet das Album und der Reviewer gibt ebenfalls auf, nach einem schlechten Track auf "Ego Trip" zu suchen. Die Scheibe macht durch und durch Spass und verbindet Tradition mit dezenten moderneren Einflüssen.

PAPA ROACH updaten "Infest" mehr als zwei Dekaden später auf bestmöglichste Weise - der alte Nu Metal wirkt auch anno 2022 noch. Den direkten Vergleich mit ihren Kollegen von LIMP BIZKIT und deren letztem Album gewinnen sie jedenfalls haushoch. Well done, Jungs! Dicke vier Punkte mit Luft nach oben.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (08.04.2022)

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