FLESH STORM - Egyptian Trilogy

Artikel-Bild
VÖ: 07.05.2022
Bandinfo: FLESH STORM
Genre: Thrash Metal
Label: Sheep Hill Records
Hören & Kaufen: Amazon | Webshop
Lineup  |  Trackliste

Wer ist diese eine Band mit dem SLAYER-Song-ähnlichen Namen „Flesh Storm“? Eine Wiener Metalband, die seit 2007 die Türen der österreichischen Metalbars eintreten. Zwischen Thrash und Speed fühlt sich sie sich wohl, aber auch nicht ganz. Mit ihren progressiven Gitarrenriffs und melodischen Eunuchengesang weichen sie von der genretypischen Norm ab und peppen ihren Stil damit auf. Die „Erased From Existence“-Zeiten von nuklearer Zerstörung und illusionären Chemtrails sind Geschichte und werden durch eine von Menschengier zerfressene Fantasiewelt ersetzt, die nur von einem Punk-Skelett gerettet werden kann. Die Rede ist von ihrem neuen (Mini)album „Egyptian Trilogy“. 
 
FLESH STORMs neuester Streich handelt um eine ägyptisch inspirierte Welt namens „New Ancient Egypt“, die durch die Gier der Menschen an Rande der Zerstörung gebracht wurde. Nur einer ist in der Lage sie zu retten, nämlich der „Pharaoh Biker“. Die Geschichte hört sich dramatischer an als sie wirklich ist, mit Liedern wie „The Dude“ oder „Pharaoh Biker“ beweisen die Wiener Thrasher mal wieder ihren humorvollen Schnapsideenreichtum.
 
Stilistisch bewegt sich die Band zwischen Thrash und Speed, mit einem Hauch von progressiven Einflüssen. FLESH STORM bieten leichte Thrashkost an, die einen an IRON MAIDENs Album „Powerslave“ erinnert und schmieren noch ihren eigenen musikalischen Senf hinein. Die bissigen Vocals von damals bei „Erased From Existence“ gibt es nicht mehr und tendieren jetzt mehr zu einem cleanen, kraftvollen Gesang, oft auch in mehrstimmiger Ausführung. Pietsch (Gitarre, Gesang), Schober (Bass, Backing Vocals) und Houska (Gitarre, Backing Vocals) erreichen ungeahnte Höhen und klingen wie Eunuchen, nur mit Eiern in der Hose. 
 
Ihre Stärke liegen in komplexen Midtempo-Riffs - wie zum Beispiel in „The Prism“ - die knackig klingen, aber schwächeln in schnellen Tempogefilden. Bei ihrer Geschichtenerzählung lassen sie sich von orientalischen Gitarrenklängen inspirieren und bringen „1000 und eine Nacht“-Vibes mit. Der einzige Nachteil: das Durchhaltevermögen der Highspeedjunkies wird hier auf die Probe gestellt. Teilweise stößt man auf zähe Haufen, durch die man sich durchzwängen muss, bis man die mittelschnellen Schmankerln erreicht - und bei einer Spiellänge von mindestens fünf Minuten dauert sowas eine gefühlte Ewigkeit. Das hat die Band beim Vorgänger „Erased From Existence“ und ihrer Demo besser hingekriegt.
 
FLESH STORM legen viel Wert auf ihre erfundene Ägypten-Apokalypse und gewähren mit „New Ancient Egypt“, „Intergalactic Mausoleum“, „Close To Extinction“ und „Bringer Of Justice” einen tiefen Einblick.  Es sind stimmige Interludes, in denen eine Erzählerstimme die Situation der von Gier zerfressenen Welt beschreibt. Damit wird der rote Faden, mit amüsanter Pseudo-Dramatik, von Anfang bis zum Ende beibehalten
 
Die Band hat einen neuen Weg eingeschlagen, der nicht vor Humor und Haudrauf Metal strotzt wie früher. Ihr Fokus liegt auf progressives Gitarrenriffs, mit mehrstimmigen Tenorgesang und lassen ihre Muskeln beim Geschichtenerzählen spielen. So sympathisch wie FLESH STORM auch sind, stört mich, als moshpitsüchtiger Thrashhead, trotzdem etwas. Ihr Humor hat sich geändert, von kleinen Späßen zu aufgebauschtem Drama mit Augenzwinkern, ganz anders als bei „Erased From Existence“.  Meiner Meinung nach hat die Band damals mit moshtastischen Nummern wie „State Of Emergency“ mehr auf den Kasten. Aber unterm Strich hat das Konzept von „Egyptian Trilogy“ Hand und Fuß, mit unterhaltsamen Interludes und progressiver Raffinesse.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Julian Dürnberger (10.08.2022)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: TABOO
ANZEIGE