LEVIATHAN - Mischief of Malcontent

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VÖ: 12.08.2022
Bandinfo: LEVIATHAN
Genre: Progressive Power Metal
Label: Eigenproduktion
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Diese Jungs aus den Vereinigten Staaten, Colorado, gönnen einander 2022 zum zehnten Mal ein Tänzchen mit einem der biblischen Ungeheuer aus den tiefsten Tiefen des Ozeans. LEVIATHAN offenbaren zum 30-jährigen Band-Jubiläum „Mischief Of Malcontent“. Wo wir gerade bei biblischen Monstern der Klasse, groß, gefährlich und grindig sind: Was bei BEHEMOTH schiefläuft, müsste mir mal jemand erklären. Die jüngsten Videos reichen von dämlich bis komplett gaga. Soll das eine Ironisierung des eigenen Genres sein, oder habe ich hier die künstlerische Leistung der polnischen Ungustln, die ganz groß Okkultismus gepaart mit Satanismus auf ihre Banner schreiben, einfach nicht verstanden? Um den Kreis zu LEVIATHAN zu schließen, fünf Lieder der nordamerikanischen Ideenschmiede reichen, um ein Pentagram zu zeichnen.

Es sei angemerkt, das Album enthält als Draufgabe ein altes Solo-Album von John Lutzlow: „Stanza Tripoli“. Um es einfach zu halten, werden wir beim neuen Material bleiben. So nebenbei: Biblische Plagen und Monströses sind en vogue, so existiert selbst in Deutschland eine Band mit synonymem Bandnamen bezüglich in dieser Review rezensierten Combo.

Unfriedly to Humans“ startet mit einem Zitat nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ bezogen auf die menschliche Existenz an sich. Diese Redewendung entstammt der griechischen Mythologie. Wüste Plagen der Pandora in Form einer versiegelten Schatulle zu reichen, war nicht gerade gentlemenlike von Zeus. Das Lied selbst fühlt sich an, als wäre es aus der Zeit gefallen. Sehr eingängige, melodiöse Riffs und Hooklines wie aus dem letzten Jahrtausend, es klingt jedoch nicht abgeschmackt und das Gesangsorgan des Interpreten ist sehr gut auf diesen Sound vorbereitet. Das Gitarrensolo geht so nur bedingt durch. Zu einfallslos, wobei der zweite Teil ab Minute 3:33 entwickelt sich mehr zu einem Interludium als zu einem Solo, in das alle Instrumente einstimmen, okay, gerettet.   

Dark Side Down“ rauscht eher durch. Das Interessanteste daran ist das Outro, in das ein Zitat eingeflochten wurde: „Everybody have an opinion, and everybody is unbending on that opinion, i think, what we see, is the facism of abolute freedom.“  Lassen wir das mal sacken.

Rorschach Test“ kommt mit dem lustigsten Song-Titel um die Ecke, den ich seit Langem gelesen habe. Erinnere by the Way dezent an die entrückten TYPE O NEGTIVE mit dem klingenden Titel: "Gravitational Constant: G = 6.67 × 10−8 cm−3 gm−1 sec−2", okidoky, Mr. Steele, your turn, ähm, not. Eine Low-Tempo-Nummer mit leiwandem Intro, prägnantem Gesang und eingängigen Riffs in 8:28 Minuten.  Das Interludium ab etwa Minute 2:50 passt hier ebenfalls in den Spannungsbogen. Für das zweite Interludium gilt ähnliches. Das Tempo bzw. der Takt hätten gleichermaßen mal variiert werden können, dafür überrascht das Outro mit an arabische Pentatonik erinnerndes Oeuvre. Selbstverständlich wird abermals ein Zitat eingeflochten: „There are a lot of groups, that wanna control your language, tell you, what you can say and what you cant`t say. The goverment whats to…“. Jap, werte Leser*innen, Sie wissen, wie meinen.

Semblance Of Self“: Ich kann nicht verhehlen, dass ich dieses Old-School-Riffing, Legato-Spiel, samt melodiöser Passagen a la MAIDEN nicht mögen wollte, insgesamt ein gutes Lied, nur reicht es jetzt langsam mit den eingestreuten Zitaten, wir haben es verstanden, großer Bruder.

The World Is Watching“: Hui, 13:13 Minuten, hätte Mischief Of Malcontent“ ein wahrhaftiges Prog-Album werden sollen? Wieder eine Low-Tempo-Nummer, wobei mich teilweise das schleppende Laid-Back-Spiel ein wenig stört. Klingt, als würde man einen störrischen Esel an einem Seil zum Mitlaufen bewegen wollen. Hab das eingestreute Zitat fast schon vermisst. Hm, 13:13 Minuten sind hier definitiv zu lange, vor allem, weil hier, ich wiederhole mich, weder Taktsorte, noch Tempo variiert.

Fazit: Kleiner Tipp an die altgedienten Herren von LEVIATHAN: Wenn mir eine Geschichte erzählt werden soll, ich meine das im wahrsten Sinne des Wortes, wäre womöglich ein Album, a la „An American Prayer“ besser dazu in der Lage, mir diese näher zu bringen. An sich ist das Album nicht schlecht, meiner Meinung hätte jedoch, wir befinden uns im Jahre des Herren 2022, ein wenig der Fokus daraufgelegt werden können, mit der Zeit zu gehen. Das Prädikat „besonders innovativ“ wird hier nicht vergeben, aber das war bestimmt nicht das Ansinnen der Band.





 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (05.08.2022)

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