CONTEMPLATOR - Morphose

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VÖ: 29.07.2022
Bandinfo: CONTEMPLATOR
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Einmal mehr Kanada, diesmal soll es also Quebec sein, wo CONTEMPLATOR ihr zweites Album auf eine Reise schicken. „Morphose“ ist bereit in See zu stechen. Wie es für weitläufigen Schiffsverkehr üblich ist, wird hier keine einfache Kost serviert, die einfach zu verdauen ist: Fusion-Elemente samt ungerader Takte, instrumentale Ausformungen, Changieren zwischen Musik-Stilen. Christian Pacaud, der für die Kompositionen verantwortlich ist, begründet sein Faible für Fusion mit der Passion seines Vaters für Bands wie King Crimson, Genesis und weiterer üblicher Verdächtiger.

Rite of Shards“ startet verwegen. Das Lied ist zweigeteilt. Ein Klavier, das brüchige Akkorde spielt, um die sich Streicher scharen. Das ist gut gemacht, denn Hörer*innen sind dazu angehalten, genau zuzuhören. Was passiert hier eigentlich? Nach dreieinhalb Minuten eine Wendung, die nicht weniger verwegen ausgefallen ist. Wir befinden uns astrein im Prog-Bereich, wobei jeweils Bass, Keyboard und Gitarren in den Vordergrund rücken. Auf den Gesang, der das Ende determiniert, wartet man bis zu Minute 7:38. Grandioser Einstieg.

Vestigal“, driftet Richtung Fusion ab. Weil wir uns weiterhin auf instrumentalen Pfaden befinden, muss die fehlende Gesangsstimme sozusagen instrumental ersetzt werden, sonst würde es langeilig. Das interessante daran ist, dass es nie langweilig wird. Diese Platte kann sowohl konzentriert mit High-End-Kopfhörern genossen werden als auch bei offenem Autofenster, den linken Ellbogen rausgelehnt, mitgesummt werden.

„Ephermeron“ changiert wiederum zwischen Prog-Rock und Prog-Metal.

„Ashes Allowed“: Beginnt mit Prog-Metal der Kategorie "hartes, prägnantes Riff" und driftet, unterstützt durch Streicher, Richtung Fusion ab. Der Vollständigkeit halber muss angemerkt werden, dass Djent nicht unbedingt eine Kategorie ist, die auf dieser LP zu finden ist, der Bass indessen spielt eine immanent wichtige Rolle.

Zero Mask“: Moderner Fusion galore, der unaufhörlich zwischen Statik und Dynamik wechselt.  

Hollowing The Flame“: Beginnt haarscharf mit einem Death-Metal-Intro. Der Bruch erfolgt selbstverständlich alsbald. Teilweise klingen die Riffs disharmonisch, und das gibt dem Lied einen guten Spin. Der Band muss abermals ein Lob ausgesprochen werden. Hinter jedem Takt könnte sich eine neue Wendung ergeben, was anstrengend sein mag, nicht aber bei CONTEMPLATOR. Der Spannungsbogen ist über das gesamte Lied ein konsequent Sinnbringender.

The Catch“ hätte ein wenig spektakulärer ausfallen dürfen, was die Gitarrenarbeit betrifft, nicht jedoch was die vertrackten Takte angeht. Insgesamt geht das in Ordnung.

Idol Obedience“: Beim letzten Lied sei angemerkt, dass der/die Tontechniker/in ganze Arbeit geleistet hat. Der Sound wirkt aufgeräumt, jedes Instrument kann sich gut entfalten. Ja, es ist ein instrumentales Album. Das Lied selbst offenbart wiederum sehr interessanten Fusion, wobei stets die Dosierung stimmt.

Fazit: Es versteht sich fast von selbst, wenn ein instrumentales Album in den Äther geschossen wird, dass dieses gut ausgearbeitet ist. Hier passt jeder Ton, jeder Schlag. Die Lieder sind von einnehmender Grazilität und reich an Abwechslung, so dass ich an keiner Stelle der Platte dachte, jetzt könnte die nächste Wendung genommen werden. Im Einklang mit ODDLAND die beste Platte, die ich dieses Jahr rezensieren durfte. Es stellt sich wiederum die Frage, welche Adressierung diese Band anstrebt. Abseits von passionierten Musiker*innen des Rock-Metal-Fusion-Bereichs denke ich, dass die Hörerschaft eine begrenzte sein dürfte. An sich ist das ein Pluspunkt, denn CONTEMPLATOR wollen es nicht jedem recht machen. Womöglich hätte die musikalische Meisterschaft etwas spektakulärer dargeboten werden können. Anderseits denke ich, die Band weiß selbst am besten einzuschätzen, wann es um Musik in Reinkultur geht, und wann artistische Zirkuseinlagen gefragt sind.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (28.07.2022)

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