WALTER TROUT - Ride

Artikel-Bild
VÖ: 19.08.2022
Bandinfo: WALTER TROUT
Genre: Blues Rock
Label: Mascot Label Group - Provogue Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Man kann es fast nicht mehr hören, aber es ist immer wieder so, und es hat auch Walter Trout getroffen. Die Corona-Lockdown-Phase. Ein Vollblutmusiker wie er fällt zuerst mal in ein tiefes Loch, wenn er nicht mehr auftreten kann. Dann kommt das Überlegen: „Was tun?“ Dann hängt man zuhause ab und übt allein. Dann fängt man an zu schreiben. Und schwupps, hat man ein Album. So auch WALTER TROUT. Bei ihm ist es inzwischen Album Nummer 30, das während der Corona Zeit aufgenommen wurde. Und seine Frau und Managerin sorgte dafür, dass er einen Plattenvertrag als Geschenk zum siebzigsten Geburtstag bekam. Somit war „Ride“ geboren. 

Zum Inhalt des Albums und zum Titel: Das Nachdenken, das die Corona-Beschränkungen bei Walter auslöste, führte zu einer Bearbeitung der Vergangenheit, einer Betrachtung der Gegenwart und zu Überlegungen, was die Zukunft wohl bringen könnte. Der Schwerpunkt des Albums liegt aber auf der Vergangenheit. Bei dieser kann man auf jeden Fall von einem „wilden Ritt“ reden. Dann noch der „Ritt“ durch die Pandemie und der musikalische „Ritt“ seines Lebens – so war schnell ein Albumtitel gefunden. 

Viele Titel auf „Ride“ spiegeln dieses Auf und Ab wider. Die Geister der Vergangenheit machen an vielen Stellen auf sich aufmerksam, in den Titeln, in den Texten und natürlich im Songwriting. 

Die erste Nummer springt gleich mitten in die Aufarbeitung und bietet mit “Ghosts” auch einen treffenden Titel. Das Stück ist ein Mid-Tempo Blues-Song mit dem typischen Blues-Vibe, auf den sich WALTER TROUT so hervorragend bei seinem Songwriting versteht. Eine zeitlose Nummer, die könnte 50 Jahre auf dem Buckel haben – oder eben ganz neu sein.
„Ride“, der Titeltrack, ist gemächlich rockig und klingt ein wenig nach Südstaaten. „Follow You Back Home“ ist ruhig und nachdenklich. Ein harmonischer, emotionell stark geladener Song – kein Wunder, verarbeitet Walter hier doch eine Ehekrise – der mit Hingabe von ihm gesungen wird und bei dem sich Vocals und Blues-Solo-Gitarre sehr schön die Waage halten.

Die nächste Mid-Tempo Nummer mit Aussage ist „So Many Sad Goodbyes“. Einerseits fällt die Orgel auf, die sich mit Bass, Gitarre und Schlagzeug harmonisch verwebt. Andererseits sind es die Lyrics, die aufhorchen lassen. Natürlich hat Walter eine besondere Message bei jedem Song, aber vor allem bei dieser Nummer legt er sein Herz offen und singt über das, was in ihm vorging, als er von den vielen Corona Opfern in seiner Heimat hörte. 

Wieder mal mit Mundharmonika: „High Is Low“ hat den coolen Blues-Rock-Vibe und typischen Sound, den man in dieser zeitlosen Machart und im Songwriting von WALTER TROUT einfach nur lieben kann.

Eine wunderbare hingebungsvolle, jaulende Gitarre startet „Waiting For The Dawn“. Ein Song über das Betrübtsein, über Traurigkeit und Schmerz. Eine zarte, inbrünstige Melodie, ein Song, bei dem die Gitarre mehr singt, als Walter selbst. 
Auf diese Art und Weise setzt sich das Album fort. Ein exzellenter Blues-Song reiht sich an den anderen, jeder ist eine tolle Nummer, egal, ob Schwerpunkt auf rockig ist, auf funky, auf Rock’n’Roll oder doch etwas Ruhigeres draus wird, weil es nachdenkliche Emotionen sind. 

Besonders hervorheben möchte ich noch „Hey Mama“, bei dem es um Walters Jugend und seine Mutter geht. In dem er überlegt, ob sie ihn hätte mehr beschützen können, vor den Misshandlungen von seinem Stiefvater. Es ist ein Blick auf die Dunkelheit, die ihn geformt und seinen Weg bis heute bestimmt hat. 

Abschließend gibt es noch ein liebevolleres Ende, als diese dunkle Seite, es folgt ein richtiger L‘amour-Song. In „Destiny“ erzählt Walter, wie er seine Frau kennenlernte. Diesen jazzigen soften Song sollt man am besten mit Kerzenlicht genießen.

WALTER TROUT bearbeitet in seinem Songwriting gekonnt die verschiedenen Stationen und Schmerzzustände seines Lebens. Der Blues ist dafür ja ein hervorragendes Mittel und Walter nutzt sowohl Gesang als auch Gitarrenspiel, um viel Emotion auszudrücken und seine Gefühlswelt über die Musik zu kommunizieren. Er bleibt seinem Stil treu, gibt sich bei „Ride“ aber nicht festgefahren und veraltet, sondern packt trotz seiner vielen Jahre neue Aspekte hinein. Der WALTER TROUT Fan wird immer wieder fündig, aber auch überrascht. Ein qualitativ echt hochwertiges Album, dass er uns hiermit beschert hat.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (01.09.2022)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: TABOO
ANZEIGE