MORBID ABOMINATION - Perceptional Decay

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VÖ: 06.05.2022
Bandinfo: MORBID ABOMINATION
Genre: Death Metal
Label: Grazil Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Es trug sich also zu wie folgt. Im Rahmen einer Listening-Session (nachzuhören HIER) trafen sich die drei Jungs von MORBID ABOMINATION (warum nur drei erkläre ich nachstehend) zum ersten Mal als Band im selben Raum. Diesen eher eigenartigen Umstand verdankt das Album, verdankt die Band, natürlich der allseits beliebten, weltumspannenden Seuche. Ben, Alleingründer der Band, die zum Zeitpunkt der Evokation nur aus ihm bestand, hatte die Idee zu diesem Projekt bereits 2016. Ab damals entstanden erste Ideen und Riffs. Jetzt kennen sich aber Ben, Martin und Albert schon viel länger, sind sich doch die Jungs bereits vor über 20 Jahren persönlich und musikalisch über den Weg gerannt. Die jetzigen MORBID ABOMINATION haben sich dann aber musikalisch in verschiedene Richtungen bewegt, traf sich zwar immer wieder auf diversen Konzerten ("moch ma amal was!"), es dauerte aber bis 2021 im Mai/Juni als Ben die beiden anderen kontaktierte, ob sie denn nicht bei diesem Projekt mitmachen möchten. 

Ben entwickelte also das, was "Perception Decay" geworden ist. Jetzt war aber kein Schlagzeuger zu finden und Ben programmierte die Drums selber, was, laut eigener Aussage aber soundtechnisch eher suboptimal war. Gesucht und gefunden wurden dann Florian Plochel, der das Schlagzeug klanglich bearbeitete und, wie ich sagen darf, einen erstklassigen Job machte. Schlagzeuger mögen der Tatsache, dass es sich hier um keine "echten" Drums handelt, gewahr sein, geht man aber etwas entspannter an das Album heran, dann passt das einfach.

Wie klingt "Perceptional Decay"? Ich muss gestehen, ich hatte anfangs meine Probleme mit dem Album. Es hörte sich etwas zerrissen an, eine Gemengelage an Riffs und Vocals. Aber, ein großes ABER, mit der Zeit wächst das Debüt mit jedem Durchlauf. Als Erstes fällt der Gesamtsound auf. Brutal, man hört immer wieder CANNIBAL CORPSE und Stockholmer Gitarrenläufe ("Absurd Existence") heraus. Darüber thront der Gesang von Martin, einem der wohl besten Death Metal Sänger überhaupt. Nein, ich sage das nicht nur, weil ich den Herren seit Langem persönlich kenne, es ist einfach so. In tiefsten Gruften röchelt sich Martin durch die von Ben verfassten Lyrics und mich nimmt immer wieder wunder, wie er das seit Jahrzehnten ohne Abnützungserscheinungen schafft.

Die Songs entwickeln sich, wie schon gesagt, bei wiederholtem Durchhören. Das liegt auch daran, dass beinahe jedes Lied einen fast schon catchy Refrain hat. Das macht es mit der Zeit zu einem Vergnügen, sich durch "Perceptional Decay" durchzuarbeiten. "Disembodiment" ist schon so ein Hitsong der das in angenehmer Dreiviertelstunde vorliegende Album eröffnet und gleich zeigt, wie man moderne Death Metal-Songs schreibt, die nicht notwendigerweise plastikartig klingen. Abwechslung, die man sich erarbeitet, ist all over the place, wie der Angelsachse so schön sagt. Geblastete Parts ebnen den Weg für die sehr oft vorkommenden Grooveparts die in schöne Breakdowns münden. Jeder Song ist ein kleines Sounduniversum, welches den Hörer/die Hörerin mitnimmt auf eine Reise. Dazu passen auch die klugen Texte von Ben, die Themen wie psychische Erkrankungen (das sogenannte Cotard-Syndrom), Nihilismus, die garstige Massentierhaltung oder auch den Tod behandeln. Für Martin war es laut eigener Aussage spannend, die Texte eines anderen Musikers zu singen und nicht, wie sonst, eigene Lyrik darzubieten. 

Die Lieder sind alle um die vier Minuten lang, für mich eine ideale Länge. Nicht wegen meiner Aufmerksamkeitsdefizit-Störung, sondern einfach, weil es dadurch echte Songs gibt. Wie schon erwähnt hat jeder Song einen Chorus, an dem man sich sofort anhängen kann, spannende Riffs und den von CANNIBAL CORPSE inspirierten Bass. Dazu der arge Gitarrensound und schon hat man ein großartiges Death Metal Album. Schön auch, dass man sich sehr oft im Midtempo wiederfindet, dadurch erreicht man einen veritablen Fist-Raiser-Faktor, der MORBID ABOMINATIONs Erstling nach der schon erwähnten Eingewöhnungsphase zu einem Hitalbum macht. Erste Highlights für den angehenden Fan sind der Opener "Disembodiment", "Vanitas" und Contempt welches das Attribut "Schub!" grandios abbildet. 

Für ein Album, welches dezentral erschaffen wurde, ist "Perceptional Decay" ein absoluter Kracher geworden. Da gibt es Bands, die das in 20 Jahren Proberaum nicht schaffen, was die Weststeirer hier quasi im Homeoffice erreicht haben. 

Das Album kann direkt über Bandcamp bezogen werden oder aber auch über das Label Grazil Records.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (09.05.2022)

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