VIDRES A LA SANG - Fragments de l'esdevenir

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VÖ: 01.07.2022
Bandinfo: VIDRES A LA SANG
Genre: Progressive Death Metal
Label: Abstract Emotions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Hombres, hier ist die erste Rezension einer Band, die auf der iberischen Halbinsel beheimatet ist, mein Katalonien, genauer Terrassa. VIDRES A LA SANG schicken pünktlich zum Schulschluss ihre fünfte Langrille auf eine Reise: "Fragments de l´esdevenir". Der Bandname beziehe sich auf die Poesie des katalanischen Schriftstellers Miquel Martí i Pol, der 2003 das Zeitliche segnete. So nebenbei, inflationär erwähnt, steht die Degeneration der modernen Gesellschaft im Mittelpunkt. Der Vollständigkeit halber: Die Band legte eine Schaffenspause von nahezu einem Jahrzehnt ein.
 
Mort de Paraula“ verfügt über das längste Intro, das ich seit langem gehört habe. Es muss nicht immer komplex sein, denn der Duktus baut sich technisch zwar zurückhaltend auf, trotzdem versprüht der Song sein Flair. Gut, das Gitarren-Solo muss ich kritisieren, schlicht ist es ausgefallen, aber meiner Meinung nicht knackig genug. Ein paar artificial-harmonic-Töne hier, kurze schnelle Läufe, à la Steve Vai und Co. dort, hätte den Spannungsbogen etwas gestrafft, meine Vermutung ist aber, dass das gar nicht das Ziel der Band war, sondern kristalliner Sound aus den Minen der spanischen Metallgewinnung muss unter Schweiß, Blut und Tränen aus dem Berg gehauen werden. Das war so, ist so, und wird verflucht noch mal bis in alle Ewigkeit so sein. Amen.

Salveu-me els Ulls“: Ajaijai, wie viele Töne wurden die Instrumente hier eigentlich nach unten gestimmt? Das Problem dabei ist, dass der Sound hierbei wenig differenziert in den Äther strömt, als würde er aus einem der Verliese der spanischen Inquisition dringen. Dazu würde der Titel, wobei jemand Rettung des Augenlichts erfleht, gut passen. Wer rettet eigentlich meine Gehörgänge vor diesen Lauten aus der Folterkammer?  

Ventres de Llum“: Bräuche des Lichts. Okidoki. 3:48 ohne bleibenden Eindruck.

 „Fins Aquí“: Auf Martin Martinez – der Bassist – sei verwiesen, weiter unten mehr. Ich denke, diese kristalline Ausformung des Sounds war Absicht. Selbst das Solo mutet wieder an, als würde eine Spitzhacke auf erzreiches Gestein geschlagen werden, wobei metallisch klirrende Schallwellen emittieren. Leider wurde diese Band unter Progressive Death Metal kategorisiert und es erschließt sich mir nicht, wo der progressive Anteil zu finden ist.

Ara és Demà“: Hm, ich finde nicht, dass es hier musikalisch dämmert. Das Hauptriff ist von einer Schlichtheit, das viel zu wünschen übriglässt. Womöglich ist der Sound zu retten, wenn man Bezüge zu KYUSS herstellen wollte.

Fazit: Es überrascht mich sehr, dass Martin Mendez, seines Zeichens Opeth-Bassist, hier in die Saiten griff, denn die polyrhythmische Verspieltheit eines OPETH-Albums hat mit VIDRES A LA SANG wenig gemein. Der Sound wirkt gedrungen, kristallin, wenig amorph, wie eine alte, verborgene Burg in den spanischen Anden, auf der sich exkommunizierte Glaubensanhänger verbargen. Ich glaube, die Zielgruppe bzw. Richtung dieser Band ist eine gerichtete, bestimmte. Leider ist die Ausrichtung so weit weg von einem mir Glück bescherenden Soundempfinden, dass es schwierig bleibt, hier ein objektives Urteil abzugeben. Abschließend sei positiv angemerkt, der katalanische Gesang bzw. das Timbre des Sängers ergeben mit der Musik eine Wuchtigkeit, eine Einheit, die unumstößlich thront. Gut, spanisch ist, wie eh fast alle Sprachen des Kontinents eine flektierende, klingt für mein Ohr jedoch hart gleichzeitig rhythmisch eher Staccato anmutend und bildet dadurch den Gegensatz zur Sprache des nördlichen Nachbarlandes. Der Opener ist eine gelungene Pforte für potenzielle Einsteiger. Wie beim letzten rezensierten Album geht es dann tief nach unten, was aber nicht heißt, dass hier nicht Erleuchtung warten würde.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (24.06.2022)

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