AMON AMARTH - The Great Heathen Army

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VÖ: 05.08.2022
Bandinfo: AMON AMARTH
Genre: Melodic Death Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Nach drei Jahren (zuletzt gaben Johan Hegg und seine Mannen 2019 die „Berserker“) ist es doch an der Zeit für ein neues AMON AMARTH Album, oder? Wie bestellt, so geliefert, schippert das Wikinger-Schlachtschiff auch schon mit „The Great Heathen Army“ um die Ecke. Sieht man einmal über das etwas zweifelhafte Coverartwork mit der mit rudimentären Photoshop-Kenntnissen in die Szenerie gepackte Band hinweg, bekommt man beim neuen Vollrund der Schweden gewohnte Qualität geliefert. Natürlich wird es als das „bisher beste“ der Band angepriesen, was man schon grundsätzlich bezweifeln darf, doch im Verlaufe der wieder auf knackige neun Songs zusammengestutzten Trackliste, stellt sich dann doch das ein oder andere Frohlocken ein.

Zwar geht der bereits vorab rausgehauene Opener „Get In The Ring“ mit der typischen Melodik auf Nummer sicher, dafür ließen sich aber schon im zweiten veröffentlichten (und ebenso in dieser Reihenfolge auf dem Album stehenden) Song ein paar frische Nu-Metallische Anklänge finden. Natürlich werden AMON AMARTH immer wieder auf ihre Trademarks aus Wikinger-Themen und melodisch dahinrollende Riffs reduziert (werden), wie sie sie auch in Songs wie (exemplarisch) „Skagul Rides With Me“ ausgiebig zelebrieren, auch beileibe nicht zu Unrecht. Dabei wurden die Schweden auch im Vergleich zu den ruppigeren Anfangstagen (hier nähert sich das kernige „Oden Owns You All“ am stärksten dieser Bandepoche an) zunehmend melodieorientierter, was ihnen eine äußerst breite Hörerschicht erschloss.

Derzeit ist es ja in Mode, wahlweise auf den Bands, die musikalisch zu neuen Ufern aufbrechen herumzuhacken („Sakrileg, wie können sie sich nur verändern!“), oder auf jene die ihre Trademarks pfleglich behandeln und polieren Giftpfeile zu verschießen („Mimimi, die verändern sich ja nicht!“). Recht machen kann man es eh keinem. Das haben AMON AMARTH deswegen auch nicht vor und holzen und grooven sich frei Schnauze und mit sichtlicher Wonne durch ihren ureigenen musikalischen Horst, mal kantiger, mal rockiger (wer findet auch eine Prise ACCEPT in den Strophen bei „Find A Way Or Make One“?). Die Einstellung niemandem etwas schuldig zu sein gipfelt im mitgrölverdächtigen „Heidrun“ „Who's the goat?!“, in dem die Schweden sich und ihr quasi selbsterschaffenes Genre direkt selbst ein wenig auf die Schaufel nehmen und zwischendurch beinhart die besungene Goat personifiziert in den Track blöken lassen. Danke dafür!

Wie schon auf den vorherigen Alben, haben sich AMON AMARTH auch wieder einen Gast am Mikro eingeladen – in diesem Falle Biff Byford von den allmighty SAXON, dessen Beitrag im epischen „Saxons and Vikings“ einfach wie die Faust aufs Auge passt. In gewissem Sinne Klischee pur, aber genau deswegen auch so schön!

„The Great Heathen Army“ ist einmal mehr Dienst am Fan, bietet aber im Vergleich zum direkten Vorgänger „Berserker“ mehr Abwechslung und eine unterm Strich viel lockerere Atmosphäre. AMON AMARTH scheinen hier wirklich einfach drauflos zu spielen, ohne Rücksicht auf Konzepte oder Erwartungshaltungen von Fans oder Nörglern. Man muss nicht immer die Arschbacken zusammenkneifen um zu gefallen, manchmal reichts, die musikalischen Winde einfach so rauszulassen. Auch wenn es (natürlich) nicht das allerallerbeste und überhaupteste Album der Bandgeschichte ist, „The Great Heathen Army“ wirkt rund und besitzt genau diesen Charme und die Spielfreude, die man auf dem gutklassigen, aber irgendwie bemühten Vorgänger vermisst hatte. Vielleicht ist es eine gute Strategie, nach zwei Jahren Pandemie nicht mehr alles zu Ernst zu nehmen, und das Leben, respektive die Musik, einfach zu genießen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (04.08.2022)

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