DAWN OF DESTINY - Of Silence

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VÖ: 24.06.2022
Bandinfo: Dawn Of Destiny
Genre: Power Metal
Label: El Puerto Records
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Lineup  |  Trackliste

DAWN OF DESTINY gehören sicherlich zu den Bands, die immer noch in einer Nische unterwegs sind, aber dennoch von Album zu Album unglaublich viel Kreativität einstreuen und sich dadurch abheben vom Einheitsbrei. Drei Jahre nach "The Beast Inside", das insgesamt etwas weniger zugänglich wirkte und auch von Songwriter Jens Faber durchaus als eines der schwächeren Alben der Bandhistorie betrachtet wird, erwartet uns nun mit "Of Silence" ein neuer Streich. Streich ist hier auch ein gutes Stichwort, denn zum ersten Mal kommen die Streicher nicht aus der Dose, sondern mit Laura Wessel und Gerd Fischer hat man jaweils Violine als auch Cello mit an Bord, um einen möglichst authentischen Sound zu kreieren. Auch das zeitlose Artwork unterstreicht diesen Punkt sehr treffend und weiß beim Anblick schon eine gewisse Atmosphäre zu erzeugen.

Das Werk startet gleich Mal mit einem achtminütigen Longtrack, was ich durchaus mutig finde, nachdem das letzte Werk als etwas zu "sperrig" wahrgenommen wurde. Die Streicher, die zu Beginn den Song einleiten transportieren relativ schnell eine dichte Atmosphäre und verschmelzen förmlich mit Jeanettes Stimme, die von Album zu Album an Reife dazu gewinnt und brilliant klingt. Allgemein haben DAWN OF DESTINY allein in diesem Song so viele neue Aspekte hinzugefügt. Alles wirkt versierter und auf den Punkt genau eingestreut. Nach dem ruhigen Beginn gewinnt der Song an Druck und das  Zusammenspiel zwischen Jens und Jeanette ist einmal mehr ergreifend. Ich würde auch behaupten, dass man den Härtegrad insgesamt etwas hochgeschraubt hat, was dem Konstrukt aber sehr gut tut. Die Hook ist wie gewohnt sehr episch angehaucht, wirkt dabei trotzdem eher subtil für DoD Verhältnisse. Dennoch sind es so viele kleine Elemente, die diesen Song so grandios machen. Seien es die Piano-Parts die für Gänsehaut sorgen oder die wunderschönen Streicher, die das Main Theme des Songs instrumental immer wieder aufgreifen. Für mich auch als Opener ein absoluter Wohlgenuss, der "The Beast Inside" schon in den Schatten stellt. "Judas In Me" packt sogar noch eine Schippe drauf in Sachen Härtegrad und zeigt uns einen sehr dominanten Bass, der mit knackigem Riffing der Lead-Gitarre von Veith Offenbächer aufgewertet wird. Jeanette klingt für ihre Verhältnisse fast schon aggressiv in den Strophen und in der Hook mischt einmal mehr Mastermind Jens Faber mit, der sich stets perfekt zu ergänzen weiß mit der hochtalentierten Sängerin. Ein kurzweiliger Song, der in die entgegengesetzte Richtung vom progressiven Opener läuft. "Childhood" mit Chris Harms von LORD OF THE LOST lässt eigentlich nur eine Beschreibung zu: Wunderschön. Absolute Gänsehaut bei den Vocals und den Harmonien, die hier zusammenkommen. Jeanettes Gesang kreiert eine wirklich emotionale Atmosphäre im Hintergrund. Für diesen Track habe ich nur Liebe übrig, wirklich toll und groß inszeniert.

"Say My Name" schlägt dann in die Oldschool Kerbe und serviert einen klassichen Uptempo Refrain mit Ohrwurmfaktor, während "White Mystery" mit seiner stampfenden Herangehensweise was völlig neues versucht. Der Gesang von Jens zeigt sich sehr experimentierfreudig und in der Form habe ich ihn ehrlich gesagt noch nie zu hören bekommen. Der plötzliche Tempowechsel, der aus heiterem Himmel in die Hook führt, kommt sehr unerwartet und kreiert dennoch eine tolle Dynamik in Relation zu den gediegenen Strophen. Allerdings weicht der Song seine Strukturen sowieso auf und streut extrem viele spannende Parts ein, die kompositorisch meisterhaft umgesetzt werden. Mein persönlicher Liebling begegnet uns mit "Burning Heart". Die seichten Streicher, die düsteren Vocals von Jens, der simple aber umso effektivere Refrain... Alles wirkt hier für mich ergreifend und weiß mich zu Tränen zu rühren. Wie viele Details sich allgemein in den Songs befinden, sucht in der Diskografie der sympathischen Ruhrpottler seinesgleichen. Allein diese mehrstimmigen Vocals, die den Refrain begleiten, erzeugen eine total einzigartige Atmosphäre. Für mich persönlich einer der besten Songs, die Jens je geschrieben hat. Hervorheben möchte ich zu guter letzt noch den Rausschmeißer "This Is Our Legacy", der erneut eine durchaus progressive Herangehensweise bevorzugt. Die aggressiven Strophen werden immer wieder durch kleine Instrumental-Intermezzos aufgeweicht und die Hook besticht dann wieder durch eine gediegene aber wunderschön inszenierte Epik. Mir gefällt, wie DAWN OF DESTINY auf diesem Album Härte und Sanftmut kombinieren und so ein wirklich einzigartiges Erlebnis  schaffen.

"Of Silence" ist ein gigantischer Schritt nach vorn nach dem durchwachsenen "The Beast Inside" und reiht sich unter den besten Alben der Bandgeschichte ein. Was hier im Detail passiert, sucht seinesgleichen und wirkt aufwendiger dennje. Ich werde nicht müde, euch Musikliebhaber dazu aufzufordern, diese Band in die Welt hinauszutragen. Auch nach so vielen Jahren wissen immer noch VIEL zu wenige Menschen von der Existenz dieser brillianten Kombo. Chapeau DAWN OF DESTINY, "Of Silence" ist mal wieder ein absoluter Geniestreich!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (04.07.2022)

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