MY SLEEPING KARMA - Atma

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VÖ: 29.07.2022
Bandinfo: MY SLEEPING KARMA
Genre: Post-Rock
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Es gibt diese Bands, die irgendetwas in einem berühren. Im Falle dieses Rezensenten sind es MY SLEEPING KARMA, deren magische Soundwelten, die dem gekonnten Spiel mit Ton gewordenen Emotionen erwachsen, eine tiefgreifende Faszination entwickelten. Fast sieben Jahre hat es jedoch letztendlich gedauert, bis dem großartigen „Moksha“ ein würdiger Nachfolger geschaffen wurde. Zwischen dem 2017 erschienenen Live-Album „Mela Ananda“ und dem nun vorliegenden „Atma“ lag die wahrscheinlich schwierigste Zeit der Band, die die Aschaffenburger mittels hypnotischen, stellenweise ungewohnt düsteren Klängen zu verarbeiten suchen. Es waren nicht nur die üblichen pandemischen Gründe, die die noch immer in Originalbesetzung zusammenspielenden MY SLEEPING KARMA an den Rand ihrer Kräfte trieben – die jähe Konfrontation eines Bandmitglieds mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung ließ viele triviale Dinge in den Hintergrund treten und forderte den Zusammenhalt des Vierers aufs Äußerste.

Doch aus dem anfänglichen Schrecken erwuchs Hoffnung, aus der bedrohlichen Düsternis der Ungewissheit wurde ein größerer Zusammenhalt denn je und aus dem stürmischen Meer des Schicksals, dessen aufbrausende Wogen sich schlussendlich glätteten, wurde „Atma“ geboren. Mit einem eine bröckelnde Welt vorwurfsvoll in seinen Händen haltenden indischen Gott Ganesha visualisiert, nimmt einen das Album mit auf eine Reise durch dunkle, melancholische Klangwelten, aus denen immer wieder hoffnungsvolle Schimmer leichtfüßig-melodischer Riffs emporstechen. Hypnotisch und wellenartig branden die Gitarren an die Gestade wummernder Basslinien, um im nächsten Moment in gar spacig-sphärische Weiten abzudriften, in denen psychedelische Synthesizer-Melodien einprägsame Akzente setzen. Zwischen grummelnden Stoner-Anklängen und hochmelodischen, orientalisch anmutenden Riffvariationen erschaffen MY SLEEPING KARMA einmal mehr ihr eigenes Universum aus mitreißenden Klängen, denen man sich nur sehr schwer entziehen kann.

Die Melancholie der schweren Jahre zieht sich durch „Atma“ und gewinnt vor allem im düsteren „Mukti“ gar plastische Intensität. Die Magie von MY SLEEPING KARMA lebt von der Spannung, die es die Aschaffenburger verstehen in jedem Song aufs Neue aufzubauen, mit feinen Nuancen zu schmücken und zu befeuern, sich in einem pointierten, emotionalen Höhepunkt entladen zu lassen und die Intensität der wogenden Klänge sodann mit feinem Gespür ab- und ausklingen zu lassen. Es ist nicht nur das intensive, zehnminütige „Avatara“, welches den Hörer zu vereinnahmen versteht, sondern die Gesamtheit des Albums, das in seiner Ausgewogenheit zwischen hochmelodischen Träumereien und unbequemen Strukturen („Pralaya“) einen Soundtrack zu einem geforderten, am Abgrund tanzenden Gefühlsleben in Töne kleidet. Doch es wären nicht MY SLEEPING KARMA, wenn nicht die emotionale Grundaussage von „Atma“, gerade durch seine leichtfüßigen, lebensbejahenden Passagen, eine durchwegs positive und aufbauende wäre.

„Atma“ beweist einmal mehr die Sonderklasse von MY SLEEPING KARMA, den Hörer auf eine emotionale Reise mitzunehmen, die einen für einige Zeit in eine komplett andere Welt abtauchen lässt. Egal wie düster und ausweglos es zu sein scheint, irgendwo brennt immer ein Licht der Hoffnung und selbst die wildesten und bedrohlichsten Stürme machen irgendwann wieder klarem Himmel und friedvoller Atmosphäre Platz. MY SLEEPING KARMA haben sich den Schmerz und die Ungewissheit der vergangenen Jahre von der Seele geschrieben und gespielt und damit ein weiteres fesselndes Album erschaffen, in das man nur zu gerne eintaucht und sich davon mitreißen lässt. Das ist einmal mehr ganz großes Musikkino!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (08.08.2022)

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