TYRANNOS - Spears Of The Aten

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VÖ: 21.06.2022
Bandinfo: TYRANNOS
Genre: Progressive Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Zur Einstimmung ein Zitat aus dem Pressetext, weil es gar so schön ist und an den Roman „Der Schatten des Windes“ des leider zu früh verstorbenen Autors Carlos Ruiz Zafón erinnert.

My youth was lost in the dust and shadows of the Foundation’s labyrinthine libraries. A thousand times a thousand ancient pages turned as candles guttered down to nothing.“

TYRANNOS stammen aus dem Vereinigten Königreich, London, deren Museen (wie etwa die Museen Wiens, *diverse Stadt einsetzen) reich an Schätzen vielfältiger Kulturen und Epochen sind, zynisch betrachtet, die positiven Seiten des Kolonialismus bzw. der Enteignung. Es hat sechs Jahre seit der Bandgründung gedauert, bis die erste LP auf den freien Markt losgelassen wird: „Spears Of The Aten.“

Gut, warum sollte nicht auf Old-School-Death-Metal gesetzt werden, wenn bereits Liedtitel diesen Rahmen gebührend abstecken: „Beneath The Pharaonic Necropolis“. Songtechnisch ist hier wenig auszusetzen, dafür ist aber die Abmischung für meinen Geschmack nicht ideal. Etwa das Schlagzeug nimmt nicht den Raum ein, den es einnehmen sollte, und der Gesang klingt zu wenig druckvoll, was aber, wie ich vermute, zum Teil an der Röhre des Sängers liegt. Ansonsten brav die Hausaufgaben angehender Stars des Schwermetalls erledigt, weiter so. Ein kleiner Kritikpunkt sei erlaubt: Outro und Intro hätten für meinen Geschmack etwas Differenzierter ausfallen können.

Cycle OF Idols“:  Beim Intro hielt sich dich Band streng an Schema F, siehe vorangegangenes Lied. Die Power-Chords im zweiten Teil des Intros hätte ich so nicht gesetzt. Das Ganze wirkt ein wenig abgeschmackt. Ein verwegenes Instrument, Querfalte, Cello, Oboe, was weiß ich, hätten für den notwendigen Aha-Effekt gesorgt. So rauscht das Lied, das an sich nicht schlechtgemacht ist, durch. Okay, der verwegene Klargesang, verfügt über ein bemerkenswertes Timbre, mitsamt den Riffs und dem dichten Schlagzeugspiel ist das gelungen.

The Tyrant´s Bame“: Heureka, Streicher determinieren das zweigeteilte Intro, der zweite Teil mit dem etwas couragierterem Riffing als die beiden Vorgänger passt ebenfalls. Strophe samt Gesang gehen in Ordnung. Weil die Band sehr auf Death Metal der Altvorderen setzt, beinhaltet der Duktus eine gewisse Vorhersehbarkeit. Welcher Band ist dieses Riff zuzuordnen, welcher diese Hookline?  Unwidersprochen wirkt bei diesem Lied der Gesang etwas satter. 5:28 Minuten und guad is.  

Sun Disc Cataklysm“: Dieses Intro wurde so oder so ähnlich des Öfteren gehört. Leider gilt für das Power-Chord-Geschrumple ähnliches. Ah, jetzt kommt mir in den Sinn, woran mich der Gesang erinnert: An die alten Sepultura-Scheiben. Bridge so lala. Den Klargesang mit diesem eigenen Timbre finde ich wieder sehr leiwand (für deutsche Leser*innen: schnieke). Leider werden die gewonnenen Punkte mit einem nichtssagenden Solo wieder abgezogen. 50 Punkte +/-  gehen an Slytherin, das bevorzugte Haus gestandener Todesmetaller*innen.

Fazit: Grundsätzlich geht die EP in Ordnung. Die Band nimmt Bezug auf Mythologisches bis Historisches. Die musikalische Umsetzung beruft sich ebenfalls auf das Gewese. Mit der Klassifizierung Progressive Death Metal wäre ich einverstanden, wenn das erste Wort wegelassen worden wäre. Sollte alsbald eine Langrille aus dem Sande der Zeit kristallisiert werden, mein bescheidener Rat an die Band, mehr Feinschliff bzw. bandeigenes Profil, muss ja kein monokristallines Silizum ohne Fehlstellen sein. Guter Durchschnitt ist der kleine Bruder von Scheiße, meinte Jeff Hanneman und wer, wenn nicht er, sollte es wissen?



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (20.06.2022)

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