Lillian Axe - Waters Rising

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VÖ: 29.06.2007
Bandinfo: Lillian Axe
Genre: Metal
Label: Locomotive Records
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Lineup  |  Trackliste

LILLIAN AXE, eine der zutiefst unterbewerten US Hardrock Kapellen überhaupt und zwischenzeitlich mit Götterspeisen wie “Love + War“ (1989) & “Poetic Justice“ (1992) bei eingeschworenen Fans so was wie unsterblich, waren eigentlich nie ganz weg vom Fenster, meldeten sich ja überraschenderweise 1999 via “Fields Of Yesterday“, einer Art Demo-Compilation semioffiziell zurück, ehe das Quintett um Axtmagier Steve Blaze im Jahre 2002 das lang rumorende Comeback im Zuge eines Live- Doppeldecker Release endgültig preisgab und sich sogar zwei Jahre später für einen Exklusiv- Gig für das Bang-Your-Head Festival auf den alten Kontinent herlocken ließ.

Nun, was hat sich seit dem getan? Ron Taylor, der charismatische Frontmann mit dieser einzigartig gefühlvollen Stimme sagte Good Bye. Genau genommen – kaum waren die Freudenfunken empor geschossen – war das schon vor dem besagten Europaabstecher bekannt was den Stimmungspegel dementsprechend wieder einschnürte. Gut, wir nahmen und nehmen es zur Kenntnis. So durfte der Skeptiker lediglich auf einen akribischen Bandboss mit gutem Händchen hoffen, der die passende Alternative für Goldkehlchen Taylor, eine nicht wirklich leichte Aufgabe, finden musste …

Derrick LeFevre heißt der glückliche und gleichermaßen in Verantwortung stehende Mikroschwinger der den LILLIANS kein ganz Unbekannter war, da er ebenso in New Orleans beheimatet. Angenehm fortweg: LeFevre versucht erst gar nicht krampfhaft nach Ron zu klingen, konfrontiert den (voreingenommenen) Hörer im selben Atemzug aber genau so wenig anhand konträrer Vibes. Dass “Waters Rising“ einen musikalisch zeitgemäßen Anstrich bekommen würde, war alleine schon wegen der teils Rhythmus betonten wie runter geschraubten Saiten der “F.O.Y.“ Tracks klare Sache, zumal der an erinnernde MÖTLEY CRÜE Power-Groover “Become A Monster“ damals (1999) wie heute, 2007 vertreten. Aber das reichhaltige Ambiente bietet viel, was des Feinschmeckers Gaumen – teils – wohl bekommt. Da wäre z. B. die swingende THE EAGLES Hommage “Quarantine“ oder ein über weite Strecken von Akustikklampfen ausstaffiertes und schön melancholisch dahin schwelgendes “I Have To Die, Goodbye“. Grundsätzliches ist “Waters Rising“ ein sehr zum Nachdenken animierendes Werk geworden, welches das Leben im metaphorischen Sinn als stürmischen Ritt am Rande der Explosion behandelt und sich im Weiteren damit auseinander setzt, Frieden zu finden sowie die individuelle Bedeutung des Lebens zu erkennen. Dies spiegelt sich symptomatisch in Titeln wie “Fear Of Time“ oder “Until The End Of The World“ unmissverständlich wieder, letzterer könnte gar als musikalische Fortsetzung von “Promised Land“, wegen seiner frappierend ähnlichen Vocallines zu Beginn, durchgehen. So weit so gut. Leider driftet jene bewusst implizierte Schwerfälligkeit allerdings auch in Gefilden ab, die selbst nach mehrmaligen Reinkippen nie Eindruck erwecken, noch mal ans Ohr gekuschelt werden zu wollen: das beginnt schon mit Track 2 “Antarctica“, einer Doom like dahin tümpelnden SlowMo Nummer ohne Widerhaken und lässt sich auch gegen Ende des Silbertellers (“Fields Of Yesterday“, “Thirst“, “The 2nd Of May“ “Deep In The Black“) trotz aller Hingabe mitnichten vertuschen. Genau jenen Liedern fehlt nämlich das, was diese Band eigentlich so auszeichnet: neben mitreissenden Hooklines eben diese schier Orgasmus hervor rufenden Harmonien.

Es spricht absolut nichts dagegen, den klassischen Achtziger Pfad gegen ein zeitgemäßes Gewand einzutauschen, man denke z. B. an die Comebackscheibe von TESLA. Aber die charmante Verführungskunst, wie es LILLIAN AXE sonst drauf haben, beschränkt sich hier gerade mal auf die Hälfte und ein paar Zerquetschte. Hinzu kommt noch der drucklose Sound, der eben speziell das langsame Material signifikant abstinken lässt. Wenigstens darf man den Jungs aus der Katastrophen gebeutelten Südregion eines nicht vorwerfen: nämlich auf Nummer Sicher gegangen zu sein. Das ist der Grund, weshalb ich eine Testrotation empfehle, aber nicht ohne dem Hinweis, viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen mit zu bringen. Cést la vie!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Drifter (16.07.2007)

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